Fünf Monate hinter Gitter wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und versuchter schwerer Körperverletzung muss ein 26-jähriger Raser. Ursprünglich war sogar wegen versuchten Mordes ermittelt worden.
Wien. Am Landesgericht ist am Freitag ein 26-jähriger Rumäne zu 15 Monaten teilbedingter Haft (fünf davon fix, der Rest auf Bewährung) verurteilt worden, weil er sich am 3. März 2025 auf der Wiener Südosttangente (A23) auf spektakuläre Weise einer Verkehrskontrolle entzogen hatte. Selbst 16 Schüsse, die die Polizei in Richtung der Reifen seines 367 PS starken Mercedes SL abgab, brachten ihn nicht zum Stoppen. Ihm gelang zunächst die Flucht. Allerdings konnte die Identität des Mannes ermittelt werden, im November wurde er festgenommen.
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Die Polizei war auf den Benz-Bolzer aufgrund seiner rücksichtslosen Fahrweise aufmerksam geworden. Im Bereich der Abfahrtsrampe auf die Ostautobahn (A4) konnte ein Streifenwagen den Mercedes überholen und durch Querstellen stoppen. Als die Beamten ausstiegen, um den Lenker zu kontrollieren, trat der junge Rumäne aufs Gaspedal und fuhr direkt auf einen Polizisten los, der sich mit einem Sprung zur Seite in Sicherheit brachte, dabei aber vom davondonnernden Pkw am Bein gestreift wurde.
Polizist im Zeugenstand: "Dann war er weg"
Der Beamte blieb unverletzt. Er und ein zweiter Kollege feuerten aus ihren Dienstwaffen und versuchten, die Reifen des Fluchtfahrzeugs zu treffen. Offenbar ohne Erfolg. "Dann war er weg", bilanzierte einer der beiden nun als Zeuge im Grauen Haus.
Das Auto wurde noch am selben Abend in der Modecenterstraße in Wien-Landstraße entdeckt, wo der Mann es abgestellt hatte, ehe er untertauchte. Als er Ende November mit einem anderen Fahrzeug neuerlich in Wien in eine Verkehrskontrolle geriet und sich dabei mit einem gefälschten Ausweis legitimierte, wurde er aus dem Verkehr gezogen und - als sich herausstellte, dass er zur Fahndung ausgeschrieben war - festgenommen.
Ursprünglich wurde gegen den gebürtigen Rumänen wegen versuchten Mordes ermittelt. Am Ende klagte ihn die Staatsanwaltschaft jedoch nur wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und versuchter schwerer Körperverletzung an. Der 26-Jährige verantwortete sich dazu geständig und entschuldigte sich bei den beiden Polizisten mittels Händeschütteln. "Das ändert aber nichts daran, dass das nicht in Ordnung war, was er gemacht hat", bemerkte der ältere Beamte dazu. "Gott sei Dank wurde niemand verletzt. Nämlich Sie nicht und er nicht", sagte daraufhin Verteidigerin Melanie Kolar (Kanzlei Rast/Musliu.
Der 26-Jährige wurde anklagekonform schuldig erkannt. Sowohl die Staatsanwältin als auch die Rechtsvertreterin des Mannes einverstanden. Das Urteil ist somit rechtskräftig.