Amokläufer

"Ich wollte es zu Ende bringen"

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Der Amokläufer erzählte im Beisein seines Anwalts Nikolaus Rast der Polizei, warum er die Tat plante.

Nun ermittelt der Staatsanwalt wegen versuchten Mordes. Das Protokoll seiner Einvernahme:

„Nach einem Streit mit einem Arbeitskollegen wurde ich von der Voest vor einem Jahr gekündigt. Aufgrund der Schulden von 50.000 Euro und meiner auswegslosen Situation in Bezug auf Arbeit, kam es zwischen mir und meiner Frau immer öfter zum Streit. Als sie unlängst herausfand, dass ich sie einmal betrogen habe, verlangte sie die Scheidung.

In der Nacht auf Donnerstag ist meine Frau – ich glaube aus Rache – erst gegen zwei Uhr früh nach Hause gekommen. Ich hab mich bei ihr erneut entschuldigt und beteuert, dass ich keine Scheidung möchte. Wir hatten daraufhin eine längere Diskussion und sind kaum zum Schlafen gekommen. Die Emotionen sind in mir langsam hochgekommen.

Um halb acht Uhr am Morgen brachte ich unsere gemeinsame Tochter dann in den Kindergarten. Zuvor verabschiedete ich mich noch von ihr. Ich sagte meiner Tochter, dass ich nun weit weggehen werde. Anschließend fuhr ich nach Traisen und parkte beim Friedhof, damit niemand sehen kann wie ich die Pistole lade. Dann rief ich bei ÖSTERREICH an und sagte einer Journalistin: „Wenn’s a guate Story haum woit’s, kummt’s nach Traisen zur Voest!“

Daraufhin ging ich unbemerkt über den Nebeneingang auf das Gelände der Voest. Ich wollte jenen Arbeiter ausfindig machen, mit dem ich vor einem Jahr den Streit hatte. Vor der Zimmerei kam er mir plötzlich mit dem Fahrrad entgegen. Ich ging auf ihn zu und sagte zu ihm wörtlich: „Ich habe eine Rechnung mit dir offen!“ Daraufhin fragte er: „Warum?“ Ich sagte ihm, dass er schuld sei, dass ich von der Firma rausgeschmissen wurde. Er antwortete mir, dass er damals nicht zum Meister gegangen sei. Ich wusste sofort, dass er lügt. In diesem Moment holte ich meine Pistole aus der Jacke, um ihn aus einer Entfernung von ca. 2–3 Metern zu bedrohen.

Ich wollte ihn durch einen Schuss – der eigentlich bei ihm vorbei gehen hätte sollen – erschrecken. Der Schuss löste sich auch und ging meiner Ansicht nach bei ihm vorbei. Nachdem ich vorhatte, mich umzubringen, repetierte ich, um eine neue Patrone in den Laderaum zu laden. Dadurch sind mir mehrere Patronen zu Boden gefallen. Ich bückte mich, nahm die Patronen auf und magazinierte sie wieder nach.

Im Hof traf ich auf die Polizisten. Ich schrie sie an, dass sie mir in den Kopf schießen sollen, aber die Beamten ließen sich nicht provozieren. In einem unaufmerksamen Moment überwältige mich dann ein Polizeihund.

Ich wollte Aufsehen erregen und Missstände in Österreich aufzeigen. Meiner Familie und mir wurde vom Staat nicht geholfen. Ich hatte daher vor, mich umzubringen. Ich habe die Sache am heutigen Tag begonnen und wollte sie für mich auch zu Ende bringen. Dies ist mir leider nicht gelungen...“

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