Tag gegen Lärm

382.000 Wiener leiden unter Lärm des Straßenverkehrs

Knapp zwei Drittel der Wiener sind in den eigenen vier Wänden lautem Krach ausgesetzt. Der VCÖ warnt pünktlich zum Tag gegen Lärm vor den Folgen wie Herzinfarkten oder Schlafstörungen. 

In Wien leiden laut Daten der Statistik Austria rund 1,3 Millionen Menschen in ihrem Wohnbereich unter Lärm. "Lärm ist nicht nur ein Ärgernis, dauerhafter Lärm kann krank machen", sagt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk. Dauerhafte Lärmbelastung kann Schlafstörungen, erhöhten Blutdruck bis hin zu Herzinfarkten und Schlaganfällen verursachen. Durch Schlafmangel sinkt die Stressresistenz, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Depressionen steigt. Dennoch werde laut Schenk auf Anrainer zu wenig Rücksicht genommen.

Wer in Wien den meisten Krach macht

Der Straßenverkehr ist für die meisten Wiener das größte Problem. Insgesamt 382.000 Personen nennen den Kfz-Verkehr als Hauptgrund für die Belastung. Auf den weiteren Plätzen folgen Baustellen mit 335.000 Betroffenen und der Lärm von Nachbarn, der 325.000 Menschen stört. Freizeit- und Tourismuseinrichtungen belasten 52.000 Wiener, während der Flugverkehr von 39.000 Personen genannt wird. Auch Öffis wie Straßenbahn und U-Bahn mit 37.000 Betroffenen sowie Lokale mit 25.000 Nennungen spielen eine Rolle. Betriebe stören 21.000 Wiener und die Eisenbahn wird von 11.000 Menschen als Lärmquelle angeführt.

Im Verhältnis zur Verkehrsleistung sind Motorräder und Mopeds die größten Lärmerreger. Obwohl sie nur rund ein Prozent der Mobilität erbringen, sind sie für 19 Prozent der unter Verkehrslärm leidenden Menschen der Hauptverursacher. "Gerade bei Mopeds und Motorräder würde die rasche Elektrifizierung die Lärmbelastung stark reduzieren und damit viele Anrainerinnen und Anrainer entlasten", so Schenk.

Niedrigere Tempolimits für mehr Gesundheit

Ein großes Potenzial zur Lärmreduktion schlummert auch in der Verlagerung von Kfz-Fahrten auf Fahrräder und Elektrofahrräder. Eine Studie der MA18 zeigt, dass es zwischen Wiens Bezirken beim Radverkehrsanteil große Unterschiede gibt. Während in der Leopoldstadt im Zeitraum 2020 bis 2024 von der Bevölkerung 18 Prozent der Alltagswege mit dem Rad gefahren wurden und in Landstraße 16 Prozent, waren es in Liesing nur vier Prozent. "Mehr Verkehrsberuhigung, mehr Tempo 30 statt 50 sowie der Ausbau der Radinfrastruktur ermöglichen es der Bevölkerung mehr Alltagswege mit dem Rad zu fahren und damit gesünder und leiser mobil zu sein", betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.

Weniger Nachflüge

Der Flugverkehr wird von acht Prozent der von Verkehrslärm belasteten Menschen als Ursache angegeben. Besonders in der Nacht wird Fluglärm zum Gesundheitsproblem. Ein Vorbild bei der Reduktion des Fluglärms in der Nacht ist der Flughafen Zürich. Hier gab es im Jahr 2023 in der Nacht 204 nächtliche Flüge, während es am Flughafen Wien mit 4.628 mehr als 22-mal so viele waren. Der Fluglärm kann zum einen durch ein Nachtflugverbot nach Vorbild Zürichs reduziert werden. Zudem kann mit Lärmgebühren für laute Flugzeuge ein wirksamer Anreiz gesetzt werden, damit die Airlines leisere Flugzeuge einsetzen.

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