FACC-Chef Machtlinger im Interview

"Die Menschen wollen fliegen"

FACC-Chef Machtlinger im Interview

Krise in der Luftfahrt trifft auch den heimischen Zulieferer hart.

Die coronabedingte Krise in der Luftfahrt setzt FACC schwer zu. Der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer hat das erste Halbjahr 2020 mit einem Umsatzeinbruch um mehr als ein Viertel und einem Verlust von 41 Mio. Euro abgeschlossen. Bis Ende September läuft noch ein Kurzarbeitsprogramm, danach droht ein massiver Stellenabbau. Im schlimmsten Fall könnten 700 Jobs wegfallen. ÖSTERREICH bat Firmenchef Robert Machtlinger  zum Interview.
 
 
ÖSTERREICH: Wie stark spürt FACC als Luftfahrt-Zulieferer die Krise?
 
ROBERT MACHTLINGER: Im zweiten Quartal hat sich unser Umsatz halbiert. Wir haben noch bis Ende September Kurzarbeit an allen österreichischen Standorten, für danach ist bereits ein striktes Einsparungsprogramm im Umfang von 15 Mio. Euro aufgesetzt, leider auch verbunden mit einem Mitarbeiterabbau. 80 % des Luftverkehrs sind plötzlich weggebrochen, die Lage bei unseren Kunden ist sehr angespannt. Die gesamte Luftfahrtindustrie wird heuer laut Schätzungen der IATA 84,3 Mrd. Dollar Verlust machen. Im Vorjahr waren es 34 Mrd. Dollar Gewinn. Es wird vier bis fünf Jahre dauern, bis die Luftfahrt wieder auf Vorkrisenniveau ist.
 
 
ÖSTERREICH: Wurden viele Flugzeugbestellungen storniert?
 
MACHTLINGER: Unsere Kunden gehen mit Milliarden in Vorleistung und parken gebaute Flugzeuge heute, um sie später auszuliefern. Es werden wieder Flugzeuge benötigt werden, die Menschen wollen fliegen.
 
ÖSTERREICH: Dass Airbus A380 und Boeing 747 nicht mehr produziert werden - trifft Sie das hart?
 
MACHTLINGER: Beim A380 haben wir viel gelernt und gut verdient. Er hat aber vor Einstellung der Serienfertigung nur 2 bis 3 %unseres Geschäfts ausgemacht. Bei der Boeing 747 lag der Umsatzanteil unter 1 %. Das fällt also nicht sehr ins Gewicht.
 
ÖSTERREICH: Ist eigentlich die Nachfrage nach Privatjets in der Krise gestiegen?
 
MACHTLINGER: In diesem Bereich gab es in der Tat eine geringere Reduktion. Es wurden sogar einzelne Liefertermine vorgezogen, weil die Kunden die Jets früher haben wollten, da sie mit Linienf lügen derzeit zu eingeschränkt sind.
 
ÖSTERREICH: Sie wollen einiges, das Sie bei Lieferanten etwa im Ausland haben fertigen lassen, nach Österreich zurückholen?
 
MACHTLINGER: Ja, das tun wir gerade. Die Eigenfertigung wird im ersten oder zweiten Quartal 2021 umgesetzt. Es geht darum, bestehende Kapazitäten in Österreich zu nutzen und hoch qualifizierte Arbeitsplätze zu sichern.
 
ÖSTERREICH: Abschließend die Frage, wie Sie es bei FACC mit Bonuszahlungen halten angesichts Sparprogramm und staatlicher Unterstützung u. a. für Kurzarbeit?
 
MACHTLINGER: Wir haben sowohl die Dividende als auch das Bonussystem ausgesetzt. Das Management verzichtet zudem auf 20 % des Nettogehalts. Dieses Geld wird in einen Fonds einbezahlt, der für Härtefälle in der Belegschaft zur Verfügung steht.
 
Lesen Sie das ganze Interview, das von Angela Selnner geführt wurde, im Magazin INSIDER am 26. August 2020.