Weltweit für Schock und Aufregung gesorgt hat ein nach wie vor unbekannter nächtlicher Schütze, der mit Nachtsichtgerät und Schalldämpfer eine junge Hirschziegenantilope erschossen hat.
Wien. Beim aktuellen Fall der Woche gibt es - zugegeben - mehr Fragen als Antworten. Wer geht in den Zoo jagen? Mit welchem Motiv, außer der puren Lust am Töten, erschießt der nächtliche Sniper eine Antilope? Warum ein Jungtier? Warum im Nashornpark, wo neben zwei Panzernashörnern auch andere asiatische Tierarten wie Nilgauantilopen oder Vietnam-Sikahirsche untergebracht sind? Warum genau nur eines und genau dieses Tier? Mit welcher Waffe - ein Projektil wurde bis heute nicht gefunden.
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Auch das Tiroler Tor auf der Rückseite in Hietzing neben der Maria-Theresien-Kaserne wird abends verschlossen. Im März schon um 19 Uhr.
Fangen wird zunächst aber mit der Frage an, wie sich der Täter - dass es eine irre Jägerin gewesen ist, davon geht keiner aus - überhaupt zur Tatzeit im Schlosspark Schönbrunn (von wo aus er in das Gehege gefeuert hat) aufhalten konnte. Videoaufnahmen von der Hirschziegenantilope, die getroffen zusammenbricht, legen einen exakten Zeitpunkt der Schussabgabe um drei Uhr in der Früh in der Nacht auf Sonntag, den 29. März, fest. Da war der Schlosspark Schönbrunn seit acht Stunden zu - der Schütze muss also entweder hineingeklettert sein oder er ließ sich am weitläufigen Gelände einsperren und wartete geduldig in einem Versteck ab, ehe er zum Tier-Mord schlich und als feiger Heckenschütze vom Tiroler Weg oder von der Rustenallee gezielt in den Nashornpark feuerte.
Polizeiermittlungen im Gehege nach der tödlichen Schussabgabe auf eine junge Hirschziegenantilope.
In beiden Fällen könnten noch (Überwachungs-)Videoaufzeichnungen auftauchen, die auf die Spur des Snipers führen. Übrigens werden die Parkanlagen ganzjährig täglich erst um 6:30 Uhr geöffnet. Also muss der Todesschütze nach der Tat wiederum dreieinhalb Stunden gewartet haben, um vom Parkgelände zu kommen oder ist erneut hinausgeklettert. Auch hier könnte es Videoaufnahmen oder sogar Zeugen (bei der morgendlichen Gassirunde) geben.
Gefunden wurde das getötete Jungtier Sonntagvormittag: Eine Tierpflegerin war auf den Kadaver gestoßen und konnte sich zunächst keinen Reim darauf machen, warum die Antilope ums Leben gekommen war. Später am selben Tag durchgeführte veterinärmedizinische Obduktion ergab, dass der Tierkörper sowohl eine Einschuss- als auch eine Austrittswunde hatte: Erst jetzt wurde die Polizei verständigt, erst jetzt wurde das Ganze zum (international beachteten) Kriminalfall.
Die Hirschziegenantilope wird auch Schwarzbock genannt, weil die Männchen am Rücken sehr dunkel gefärbt sind. Weibchen und Junge sind sandfarben. Im Gegensatz zu den hornlosen Weibchen haben Männchen große, schraubenartig gewundene Hörner. Besonders typisch für diese Antilopenart sind die hohen Prellsprünge beim Spielen oder auf der Flucht vor Raubtieren.
Derweil ist die Kripo weiter auf der Suche nach dem Projektil - und geht von einer kleinkalibrigen Langwaffe aus, wie sie beim Sportschießen oder bei der Jagd auf Kleinsäuger wie etwa Hasen verwendet werden. Aufgrund der geringen Munitionskosten und des kaum vorhandenen Rückstoßes können leider auch Anfänger damit schon großes Unheil anrichten. Für einen Profi (oder einen Schützen mit Militärerfahrung) spricht allerdings die Verwendung eines Nachtsichtgeräts und eines Schalldämpfers.
Erinnert sei an dieser Stelle, dass die Tierschutzorganisation PETA eine Belohnung in Höhe von 1.000 Euro für Hinweise ausgesetzt hat, die zur rechtskräftigen Verurteilung der tatverantwortlichen Personen führen. Wer etwas beobachtet oder anderweitig mitbekommen hat, wird gebeten, sich telefonisch bei der Polizei oder unter 0711-8605910 oder per E-Mail bei der Tierrechtsorganisation zu melden – auch anonym. „Wer auch immer die Antilope erschossen hat, muss schnellstmöglich gefunden werden, bevor noch weitere Tiere oder Menschen zu Schaden kommen“, warnt Biologin und Fachreferentin Dr. Yvonne Würz.
Von Seiten des Zoos heißt es kurz angebunden nur: "Seit dem Vorfall wird alles unternommen, um für die Sicherheit der Tiere zu sorgen.“ Auch die Nachtwachen wurden verstärkt.