So ein Zirkus!

Feuer-Drama und Magie: Warum Roncallis Glocke zum 50er reinstes Schicksal ist

Bernhard Paul lud gemeinsam mit seiner Gattin Eliana und Tochter Lili zum Wachsguss der Jubiläumsglocke. Damit erfüllte er sich einen echten Kindheitstraum.

Wenn sich der Duft von Sägespänen und Zuckerwatte geistig mit der Hitze flüssiger Bronze mischt, dann wird Zirkusgeschichte geschrieben. Pünktlich zum Auftakt der großen Jubiläumstournee zum 50-jährigen Bestehen des Circus-Theater Roncalli erfüllte sich Zirkusdirektor und Mastermind Bernhard Paul in der Tiroler Landeshauptstadt einen lang gehegten Kindheitstraum.

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In der über 400 Jahre alten Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck floss am 24. Februar nicht nur glühende Bronze, sondern auch eine gehörige Portion Nostalgie in die vorbereiteten Gipsformen. Glöckchen und feines Bimmeln gehören seit jeher zur unverwechselbaren DNA der Roncalli-Welt – man denke nur an das poetische Spiel von Clown Pic, den majestätischen Weißclown Gensi oder die raffinierten Kostüme von Maria Lucas, die feine Schellen in die Röcke des Balletts einnähte. Nun aber bekommt diese zarte Tradition ein unübersehbares, kraftvolles Symbol: Eine 40 Kilogramm schwere Jubiläumsglocke, die künftig am Vorplatz des Chapiteaus jede Vorstellung feierlich einläuten wird.

Dompfarrer Probst Jakob Bürgler, Bernhard Paul, Ehefrau Eliana und Tochter Lili mit Weissclown Gensi, Peter und Johannes Grassmayr 

Dompfarrer Probst Jakob Bürgler, Bernhard Paul, Ehefrau Eliana und Tochter Lili mit Weissclown Gensi, Peter und Johannes Grassmayr 

© Franz Neumayr

Der Traum des kleinen Bernhard

Für Bernhard Paul schließt sich mit diesem Guss ein emotionaler Kreis. Die Inspiration für das bronzene Kunstwerk stammt aus seinen frühesten Erinnerungen an den Circus Krone, dessen Glocke einst die Artisten in die Manege rief. „Ich stand immer bewundernd davor“, erinnert sich der Roncalli-Gründer an jene Momente, die den Grundstein für sein eigenes Imperium der Phantasie legten.

Doch die Symbolik der Glocke reicht im Hause Paul noch tiefer. Für Eliana Paul-Larible ist der Klang unweigerlich mit einer dramatischen Nacht verbunden: Als junge Artistin trainierte sie einst mit ihrer Familie, als im Backstagebereich ein Feuer ausbrach. Es war das beherzte Läuten einer Zirkusglocke, das die schlafenden Mitarbeiter rechtzeitig aus den Betten holte und eine Tragödie verhinderte. Seither ist dieser Klang für sie nicht nur eine Einladung zur Show, sondern der Inbegriff von Schutz und familiärem Zusammenhalt.

Feuer-Drama und Magie: Warum Roncallis Glocke zum 50er reinstes Schicksal ist
© Franz Neumayr

Bernhard Paul fasst die Magie dieses Projekts in seinen eigenen, unnachahmlichen Worten zusammen: „Seit meiner Kindheit blieb diese Glocke für mich wichtig. Sobald sie ertönte, hielt die Welt für einen Augenblick den Atem an, die Artisten bewegten sich zum Zelt – und dann begann das Wunder."

Tiroler Handwerkskunst trifft auf große Emotionen

Auch für Johannes Grassmayr, den Hausherrn der altehrwürdigen Gießerei, war der prominente Besuch alles andere als Routine. In einem Monat, in dem sein Betrieb Glocken für acht Länder gießt und an der zweitgrößten Glocke Deutschlands arbeitet, stach dieser Auftrag emotional heraus: „Der Zirkus bewegt die Herzen und weckt die Träume. Jedoch nicht nur für Kinder. Obwohl ich bereits über 60 Jahre alt bin, erhöht sich mein freudvoller Herzschlag beim Eintritt in den Zirkuswagen von Bernhard Paul. Eine besondere Aura, so als würde man in einen Fellinifilm eintauchen.“

Wenn künftig die majestätische Bronze-Glocke vor dem Roncalli-Zelt erklingt, wissen die Besucher: Die reale Welt hat nun Pause. Das Wunder beginnt.

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