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EVN hofft auf Streit-Beilegung in Mazedonien

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Für die offenen Streitpunkte mit der Regierung in Mazedonien hofften die Niederösterreicher auf einen Vergleich.

Außer dem auch schon vor Gericht ausgetragenen Zwist um 160 Mio. Euro Altschulden aus der Zeit vor dem EVN-Einstieg in dem Land geht es auch um die Stromtarif-Berechnung und die Frage, ob die EVN Investitionszusagen ausreichend erfüllt hat.

Zudem würde sich die EVN gerne Energie frei beschaffen können, derzeit hat der Staat ein Import- und Exportmonopol. "Dieses Paket muss man lösen", sagte EVN-Chef Burkhard Hofer.

Mittlerweile seien in dem Konflikt "die Voraussetzungen besser geworden", sagte Hofer im Klub der Wirtschaftspublizisten. Einerseits sei der mazedonische Vizepremier beauftragt worden, die strittigen Punkte einer Klärung zuzuführen. Zudem bestehe mit der Aufhebung eines Ersturteils eines Gerichts durch die Oberinstanz in Skopje "erstmals die Chance zu einem echten Verfahren mit einer Beweisaufnahme", "das hab es bisher noch nicht gegeben".

Schiedsgericht in Washington

Schließlich hofft der EVN-Chef beim Bemühen um einen Kompromiss auch auf Unterstützung durch die internationale Staatengemeinschaft. Es gebe mittlerweile kein EU-Gespräch in Mazedonien, das nicht mit den Worten "You have to resolve the EVN case" beginne. Ein Schiedsgericht in Washington ist bereits länger eingeschaltet.

EVN hatte im April 2006 den mazedonischen Stromversorger ESM um rund 200 Mio. Euro übernommen. Später entzündete sich ein Streit darüber, ob und in welcher Höhe die EVN Altschulden wegen unbezahlter Rechnungen aus der Ära vor der Privatisierung eintreiben und abführen muss.

EVN will mehr investieren

In Mazedonien würde die EVN gerne mehr investieren, auch in die Stromerzeugung. Derzeit verfügt man dort nur über elf eher kleinere Wasserkraftwerke, mit denen man auf nicht einmal 5 % Eigendeckungsgrad kommt. Inklusive Österreich steht man in allen Ländern zusammen unter 40 %, mittelfristig - bis 2020 - sollen es allein in Südosteuropa 40 % werden, so Hofer.

Heuer ist bei der EVN der Deckungsgrad aus Eigenerzeugung in den ersten drei Geschäftsquartalen (per 30.6.) auf 18,4 (22,1) % gesunken, ohne Bulgarien und Mazedonien waren es 53,6 (65,7) %. Allerdings wurden eigene kalorische Kraftwerke zurückgefahren, da der Unterschied zwischen Verkaufs- und Primärenergiepreisen zu gering war. Im CEE-Raum zählt die EVN rund 2,3 Mio. Kunden, davon 1,55 Mio. in Bulgarien (dies entspricht etwa einem Drittel des Endkundenmarktes) und 750.000 in Mazedonien.

100-Mio.-Euro-Zuschlag für Andritz

Zum Ashta-Flusskraftwerk in Albanien, das die EVN mit dem Verbund errichten will, soll der Vertrag mit dem Partner rasch fertig sein, sagte Hofer. Jetzt, nach dem 100-Mio.-Euro-Zuschlag für den Turbinenhersteller Andritz, könne man die Endkalkulation vornehmen. Die Gesamtkosten würden etwas über den bisher geschätzten 160 Mio. Euro liegen. Der Bau ist zwischen 2010 und 2012 geplant, Ashta mit 48 MW Leistung soll 230 GWh Strom im Jahr für 100.000 Haushalte liefern.

Mit der norwegischen Statkraft will die EVN in Albanien zudem in den nächsten 5 bis 7 Jahren für 950 Mio. Euro drei Wasserkraftwerke am Devoll-Fluss mit 340 MW Leistung errichten, die 1.000 GWh Strom erzeugen.

In Bulgarien hat die EVN erst vor etwas mehr als einem Monat von der Regierung in Sofia grünes Licht für das 500 Mio. Euro teure Projekt Gorna Arda nahe der türkischen Grenze bekommen. Das 175-MW-Werk soll in etwa 5 bis 8 Jahren fertig sein und 440 GWh im Jahr erzeugen; die Mehrheit am Projekt hält die staatliche NEK.

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