Verkaufsermächtigung an Grasser

Zeuge belastet Grasser in Buwog-Affäre schwer

Grassers Ex-Mitarbeiter Michael Ramprecht beschuldigte den Ex-Minister in der Buwog-Affäre scharf. Jetzt schlägt Grasser zurück.

Der Verkauf von 60.000 Bundeswohnungen im Jahr 2004 vom Staat an die Immofinanz wird zum Krimi. Nach Bekanntwerden von unversteuerten Provisionen in Höhe von 9,6 Mio. Euro an die Grasser-Freunde Walter Meischberger und Peter Hochegger gibt es schwere Anschuldigungen eines Ex-Kabinettsmitarbeiters gegen Karl-Heinz Grasser.

Zeuge beschuldigt Grasser auch beim Staatsanwalt

Michael Ramprecht erhob im profil – vorerst anonym – Vorwürfe gegen Grasser, die er Sonntagabend vor der Staatsanwaltschaft wiederholte und verstärkte. Drei Stunden packte Ramprecht bei Staatsanwalt Norbert Haslhofer unter Wahrheitspflicht aus.

Die Hauptvorwürfe:

- Zuerst habe Grasser dafür gesorgt, dass die Investmentbank Lehman Brothers für den Verkauf der Wohnungen zuständig ist.
- Schließlich soll Grasser dafür gesorgt haben, dass 2004 die Immofinanz den Zuschlag bekam – für 830,5 Mio. Euro.
- Doch nun geht Grasser in die Offensive. Seine Anwaltskanzlei Gheneff – Rami bringt Klage gegen Ramprecht ein – wegen übler Nachrede und Kreditschädigung.

Ramprecht (49, Kärntner) wurde 2000 von Grasser als Budgetexperte ins Kabinett des Finanzministeriums geholt – blieb dort aber nur bis 2001. Danach wechselte er als Geschäftsführer in die Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG). Er saß im Aufsichtsrat der Buwog und war Vorsitzender der Vergabekommission.

Rache an Grasser wegen verlorenem Top-Job?

Zum Bruch mit Grasser kommt es 2006. Die Grünen decken in einer parlamentarischen Anfrage den Fall um eine privat nicht versteuerte Provision bei einem Wohnungsverkauf von Ramprecht auf und weisen ihm illegale Gewerbetätigkeit nach. Grasser schließt sich der Meinung der Grünen an, dass hier Unvereinbarkeit vorliegt und distanziert sich von Ramprecht.

Seither hege Ramprecht Rachegefühle gegen Grasser. In diese Zeit fällt auch das E-Mail, das Ramprecht an Grassers Kabinett schreibt und in dem er bereits Enthüllungen androht: „Ich kann ganz, ganz unangenehm werden.“ Beruflich hat Ramprecht kein Glück. Unter dem Unternehmer Erwin Soravia führt er kurzzeitig die Kinderwelt Minopolis, die später pleite geht. Auch mit Soravia zerstreitet er sich. Heute ist er Geschäftsführer der Baumaschinenfirma De Martiis. Grasser sagt dazu: "Ich bin menschlich wirklich enttäuscht von ihm.“ Ramprecht selbst war gestern unerreichbar.

EXKLUSIV: Das Droh-E-Mail an Grasser:
"WERDE SONST ZUM RAUBTIER"

Der ehemalige Grasser-Mitarbeiter Michael Ramprecht ging am Wochenende via profil mit Vorwürfen gegen den Ex-Finanzminister an die Öffentlichkeit. ÖSTERREICH liegt als einzigem Medium bereits ein früheres Droh-Mail Ramprechts vor. Er hatte es im Februar 2006 an einen Kabinettsmitarbeiter Grassers, einen hohen Beamten des Finanzministeriums sowie einen Aufsichtsrat der Bundesbeschaffungs-GmbH geschickt. Tenor: Da er als Geschäftsführer der Bundesbeschaffungs-GmbH gehen musste, droht er nun Rache.

Ramprecht schreibt: "Ich bin seit 14 Tagen in einem nicht ganz unangenehmen Ausnahmezustand, wo ich offensichtlich nur 2 Stunden Schlaf brauche, weil ich in meinem Kopf ein Puzzlebild zusammenbaue. Heute um 2:00 Uhr in der Früh haben die verschiedenen Puzzles endlich ein Bild ergeben, dass [sic!] ich deuten kann.“

Und er klagt: "Mein ganzes näheres Umfeld sagt mir, dass es zwar eine Riesenschweinerei ist, aber der Finanzminister ist so mächtig. Dieser Finanzminister hat nicht mächtig zu sein, sondern ein Vorbild für die Jugend. Das ist seine Aufgabe. Das hat bis jetzt auch bei der Erziehung meiner Kinder hervorragend geklappt.“

"Ich möchte es noch präziser ausdrücken: Ich fühle mich um eine faire Chance – und nichts anderes ist das Stellenbesetzungsgesetz –, um das, was ich aufgebaut habe, weiterzuentwickeln, betrogen. Die Erklärungen sind seicht und unfair.“

Dann droht Ramprecht unverhohlen: "Eines gebe ich Euch noch auf den Weg: Seid in der nächsten Zeit ganz nett und ganz, ganz fair zu mir. Ich bin ein angeschossenes Raubtier, dass [sic!] in diesem Bereich nichts mehr zu verlieren hat. Ich habe vor niemandem, aber wirklich niemandem Angst, fühle mich in hohem Maße ungerecht behandelt, habe einen ausgezeichneten Job gemacht und wenn ich in der Richtung noch einmal schlecht recherchierte Aussagen höre, werde ich ganz, ganz unangenehm werden. Wir sollten in diesem wichtigen Wahljahr mit Fingerspitzengefühl miteinander umgehen.“

Ex-Minister Karl-Heinz Grasser im ÖSTERREICH-Interview:
"ICH WOLLTE NICHTS BÖSES"

ÖSTERREICH: Was erhoffen Sie sich von der Klage gegen Ramprecht?
Karl-Heinz Grasser: Recht zu bekommen vor Gericht, dass Herr Ramprecht mich verleumdet und meinen Ruf schädigt.

Kamen von ihm zuvor Drohungen?
Ich habe ihn im Jahr 2000 ins Kabinett für Budgetfragen geholt. Er war also nie Spitzenbeamter, wie das profil geschrieben hat. 2001 ist er aus meinem Kabinett wieder ausgeschieden. Und er war selbst Mitglied der Vergabekommission, was Lehman betrifft. Er selbst hat meines Wissens für die Vergabe von Lehman gestimmt. Ich habe mit ihm nie darüber gesprochen, dass er für Lehman Brothers stimmen soll – denn mir war es damals vollkommen egal, wer den Auftrag bekommt.

Ramprecht erzählt, dass Sie den Wunsch über Ernst Plech kommuniziert haben.
Ich schließe das aus, auch der Herr Plech weist das in aller Schärfe zurück.

Wie erklären Sie sich die Angriffe von Ramprecht gegen Sie?
Er hat 2006 seinen Job als Geschäftsführer der Bundesbeschaffungs-GmbH verloren und hat das in Wirklichkeit nie überwunden. Ich wollte ihm nie etwas Böses. Ich hatte nur das Problem, dass er neben dieser Tätigkeit ein privates Immobiliengeschäft gemacht hat. Da wurde behauptet, dass er die Provision als Schwarzgeld kassieren wollte. Für mich war klar: Ein Chef, der für mehrere Hundert Millionen Euro für die Republik Beschaffungen vornimmt, muss ganz einfach einen erstklassigen Leumund haben.

Seit damals gibt es also Drohungen von Ramprecht gegen Sie?
Ja, es gab einen E-Mail-Verkehr, wo Drohungen ausgesprochen worden sind. Ich hätte aber nie gedacht, dass er zu derartigen Lügen aus später Rache fähig ist.

Wie stehen Sie zu einem möglichen U-Ausschuss in der Causa?
Da gibt es eine parteipolitische Hetzjagd zulasten des Herrn Grasser. Ich begrüße die Ermittlungen der Finanzfahndung gegen die Herren Meischberger und Hochegger sowie jene der Staatsanwaltschaft, wo rasch ermittelt wird.