Krise ist hartnäckig

Wifo senkt Österreichs BIP-Prognose leicht

Die Konjunktur in Österreich erholt sich nur sehr träge: Die Wifo-Experten haben die Wachstumsprognosen für 2010 und 2011 leicht gesenkt. Sie erwarten laut neuer Frühjahrsprognose real nur noch 1,3 bzw. 1,4 % BIP-Plus; im Dezember hatten sie noch ein Wachstum von 1,5 bzw. 1,6 % erwartet. Das IHS lässt seine Vorhersagen für 2010 und 2011 mit +1,3 bzw. +1,7 % unverändert, verweist aber darauf, dass der weltweite Aufschwung in Europa nur zögerlich sei. 2009 ist die heimische Wirtschaft mit minus 3,6 % noch etwas stärker geschrumpft als zuletzt gedacht.

Österreichs Wirtschaft erholt sich laut Wifo nur verhalten. Impulse kommen primär vom Export, doch sei die Nachfrage der wichtigsten Handelspartner wenig dynamisch, teils seien die Zielländer noch in der Rezession. Erhebliche Risken berge neben den labilen Finanzmärkte auch die uneinheitliche Entwicklung in CEE.

Der Übergang von der Export- zu einer Investitionskonjunktur dürfte in den nächsten Quartalen - auch wegen der weiter sehr geringen Auslastung der Industrie - nicht ausgelöst werden. "Ein kräftiger Konjunkturaufschwung ist deshalb nicht in Sicht", so das Wifo.

Keine Entwarnung am Arbeitsmarkt: Quote steigt auf 5,2 %

Die Lage am heimischen Arbeitsmarkt wird sich 2011 weiter verschärfen, aber nicht mehr so stark wie zuletzt geglaubt. Nach Eurostat-Definition geht das Wifo für heuer von einem Anstieg der Arbeitslosenrate von 5,0 auf 5,2 % aus, für 2011 werden 5,4 % erwartet.

Nach nationaler Berechnung dürfte die Quote heuer von 7,2 auf 7,4 % steigen, dann aber nur noch auf 7,7 statt 8,1 %. Das IHS erwartet für beide Jahre 5,5 (Eurostat) bzw. 7,7 % Quote. Im Schnitt werden vom Wifo 282.000 Arbeitslose für 2011 erwartet, plus 79.00 in Schulung befindliche Personen. In Summe wird die Arbeitslosenzahl in Österreich durch die Finanz- und Wirtschaftskrise dann um 100.000 angestiegen sein.

Energie treibt die Inflation leicht nach oben

Der Anstieg der Verbraucherpreise dürfte sich etwas stärker beschleunigen als zuletzt angenommen - heuer durch Verteuerungen bei Energie und 2011 durch mögliche Energiesteuern. Die Inflations-Prognose für 2010 hat das Wifo von 1,3 auf 1,4 % angehoben, für 2011 etwas kräftiger von 1,5 auf 1,8 %; damit wäre die Teuerung in Österreich dann höher als im Euro-Raum. Das IHS sieht 2010/11 Inflationsraten von 1,3 und 1,6 % und meint, dass der Preis-Überwälzungsspielraum für die Unternehmen gering bleibt.

Das Budgetdefizit wird auch heuer und nächstes Jahr niedriger ausfallen als die Konjunkturforscher noch im Dezember angenommen haben. Nach 3,5 % des BIP gesamtstaatlichem Abgang 2009 gehen sowohl Wifo als auch IHS für 2010 nun von 4,7 % Defizit aus (statt laut Wifo 5,2 % bzw. IHS 5,3 %), für 2011 von 4,0 % Minus statt der 4,8 (IHS: 4,9) % laut Winterprognose.

Weltwirtschft auf Erholungspfad, Euroraum kaum belebt

Die Weltwirtschaft befindet sich auf dem Erholungspfad, doch im Euro-Raum gibt es kaum eine Belebung, so das Wifo. Nach der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg ist die globale Wirtschaft in der 2. Jahreshälfte 2009 wieder auf einen Wachstumskurs eingeschwenkt, jedoch mit starken regionalen Unterschieden, betont das IHS: "Alles deutet auf einen eher zögerlichen Aufschwung hin, vor allem in Europa."

Der Welthandel expandiert kräftig - nach -13 % im Vorjahr heuer real um +10 % und nächstes Jahr nochmals um +8 % - getragen vor allem von Asien. China wird weiter um die 9 % jährlich wachsen. Das weltweite BIP dürfte, nach einem Rückgang um 1,0 % im Vorjahr, heuer um 3,3 % expandieren und 2011 um 3,5 %. Der Euro-Raum mit 4,1 % Einbruch 2009 dürfte 2010 nur um 1,0 % zulegen und 2011 um 1,2 %, beides schwächer als Österreich, so das Wifo. Das IHS unterstellt heuer 1 % Wachstum im Euro-Raum, 2011 dann 1,5 %; in Mittel- und Osteuropa bleibe das Wachstum mit 1,4 bzw. 2,6 % aber verhalten.

In den USA zeichnet sich laut Wifo für 2010 eine Ausweitung der Wirtschaftsleistung um 2,5 % ab - nach einem Rückgang von 2,4 % im Vorjahr -, weil in Amerika Geld- und Budgetpolitik anhaltend expansiv wirken. Eine Trendwende am US-Arbeitsmarkt gebe es noch nicht, die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 9,7 %. 2011 könnte sich das Wachstum in den USA auf 2,2 % abschwächen. Das IHS sieht 2010/11 das US-BIP um 2,8 und um 2,4 % zulegen.

Die Wirtschaft des Haupthandelspartners Deutschland profitiert zwar von der Erholung der Weltwirtschaft, doch wirken laut Wifo die mäßige Entwicklung im Euro-Raum und die Schwäche der Konsumnachfrage im Inland bremsend. Allerdings dürfte das reale BIP Deutschlands etwas stärker steigen als jenes der Euro-Zone. Im übrigen sind die Konjunkturunterschiede in Europa groß: Während das BIP in Ländern wie Deutschland und Frankreich heuer real um etwa 1,5 % zunehmen dürfte, geht es in Südeuropa, vor allem Griechenland, weiter zurück.

Den Ölpreis, der im Vorjahr von 97 auf 61,5 Dollar pro Fass gesunken ist, sehen die Experten heuer im Schnitt bei 80-85 Dollar und 2011 bei 82-90 Dollar, der jeweils höhere Wert stammt vom IHS. Durch die Euro-Schwäche schlägt dies jedoch stärker auf die Teuerung durch. Der Euro, dessen Wert im Vorjahr von 1,47 auf 1,39 Dollar verfallen ist, dürfte sich 2010 und 2011 bei schwachen 1,35 Dollar bewegen, gehen Wifo und IHS konform.

In Österreich expandiert die Konsumnachfrage laut Wifo langsam, aber stetig. Selbst in der tiefen Rezession hatten sich die Konsumausgaben der privaten Haushalte erhöht - unterstützt durch staatliche Stimulierung, etwa die Steuerreform, so das IHS. Dieser mäßige Anstieg dürfte sich - nach +0,4 % 2009 - laut Wifo heuer und 2011 mit real jeweils +0,7 % fortsetzen. Das IHS erwartet für 2011 sogar 1,1 % Plus beim Privatkonsum.

Für einen Aufschwung in Österreich fehle jedoch vor allem eine Belebung der Investitionstätigkeit der Unternehmen. Diese zeichne sich auch für die nächsten Quartal nicht ab. Erst gegen Jahresende könnten Vorzieheffekte vor Auslaufen der steuerlichen Investitionsbegünstigung wirksam werden. Die Bauinvestitionen schrumpfen auch heuer noch, scheint jetzt klar.

Die Pro-Kopf-Realeinkommen schrumpfen heuer leicht und dürften 2011 bestenfalls stagnieren. Heuer sieht das Wifo die Realeinkommen brutto um 0,2 % und netto um 0,4 % zurückgehen. Nächstes Jahr könnten sie brutto gleichbleiben, netto dürften es aber 0,2 % weniger sein. 2009 waren die Realeinkommen in Österreich pro Kopf noch brutto 1,1 % gestiegen und netto sogar 2,3 % höher ausgefallen. Die Lohnstückkosten der Gesamtwirtschaft dürften heuer stagnieren und in der Sachgütererzeugung um 3,6 % sinken. Laut IHS dürfte die Sparquote 2010 und 2011 um 0,2 bzw. 0,4 % fallen - vor dem Hintergrund der mäßigen Einkommensdynamik.

Die Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen, die für 2011 geplant sind, dürften laut Wifo ausreichen, um den Finanzierungssaldo des Staates auf -4 % zu senken. Der bisherige Rahmenplan sieht eine Verringerung der Bundesausgaben und eine Erhöhung der Steuereinnahmen um je 1,7 Mrd. Euro vor (insgesamt 1,2 % des BIP), so das Wifo. Darüber hinaus sei ein Konsolidierungsbeitrag der Bundesländer von 800 Mio. Euro zu erwarten. 2009 habe die heimische Budgetpolitik wesentlich zu einer Stabilisierung der Konjunktur beigetragen und dabei in Kauf genommen, dass das Staatsdefizit um 0,4 auf 3,5 % des BIP angestiegen ist. Österreich weise aber neben Deutschland und Finnland einen der niedrigsten Defizitwerte im Euro-Raum auf.