Robert Moser im oe24.TV-Interview

Österreicher sitzt in China in der Virus-Falle

80 Mio. Menschen sind in China unter Quarantäne gestellt. Österreicher sehen keinen Ausweg.

Wuhan/Wien. Robert Moser ist einer von sieben Österreichern, die in der Krisenregion Hubei gefangen sind. Von dort aus verbreitet sich das gefährliche Corona-Virus in die ganze Welt.

Hilfe. Dem Tiroler, der in China für ein Anlagenbau­unternehmen tätig ist, versucht das österreichische Außenministerium zu helfen, doch noch steckt er in einem Hotel fest. 300 unüberbrückbare Kilometer entfernt liegt der Flughafen, von dem aus er nach Europa fliegen könnte. „Die Chinesen wollen uns zwar helfen auszufliegen, aber sie sagen nicht wie“, sagt er im Interview mit oe24.TV (siehe rechts).

Rettung. Auch andere Länder setzen gerade alles daran, ihre Bürger aus Wuhan auszufliegen. Japan, die USA und bald auch Deutschland schicken Flugzeuge.

Über Nacht: 38 Menschen an Corona-Virus gestorben

Anstieg. Die Todeszahlen in China steigen weiter rapide an. In der Nacht auf Donnerstag ist die Zahl der Toten rasant gestiegen. Mittlerweile sind 170 Menschen an den Folgen des Virus gestorben - 38 mehr als am Vortag. Auch die Zahl der Angesteckten explodierte. Innerhalb eines Tages stieg sie um 1.700 Menschen und beläuft sich damit schon auf mehr als 7.700  – somit gibt es mehr Betroffene als durch die SARS-Epidemie im Jahr 2002.

Mittlerweile melden 15 Län­der Fälle von Erkrankungen. In Österreich gibt es nach einer Serie von Entwarnungen zwei neue Corona-Verdachtsfälle im LKH in Graz.

Robert Moser: "Hier ist es wie im 3. Weltkrieg"

oe24.TV: Sie sind mitten in der Krisenregion. Haben Sie keine Angst?

Robert Moser: Als Tiroler hat man schon einiges erlebt. Aber unser Problem ist: Es gehen derzeit nur Flieger aus der Stadt Wuhan – 300 Kilometer von hier, aber wir finden keinen Fahrer, der uns hinbringt. Denn wer uns fährt, kommt wegen der Quarantäne nicht mehr zurück. Die haben hier von heute auf morgen 80 Millionen Menschen unter Quarantäne gestellt. Wir brauchen für jeden Weg eine Genehmigung. Die Chinesen wollen uns zwar helfen auszufliegen, aber sie sagen nicht wie.
 
oe24.TV: Wie erleben Sie die strengen Kontrollen?

Moser: Wenn man auf eine Autobahn auffährt, stoppen einen sofort Militär und Polizei. Es ist wie im Dritten Weltkrieg. Mit Atemschutzmasken haben sie uns auf Fieber gemessen. Auch im Hotel wird sofort gemessen so wie in allen Geschäften.

oe24.TV: Wie ist es vor Ort mit der Versorgung?
 
Moser: Wir fragen uns, wie lange sich die Stadt noch erhalten kann. In Geschäften sind viele Regale vollkommen leer. Manche Regale – die mit teureren europäischen Produkten – sind aber noch voll. Wir machen uns zwar Gedanken, wollen aber ganz schnell weg.
 
oe24.TV: Wie läuft der Kontakt mit heimischen Behörden?
 
Moser: Mit dem österreichischen Konsulat sind wir in Kontakt. Auch mein Arbeitgeber in der Schweiz probiert alles. Aber wir merken: Wenn wir nicht vor Ort alles selbst machen, geschieht gar nichts. Es scheitert an den Genehmigungen der Chinesen. Ich kann wegen der Straßensperren nicht einmal 300 Kilometer zum Flughafen kommen. Das schaut schlecht aus.
 
oe24.TV: Wissen Sie, was Sie in Europa erwartet?

Moser: Wir werden wohl zwei Wochen in Quarantäne kommen. Das ist sicher im Interesse eines jeden Staates. Es wird wohl eine europäische Lösung geben. Wir werden sehen, ob wir nach Frankreich oder Deutschland ausgeflogen werden.


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