Nach Brand im Lobau-Protestcamp

Aktivistin: ''Bekomme 20 bis 30 Morddrohungen pro Tag''

Klima-Aktivistin Lena Schilling spricht im Interview mit dem Insider über den Brand, das Camp, Michael Ludwig und wie es jetzt weiter gehen soll.

Insider: Gab es schon vor dem Brand Anfeindungen gegen euren Protest und das Camp?

Lena Schilling: Immer wieder sind Einzelpersonen zu uns gekommen, wir bekamen aber immer viel mehr Unterstützung als Hass. Den Hass bekamen wir aber auch aus den sozialen Medien mit. Niemand hätte allerdings für möglich gehalten, dass das so ein Ausmaß annimmt. Dass irgendwer den Tod von jungen Menschen in Kauf nimmt, weil er mit einem politischen Projekt nicht einverstanden ist. Die Anfeindungen haben sich davor aber immer im Rahmen gehalten. Wir sind gerade dabei, das alles zusammenzutragen, weil das natürlich für die Ermittlungen der Polizei relevant ist.

Insider: Wie habt ihr die Nacht der mutmaßlichen Brandstiftung in der Hütte erlebt?

Schilling: Die Aktivisten vor Ort haben in der Nacht einen leuchtenden Knall wahrgenommen. Zuerst dachten sie, dass jemand schon vor Silvester Feuerwerk zündet. Dann war schnell klar, dass das nicht so ist. Alle acht sind sofort aus der Hütte geflohen, als sie gesehen haben, dass eine Flüssigkeit über den Boden sickert, die in Flammen aufsteigt. Mit einem Feuerlöscher haben sie sich den Weg nach draußen freigemacht. Wäre der nicht vor Ort gewesen, hätten sie sich vielleicht nicht retten können. Sie sind rausgelaufen, konnten noch ein, zwei Sachen retten, aber der Rest ist verloren gegangen. Neben der brennenden Hütte haben sie dann die Einsatzkräfte verständigt. Es hat sehr nach Benzin gerochen, damit war für uns klar, dass es um Brandstiftung geht.

Insider: Habt ihr einen konkreten Täter im Verdacht?

Schilling: Zu spekulieren ist für uns derzeit zu gefährlich. Seit dem Brand habe ich persönlich täglich 20 bis 30 Morddrohungen bekommen. Ich glaube, es gibt leider einige Leute, die sich über den Brand freuen. Leider haben die SPÖ und auch die FPÖ den Protest seit Monaten delegitimiert und kriminalisiert.

Insider: Du hast die fehlende Verurteilung der Tat durch Bürgermeister Michael Ludwig kritisiert. Hat sich seitdem etwas vonseiten der Stadt getan?

Schilling: Nein, sie sind nicht auf uns zugekommen. Sie schweigen nach wie vor zu dem Thema. Auch da muss man sagen: Wenn jetzt noch weitere Gewalttaten passieren sollten, geht das ganz klar auch auf das Konto der Wiener Stadtregierung, das muss man leider in aller Härte so sagen. Bei allen politischen Differenzen: Gewalt ist Gewalt, und das geht zu weit.

Insider: Wie soll es jetzt mit eurem Protest weitergehen?

Schilling: Das Camp steht nach wie vor. Die Standorte sind da. Wir sind sehr damit beschäftigt, den Protest weiter aufrechtzuerhalten. Die Empörung in der Bevölkerung ist groß, wir bekommen sehr viel Unterstützung. Der Protest geht also nach wie vor weiter, und wenn wir das alles überwunden haben, werden wir als Bewegung noch stärker und geschlossener als zuvor hinausgehen. Die Hütten werden jetzt wieder aufgebaut. Es wird ein Prozess, zu überlegen, wie genau wir jetzt weitermachen.

Insider: Ist dabei eine Annäherung an die Stadt Wien möglich?

Schilling: Eine Annäherung muss meiner Meinung nach stattfinden. Angesichts der Geschehnisse müssen wir auf Deeskalation setzen und einen Weg finden, wieder miteinander zu reden. 

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