Ankick für 
Hannes Kartnig

10 Mio. Euro Schaden

Ankick für 
Hannes Kartnig

Für Ex-Sturm-Zampano Hannes Kartnig hat gestern ein letztes großes Match begonne.

Diesen Auftritt will und kann sich der PR-Profi Hannes Kartnig gestern nicht entgehen lassen: Gegen 8.30 Uhr kommt er als Einziger der sieben Angeklagten durch das Hauptportal in das Grazer Straflandesgericht zum großen Sturm-Prozess. „Net gut“ geht es ihm, gesteht er. Es steht ja tatsächlich einiges am Spiel, es geht um Millionen Euro und Delikte wie schweren Betrug und Abgabenhinterziehung. Im Gerichtssaal dann die Begegnung mit dem Ex-Sturm-Manager Heinz Schilcher und sechs Vorstandsmitgliedern, die mit Kartnig in den nächsten Wochen die Anklagebank teilen werden.

Der Staatsanwalt und
das Sündenregister
Hannes Kartnig als Drahtzieher und allmächtiger Vereinsboss: So schildert wenig später Staatsanwalt Johannes Winklhofer die Hintergründe im Gerichtsaal – noch einmal füllt Kartnig die Tribüne mit Kiebitzen, Medien und Gerichtspersonal, das sich das Schauspiel nicht entgehen lassen will. Für Winkl­hofer war Kartnig die treibende Kraft: „Er ist rücksichtslos und hat die anderen mitgerissen.“ Bis ins Detail geht der Staatsanwalt auf die Manipulationen rund um den Fußballklub, die Steuerhinterziehung und die Schwarzgeldzahlungen ein.

Und da klinkt sich dann auch Kartnigs Verteidiger, der Wiener Jus-Professor Richard Soyer, ein: Ja, sein Mandant werde sich da schuldig bekennen, aber nicht in diesem Umfang: „Vielleicht waren zwei oder drei Millionen Euro, aber sicher nicht 8,5.“ Und bei den anderen Anklagepunkten? Kein Geständnis. Das seien ja Fußnoten in der Anklageschrift. Im Übrigen sei Kartnig eben ein „begnadeter Volksschauspieler, ein Werbemensch, kommunikativ, selbstdarstellerisch, jemand, der provoziert, Freunde und Feinde hat. Er war eine PR-Maschine für Sturm.“

Vorerst eher nur Beiwerk bleiben die anderen Angeklagten, die sich gestern großteils als unschuldig bezeichneten. Das gilt auch für heute – zu Wort kommt ausführlich der Hauptangeklagte.

ÖSTERREICH: Herr Kartnig, wie war Ihr erster Tag bei Gericht?
Hannes Kartnig: Grauslich! Es ist einfach grauslich, wenn du da stehst. Der Staatsanwalt fährt mit schweren Geschützen auf. Die Steuerhinterziehung hab ich zugegeben. Was es zu gestehen gibt, hab ich gestanden.

ÖSTERREICH: Was ist mit den Betrugsvorwürfen?
Kartnig: Mein Anwalt ist sensationell. Er hat ausgerechnet, dass in zehn Jahren die Bundesliga pro Match 340 Euro und die Landesliga pro Match 120 Euro nicht bekommen haben. Für diese Summen begehe ich doch keinen Betrug. Davon bin ich weit entfernt. Der Staatsanwalt nennt mich rücksichtslos. Wenn ich das wäre, hätte ich die Kicker alle übergelassen. In Wahrheit haben sie von mir alle schön gelebt.

ÖSTERREICH: Hat Sie der Medienrummel überrascht?
Kartnig: Damit hab ich nicht gerechnet. Das war ein Wahnsinn. Ich hab geglaubt, ich bin wieder bei einem Champions-League-Finale.

ÖSTERREICH: Wie geht es jetzt weiter?
Kartnig: Ich hoffe, ich kann gut schlafen. Dann bereite ich mich wieder vor. Ich werde mich vor Gericht immer wie ein Gentleman verhalten.

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