ITER

ITER: Chancen für heimische Firmen

Der geplante internationale Kernfusionsreaktor ITER wird später in Betrieb gehen als erwartet und deutlich teurer werden. Dennoch ist das Milliarden-Projekt - nomen est omen - auf dem Weg: Am Bauplatz in unmittelbarer Nachbarschaft zum französischen Kernforschungszentrum Cadarache in Südfrankreich ist alles vorbereitet, der erste große Pulk an Ausschreibungen wird für 2010 erwartet.

Und dabei sollen sich nach Wunsch der Außenwirtschaft Österreich (AWO) auch verstärkt österreichische Unternehmen beteiligen, die AWO veranstaltet dazu am 17. November einen Workshop für interessierte Zulieferfirmen in Wien.

Mit dem wissenschaftlich und technologisch ehrgeizigen Projekt ITER (lateinisch: der Weg) soll die wissenschaftliche und technologische Machbarkeit der Energieerzeugung aus Kernfusion bewiesen werden. Ziel ist, die in der Sonne und allen Sternen ständig laufende Fusion von Atomkernen unter kontrollierten Bedingungen ablaufen zu lassen.

2025 erst volle Leistung

Dabei werden leichte Atomkerne - bei ITER die beiden Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium - auf rund 100 Mio. Grad Celsius erhitzt, fast zehnmal so heiß wie im Inneren der Sonne. In dem dabei entstehenden Plasma verschmelzen die Wasserstoff-Atome zu Helium und geben dabei eine große Menge Energie ab, die zur Erzeugung von Strom genutzt werden soll. Vorteile sind die leichte Verfügbarkeit des Brennstoffs, die nach Angaben aller Wissenschafter hohe Sicherheit - im Unterschied zur Kernspaltung ist bei der Kernfusion eine unkontrollierte nukleare Kettenreaktion ausgeschlossen - und kein langlebiger radioaktiver Abfall.

Zehn Mrd. Euro waren ursprünglich für das Projekt vorgesehen, je zur Hälfte für den Bau und für den Betrieb, zudem sollte nach diesen Plänen der Fusions-Reaktor 2015-16 in Betrieb gehen. Doch es wird nicht nur zu Verzögerungen, sondern auch zu deutlich höheren Kosten kommen.

Der Zeitplan sieht nun so aus: "Ende 2018 wollen wir das erste Plasma im Reaktor haben, zu diesem Zeitpunkt wird die Maschine aber noch gar nicht komplett fertig sein, was auch auf die Budgetprobleme zurückzuführen ist. Volle Fusionsleistung wird für 2025 angestrebt", erklärte eine der Schlüsselfiguren bei ITER, der aus Österreich stammende Senior Scientific Advisor for Technical Integration, Gunter Janeschitz, vor österreichischen Journalisten bei einem Lokalaugenschein auf der ITER-Baustelle in Cadarache, 40 Kilometer nordöstlich von Aix-en-Provence.

2010 kommt Schwung an Ausschreibungen

Für die Ausschreibungen und Vergabe der Aufträge in Europa ist die eigens gegründete europäische Organisation "Fusion for Energy" mit Sitz in Barcelona verantwortlich. An den in den nächsten Jahren zu erwartenden Ausschreibungen in Milliardenhöhe sollen auch österreichische Unternehmen mitnaschen können, ist das Ziel von Michael Scherz, Leiter der Internationalen Technologiekooperationen der Außenwirtschaft in der Wirtschaftskammer.

So wie heimische Firmen von Aufträgen des Europäischen Kernforschungszentrums CERN profitiert haben, "wollen wird den Kreis der Unternehmen vergrößern, die an den nun startenden Ausschreibungen für ITER mitmachen", sagte Scherz. Dazu soll auch ein Workshop der Außenwirtschaft für potenzielle Zulieferfirmen am 17. November in Wien sorgen.

Die Außenwirtschaft Österreich steht mit rund 35 potenziellen Zuliefer-Unternehmen in Österreich in Kontakt, Scherz hofft, die Zahl der Interessenten verdoppeln zu können. Praktisch als Fixstarter gilt der Tiroler Werkstoffspezialist Plansee, hat sich das Unternehmen doch schon bei bereits bestehenden Fusionsexperimenten als Zulieferer einen Namen gemacht.

Auch Böhler-Uddeholm kann sich aufgrund seiner Spezialstähle Hoffnung machen, auch wenn die Stahllieferungen aus Südkorea kommen sollen. Und laut Scherz ist auch ein heimisches Planungsunternehmen in einem internationalen Konsortium vertreten, das sich an Ausschreibungen beteiligen will. Für kleinere Unternehmen aus Österreich sind solche internationalen Partnerschaften wohl die beste Chance, um zum Zug zu kommen, weshalb auch seitens der Außenwirtschaft überlegt wird, ob man mit dem Verein der deutschen Industrie für Zulieferungen zu ITER zusammenarbeitet.