Markenbekanntheit soll ausgebaut werden. "Derzeit" kein Übernahmeangebot für Puma geplant. Anta will Puma in China auf die Sprünge helfen.
Der kriselnde deutsche Sportartikelkonzern Puma bekommt einen chinesischen Großaktionär. Der Branchenriese Anta Sports, zu dem auch die österreichische Skimarke Atomic gehört, übernimmt für gut 1,5 Mrd. Euro das 29,1-Prozent-Aktienpaket der französischen Milliardärsfamilie Pinault, wie die Beteiligten am Dienstag mitteilten. Die Pinault-Familienholding Artemis hatte ihren Puma-Anteil zum Verkauf gestellt, um ihren mehr als 7 Mrd. Euro schweren Schuldenberg abzubauen.
Die an der Hongkonger Börse gelistete Anta Sports nannte den Einstieg bei Puma einen "bedeutenden Schritt in der Globalisierungsstrategie". Die Chinesen begnügen sich aber vorerst mit einem Minderheitsanteil und wollen kein Angebot für die restlichen Puma-Aktien abgeben.
In China kommt Anta nach eigenen Angaben mit der eigenen Marke und mit Fila auf einen Marktanteil von knapp 25 Prozent und sieht sich als Marktführer. Die Chinesen halten auch 40 Prozent an Amer Sports, die hinter den Ski-Marken Atomic und Salomon sowie hinter Wilson-Tennisschlägern und Arc'teryx-Outdoorbekleidung steht. Im vergangenen Jahr hatte sich Anta bereits die deutsche Outdoor-Marke Jack Wolfskin einverleibt, die in Schwierigkeiten geraten war.
Puma will Abkehr vom Billig-Image
"Puma ist eine traditionsreiche Marken-Ikone", sagte Anta-Chef Ding Shizhong. "Damit werden wir die Globalisierung von Anta Sports weiter beschleunigen und das nächste Wachstumskapitel in den globalen Sportmärkten - einschließlich China - schreiben." Puma hatte zuletzt auf dem weltweiten Markt an Boden verloren und war von der Nummer drei nach Nike und Adidas hinter neue Konkurrenten wie New Balance, Skechers und Lululemon abgerutscht. Mit einer Abkehr vom Billig-Image und der Konzentration auf wichtige Sportarten will der neue, von Adidas gekommene Vorstandschef Arthur Hoeld Puma wieder in die richtige Spur bringen.
Anta Sports will Puma vor allem in China auf die Sprünge helfen. "Puma hat auf dem chinesischen Markt mehr Potenzial", sagte Anta-Manager Wei Lin. Der Konzern mit der Raubkatze als Logo erwirtschafte dort nur sieben Prozent des weltweiten Umsatzes. "Wir wissen, wie wir Puma in China erfolgreicher machen können."
Kontakte mit Hoeld habe es noch nicht gegeben, sagte Anta-Manager Wei Lin der Nachrichtenagentur Reuters. Man habe nur mit Artemis verhandelt. "Aber unser Top-Management wird heute als Erstes mit ihnen sprechen", fügte er hinzu. "Wir haben Vertrauen in den Vorstandschef und sein Team." Puma äußerte sich zunächst nicht zum Wechsel des Großaktionärs. Anta will bei Puma vor allem über den Aufsichtsrat Einfluss nehmen und dazu die beiden Mandate der Franzosen übernehmen. Artemis stellt mit der stellvertretenden Vorstandschefin Heloise Temple-Boyer auch den Aufsichtsratschef von Puma.
Börsianer spekulierten auf Komplettübernahme
Man wolle "auf Augenhöhe zusammenarbeiten, ohne Abstriche in puncto Unabhängigkeit zu machen", sagte Ding. Eine komplette Übernahme sei "derzeit" nicht geplant. An der Börse schmolzen die Kursgewinne der Puma-Aktie daraufhin weitgehend wieder ab, nachdem die Titel zu Handelsbeginn zeitweise um mehr als 20 Prozent auf 26,21 Euro in die Höhe geschossen waren. Anta bietet den Franzosen 35 Euro je Puma-Aktie und damit einen Aufschlag von 62 Prozent auf den Schlusskurs vom Montag. Ein Pflichtangebot wäre erst bei einem Überschreiten der 30-Prozent-Marke fällig. Artemis hat sich für diesen Fall einen Nachschlag ausbedungen. "Wir sind der Ansicht, dass der Puma-Aktienkurs der vergangenen Monate das langfristige Potenzial der Marke nicht vollständig widerspiegelt", sagte Ding.
Von einem Höchststand von fast 115 Euro war das Papier nach dem Abschied von Puma-Chef Björn Gulden zu Adidas bis auf 15,30 Euro abgestürzt. Der Plan seines Nachfolgers Arne Freundt, der auf eine teure Markenkampagne gesetzt hatte, war gefloppt. Der Umsatz dürfte im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent auf unter acht Milliarden Euro gesunken sein.
Anta Sports kam 2024 auf umgerechnet 8,2 Milliarden Euro Umsatz, knapp die Hälfte davon mit der eigenen Marke. Amer Sports ist darin noch nicht eingerechnet. Anta führte 2019 ein Konsortium zur Übernahme des aus Finnland stammenden Unternehmens an und brachte Amer 2024 an die New Yorker Börse. Von 2020 bis 2024 habe Amer den Umsatz auf gut fünf Milliarden Dollar mehr als verdoppelt, vor allem mit dem Ausbau des Online-Geschäfts. Das will Hoeld auch bei Puma forcieren. Ein Viertel des Amer-Umsatzes kommt inzwischen aus China.
Artemis war 2018 zum größten Puma-Aktionär geworden, als der französische Luxusgüterkonzern Kering seine Beteiligung an die eigenen Aktionäre ausgeschüttet hatte. "In den vergangenen acht Jahren hat Artemis das Wachstum von Puma aktiv unterstützt und bleibt sehr zuversichtlich für dessen künftige Entwicklung", hieß es in einer Stellungnahme der Franzosen. François-Henri Pinault ist auch Chef von Kering. Der Verkauf der Puma-Anteile an Anta muss noch von den Kartellbehörden und den Aktionären von Anta genehmigt werden.