Fotojournalismus in der Krise - Gamma vor Aus
"1966 reichte es, in eine Flugzeug zu steigen und drei Fotos am anderen Ende der Welt zu machen, um im "Nouvel Observateur" oder in "Paris Match" gedruckt zu werden", sagte Raymond Depardon, ebenfalls Mitgründer von Gamma der Zeitung "Liberation". Heute ist das Fotografieren und das Senden von Fotos viel einfacher geworden - doch das Reisen und Recherchieren ist immer noch teuer und aufwendig.
Die Medienkrise hat auch die Fotografen voll erwischt. "Von den amerikanischen Medien gibt es seit Dezember keine Aufträge mehr, und manche Zeitschriften haben ihre Fotoseiten um 30 Prozent zusammengestrichen", sagt Stephane Ledoux, Chef der Agentur, die mittlerweile zu einer Holding namens Eyedea gehört. Im vergangenen Jahr machte die Agentur drei Millionen Euro Verlust - und im ersten Halbjahr 2009 gleich noch einmal so viel. Die Aktivitäten schrumpften um 30 Prozent.
Gamma galt seit ihrer Gründung in den 60er Jahren als eine der "drei großen A" - also als eine der Agenturen, die auf "a" enden: Gemeinsam mit Sipa und Sygma begründete sie den Ruf von Paris als Hauptstadt der Fotoreportage. Aber auch in der guten alten Zeit war es nicht immer einfach, mit aufwendigen Fotoreportagen aus Krisengebieten über die Runden zu kommen. "Wir haben Fotos von Stars wie Johnny Hallyday und Mireille Mathieu gemacht. Davon haben wir unsere Miete bezahlt und sind nach Israel oder in den Tschad gereist", erinnert sich Depardon.
Ursprünglich arbeiteten die Agenturen als Kooperative, um die Rechte der Fotografen besser zu schützen. Die Fotografen gaben einen Teil ihres Honorars an die Agentur ab, die ihnen wiederum ein Grundgehalt zahlte und Reisen vorfinanzierte. Dieses Modell hat sich längst überholt. Alle drei großen A wurden aufgekauft: Sygma ging in dem von Bill Gates gegründete Medienunternehmen Corbis auf, Sipa wurde von der Gruppe Sud Communication übernommen. Gamma gehört heute samt seinem Archiv mit 30 Mio. Bildern von 6.000 Fotografen einem Investorenfonds.
Auf dem Markt des Nachrichtenjournalismus gibt es für Gamma kaum eine Perspektive, der wird von den Platzhirschen der internationalen Agenturen wie Reuters und AP beherrscht. "Wir setzen auf den Zeitschriftenmarkt", kündigte Ledoux kürzlich an. "Alle interessieren sich für "People", also werden wir auch weiterhin "People" produzieren", fügte er hinzu. Auf der Website des Unternehmens grinst dem Besucher passend dazu eine zart geschminkte Carla Bruni, Sängerin und Ehefrau des französischen Präsidenten, entgegen.
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