Spektakuläre Befreiung
Betancourt aus FARC-Geiselhaft befreit
(c) EPA/GUILLERMO LEGARIADie Maschine ist weiß lackiert und trägt keinerlei Erkennungszeichen. In der Luft ist ein weiterer Hubschrauber. Gehören sie zu einer Hilfsorganisation? Dann sieht Ingrid Betancourt vier Besatzungsmitglieder und neun weitere Männer. Sie tragen T-Shirts mit der Ikone von Che Guevara. Also sind es doch Rebellen?
"Sie sind frei."
Erst im Hubschrauber bemerkt die frühere Präsidentschaftskandidatin Betancourt, dass der Guerillero Cesar, der sie all die Jahre immer so grausam behandelt hat, nackt am Boden liegt, mit verbundenen Augen. "Wir sind von den nationalen Streitkräften", sagt einer der Männer. "Sie sind frei."
(c) AP Photo/Fernando VergaraWas war passiert?
Geheimdienstagenten der Streitkräfte hatten die Reihen der Guerilla infiltriert, wie Verteidigungsminister Juan Manuel Santos nach der kühnen Befreiungsaktion ohne einen einzigen Schuss mitteilt.
Sie brachten den für die Geiseln verantwortlichen FARC-Kommandanten Cesar dazu, Betancourt und 14 weitere Gefangene zu dem Landeplatz der Hubschrauber zu führen - vermeintlich zu dem Zweck, die Geiseln zum FARC-Befehlshaber Alfonso Cano zu bringen, um über einen möglichen Gefangenenaustausch zu beraten.
"Wir konnten es nicht glauben."
In drei kleineren Gruppen werden die Geiseln zu dem vereinbarten Ort gebracht. Dort warten schon die beiden getarnten Hubschrauber vom Typ MI-17. Auf die Mitteilung von der Befreiung folgt der wohl kritischste Augenblick der Aktion. "Der Hubschrauber fiel fast vom Himmel, weil wir herumsprangen, schrien, weinten und uns umarmten", berichtet Betancourt, als alles vorbei ist. "Wir konnten es nicht glauben."
Ingrid Betancourt
Die 46 Jahre alte Politikerin, die vor sechs langen Jahren, im Februar 2002, während einer Wahlkampfreise verschleppt wurde, wirkt dünn und zerbrechlich, aber überraschend wohlauf, als sie in Bogota eintrifft und ihre Mutter in einer langen Umarmung festhält. "Gott, was für ein Wunder. So eine perfekte Operation, das ist beispiellos."
Befreite Geiseln
Bei den anderen befreiten Geiseln handelt es sich um drei US-Bürger, Angestellte des Rüstungskonzerns Northrop Grumman, und elf kolumbianische Polizisten bzw. Soldaten. Die US-Bürger - Marc Gonsalves, Thomas Howes und Keith Stansell - werden sofort nach Texas geflogen, wo sie mit ihren Familien zusammentreffen und sich medizinisch untersuchen lassen.
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