Fünf Festnahmen

Drogen-Bande versorgte Kokain-Hotspot Kufstein mit Suchtgift

44-jähriger Kopf der Bande in akkordierter Aktion zeitgleich mit vier mutmaßlichen Mittätern aus Verkehr gezogen  

Das Landeskriminalamt (LKA) Tirol hat vor kurzem nach umfangreichen Ermittlungen eine Bande aus dem Verkehr gezogen, die in hochprofessioneller Manier und in großem Stil die Einfuhr und den Verkauf von zumindest zwölf Kilogramm Kokain und 680 Kilogramm Cannabis organisiert haben soll. Der Kopf der Bande - ein 44-jähriger Iraner, der zuletzt in Wien-Margareten gemeldet war, und vier weitere mutmaßliche Mitglieder seiner kriminellen Vereinigung befinden sich in Haft.

Mit dem Kokain wurden die Bundeshauptstadt, der Raum Innsbruck und vor allem Kufstein "versorgt" - seit Jahren der Ort mit dem höchsten Pro-Kopf-Kokain-Verbrauch in ganz Österreich. Wie aus dem jüngsten, jährlich erstellten europäischen Drogen-Monitoring hervorgeht, wurde im Vorjahr in Kufstein pro Kopf fast doppelt so viel Kokain konsumiert wie in Wien. Das zeigten Rückstände im Abwasser von Kläranlagen, was Rückschlüsse auf den tatsächlichen Konsum in der Bevölkerung zulässt.

Fariborz R. - der mutmaßliche Kopf der Bande - wurde am frühen Morgen des 28. April von Sonderkräften der WEGA in seiner Wiener Wohnung unsanft aus dem Schlaf geholt und auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Innsbruck festgenommen. Zeitgleich erfolgten in einer akkordierten Aktion die Festnahmen von drei weiteren Männern in Wien und eines mutmaßlichen Mittäters in Kundl. Bei Hausdurchsuchungen wurden ein halbes Kilogramm Cannabis, 85 Gramm Kokain und 80.000 Euro in bar sichergestellt.

Vermeintlich abhörsichere Krypto-Handys "geknackt"

Nach gesicherten APA-Informationen wird der Bande vorgeworfen, ab Mitte Februar 2020 die Einfuhr und den Vertrieb von Suchtgift organisiert zu haben, wobei man sich dabei vermeintlich abhörsicherer Kryptohandys bediente, die allerdings "geknackt" und ausgelesen werden konnten. Das heimische Bundeskriminalamt war mit der "AG Achilles" in diesen federführend vom FBI ausgehenden Schlag gegen die organisierte Kriminalität eingebunden.

Die Strafverfolgungsbehörden sind überzeugt, dass sich in Bezug auf die aus dem Verkehr gezogene Drogen-Bande zwei PIN-Codes, mit denen das Kryptohandynetz SkyECC genutzt wurde, eindeutig Fariborz R. zuordnen lassen. Der einschlägig vorbestrafte Iraner soll seine Organisation arbeitsteilig geführt und ein eigenes Distributionsnetz aufgebaut haben. In seiner Wohnung stießen die Ermittler neben 64.550 Euro in bar auf sechs Handys, wovon es sich bei der Hälfte um Kryptohandys handeln dürfte, und zwei Überwachungskameras.

Bande soll acht Millionen Euro erwirtschaftet haben

Sämtliche Verdächtige wurden inzwischen in die Justizanstalt Innsbruck überstellt. Wie Klaus Jennewein, Sprecher des Landesgerichts Innsbruck, am Mittwochnachmittag der APA bestätigte, wurde über Fariborz R. wegen Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr die U-Haft verhängt.

Die Innsbrucker Anklagebehörde geht davon aus, dass sich der 44-Jährige als führendes Mitglied an den lukrativen Geschäften der Bande beteiligt hat. Die von ihm geleitete kriminelle Vereinigung soll zumindest acht Millionen Euro erwirtschaftet haben, wobei die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind. Weitere Chats werden laufend ausgewertet. Sollte sich nachweisen lassen, dass Fariborz R. übergroße Mengen an illegalen Substanzen in Verkehr gesetzt und dabei eine mehrköpfige Bande befehligt hat, muss er mit einer Anklage nach § 28a Absatz 5 Suchtmittelgesetz (SMG) rechnen. Strafdrohung: zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft.

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