Bis zur Krise 2008 konnten die Fluggesellschaften den Preisverfall mit mehr Passagieren kompensieren.
Die bisher schwerste Krise in der weltweiten Luftfahrt und die Folgen für die Branche in Österreich sind im Bericht über die Zivilluftfahrt 2009 der Statistik Austria ablesbar, aber auch der Erfolg der Billigflieger: Im Jahr 2009 lagen die Umsätze der Luftfahrtbranche in Österreich nur bei 90,2 Prozent des Werts von 2005. Allerdings kostete ein Flugticket im vergangenen Jahr lediglich 63 Prozent von 2005. Allein im Jahresabstand 2008 auf 2009 sanken die Ticketpreise um 12,5 Prozent, die Umsätze um 15,6 Prozent.
Konrad Pesendorfer, Fachstatistischer Generaldirektor der Statistik Austria: Die Airlines hätten den Ticketpreisverfall in den vergangenen Jahren durch steigende Passagierzahlen kompensieren, den Umsatz trotz fallender Preise noch hoch halten können. Ab Ende 2008 bzw. im Jahr 2009 sei das nicht mehr möglich gewesen.
Bei der AUA, die für die Hälfte des heimischen Marktes (Gesamtwertschöpfung 2009: knapp 3 Mrd. Euro) steht, ist nicht überrascht vom heute vorgestellten Statistikbericht. "Bei den Preisen zeigt der Trend seit zehn Jahren nach unten", so ein AUA-Sprecher zur APA. Der Grund: Die Liberalisierung des Luftverkehrs und der damit verbundene Wettbewerb, Vordringen der Low-Cost-Carrier und schließlich tiefgreifende Umstrukturierungen bei vielen Airlines. In den letzten Krisenjahren seien auch die Passagierzahlen eingebrochen, bei weiter fallenden Preisen. "Jetzt, wo alles auf Erholung hinzeigte, kommt die Aschewolke."
Die Airlines sprechen von den vergangenen eineinhalb Jahren von der schlimmsten Krise in der Geschichte der Luftfahrt. Die Statistik Austria erhebt jedes Jahr die Entwicklung in der kommerziellen Luftfahrt in Österreich: Also zivilen Flugverkehr in- und ausländischer Verkehrsflugzeuge, die auf den heimischen Flughäfen Wien, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Salzburg starten und landen.
Ergebnisse im Detail: Bei 317.534 Flugbewegungen (minus 8,3 Prozent) wurden 2009 im kommerziellen Luftverkehr 22,6 Mio. Passagiere (inklusive Transitpassagiere) befördert, um rund 2,1 Millionen oder 8,5 Prozent weniger als im Jahr davor. Die Frachtbeförderung nahm letztes Jahr um 2,5 Prozent auf 209.200 Tonnen ab, bei der Luftpost gab es einen noch deutlicheren Rückgang um mehr als 10 Prozent.
Alle sechs österreichischen Verkehrsflughäfen haben 2009 zum Teil massive Passagierrückgänge gemeldet. In Wien sank die hier abgefertigte Passagierzahl um 8,3 Prozent, in Graz um 5,9 Prozent, in Innsbruck nur um 1,3 Prozent, und in Klagenfurt um 4,8 Prozent. Zweistellig nach unten ging es in Linz (minus 15 Prozent) und Salzburg (14,2 Prozent).
Wien ist das Drehkreuz in Österreich: Drei von vier Flügen (76,6 Prozent), vier von fünf (79,9 Prozent) Passagieren, 97 Prozent des Luftfrachtumschlags und praktisch 100 Prozent der gesamten Luftpost entfielen auf den Flughafen Wien. Daneben waren 30 Prozent der rund 9 Mio. von Wien aus abgereisten Fluggäste zugleich auch Transferpassagiere. Im Linienverkehr frequentierten den Flughafen Wien im Berichtsjahr insgesamt 81 Airlines. Durchschnittlich startete oder landete in Wien-Schwechat an jedem Tag des Jahres 2009 alle zwei Minuten ein Flugzeug.
Bei den Streckenzielen hat Frankfurt vor einigen Jahren London (von und nach Wien) als Nummer eins abgelöst. Hauptziele sind derzeit Frankfurt, London, Zürich, Paris und Düsseldorf.