11 Arbeiter verrichten in Neusiedl ihren Dienst

ÖGB warnt

Immer weniger können von Arbeit leben

Jeder zehnte Österreicher kann vom Arbeitseinkommen nicht leben.

Bereits jeder 10. Beschäftigte in Österreich verdient nicht genug, um davon leben zu können. Die Zahl der Working Poors nimmt ständig zu: Waren im Jahr 2000 256.000 Österreicher trotz eines Arbeitsplatzes von Armut betroffen, so ist diese Zahl heuer bereits auf 350.000 angestiegen, warnt ÖGB-Vizepräsidentin Sabine Oberhauser. "Die Krise ist erst dann zu Ende, wenn die Menschen wieder Arbeit haben und davon leben können."

Prekäre Beschäftigung
Als Folge der Wirtschaftskrise seien immer mehr Arbeitskräfte gezwungen gewesen, einer prekären Beschäftigung nachzugehen. Nach Schätzungen der Internationale Arbeitsorganisation IAO gehen rund die Hälfte aller Arbeitnehmer weltweit einer ungeschützten, sprich atypischen Beschäftigung nach. Der Großteil der davon Betroffenen sei Frauen. In Österreich waren im Vorjahr rund eine Million unselbstständig Beschäftigte in ihrer Haupttätigkeit atypisch beschäftigt, sagte Oberhauser, am Montag, bei einer Pressekonferenz zum "Welttag für menschenwürdige Arbeit" am 7. Oktober.

Immer mehr Menschen würden in ein atypisches Beschäftigungsverhältnis gedrängt. Alle Branchen seien davon betroffen, nicht nur die klassischen Bereiche wie Call-Center und Austräger von Werbematerial. So gebe es bereits Steuerberatungskanzleien mit lauter Ein-Personengesellschaften oder Friseursalons, die praktisch den Friseurstuhl an Ein-Personen-Unternehmen vermieten.

Mindestlohn
Besonderes Anliegen der Gewerkschaft ist die Kooperation mit den benachbarten Gewerkschaftsorganisation. Mit der Öffnung des Arbeitsmarktes im kommenden Jahr werden vor allem Pflegekräfte ins Land kommen, so Oberhauser. Da sei es wichtig, dass die Betroffenen über ihre Rechte informiert werden, damit sie hier nicht "wie moderne Sklaven" arbeiten müssen. Der große Run auf den heimischen Arbeitsmarkt werde aber ausbleiben. Österreich sei in Europa nicht erstes Zielland. Lohn- und Sozialdumping müsse als strafbare Handlung verfolgt werden, fordert die ÖGB-Vizechefin. Die Anhebung des Mindestlohns auf 1.300 Euro habe ebenfalls Priorität.

Der "Welttag für menschenwürdige Arbeit" wurde von Internationalen Gewerkschaftsbund IGB bei seinem Gründungskongress 2006 in Wien ausgerufen und findet heuer zum dritten Mal statt.