Mehr als zwei Millionen Menschen strömten 2025 in das Belvedere. Jetzt soll ein neues Besucherzentrum für Entlastung sorgen und das Museum zukunftsfit machen. Der Startschuss fällt frühestens 2027.
Das Belvedere hat das Jahr 2025 mit einem Besucherrekord abgeschlossen: Mit rund 2,030.000 Eintritten in allen drei Häusern wurde erstmals die Zwei-Millionen-Genze überschritten - ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Diese Zahlen verursachen einen Druck auf die Infrastruktur", betonte Generaldirektorin Stella Rollig bei der Pressekonferenz am Donnerstag. Umso nötiger ist die Umsetzung des neuen Visitor Centers. Baustart ist für 2027 geplant, Eröffnung für Ende 2028.
Stella Rollig und Wolfgang Bergmann, Geschäftsführung Belvedere.
"Es geht nicht nur um einen Eingangsbereich, sondern um eine unterirdische Halle", unterstrich der kaufmännische Geschäftsführer Wolfgang Bergmann, der sich im Gegensatz zu Rollig bei der laufenden Ausschreibung beider Posten um eine dritte Amtszeit beworben hat, um die Umsetzung der auf Schiene gebrachten Großprojekte zu managen. Tatsächlich scheint der für 2027 geplante Baubeginn für den neuen unterirdischen Besucherbereich, der "das Schloss als reinen Museumsraum" wiedergewinnen, die "Sala terrena besser erlebbar" und die "klimatischen Herausforderungen" für das Haus besser in den Griff bekommen lässt, trotz des vom Bund verfolgten Sparkurses realistisch.
"Es ist eine Frage des politischen Willens."
Das gesamte Projekt bezifferte Bergmann mit 37,8 Millionen Euro. Dank Rekordeinnahmen und Rücklagen - die Liquidität habe 2017 4,6 Mio. Euro betragen und liege jetzt bei 17,2 Mio - sei es "realistisch, dass wir das fremd finanziert selbst stemmen könnten. Aber vom Kuratorium und vom Ministerium werden solche Pläne gar nicht gewünscht." Und auch das Belvedere selbst sieht das nur als theoretische Möglichkeit, da sich die Kosten "mit allen Nebengeräuschen" wie Finanzierungskosten auf 25 Jahre und Teilschließungen von Ausstellungsbereichen auf 58 Millionen Euro summieren würden, und eine Ungleichbehandlung zu anderen Häusern entstünde, die ihre Umbauten bezahlt bekämen. "Wir haben gespart, wir haben uns vorbereitet, wir haben durch den niedrigsten Bedarf an Basissubvention indirekt andere unterstützt", sagte Bergmann: "Wirtschaftlich gesehen wäre es möglich. Es ist eine Frage des politischen Willens." Diesen braucht es auch, um endgültig Grünes Licht für ein vom Belvedere vorgelegtes Finanzierungsmodell zu bekommen, bei dem der Bund erst 2032 Zahlungen zu leisten hätte. Das dem eigentlichen Baugenehmigungsverfahren vorgeschaltete Widmungsverfahren, bei dem auch die Kompatibilität mit Denkmalschutz und Welterbe geprüft werde, verlaufe bisher positiv.
Beim Belvedere Salzburg in der Neuen Residenz, an dem seit November 2024 gebaut wird, rechnet man mit der Fertigstellung des Rohbaus im Sommer. Die gemeinsame Eröffnung mit dem neuen Salzburg Museum ist für Herbst 2027 geplant. Die Eröffnungsausstellung und das weitere Programm soll im Frühjahr 2027 vorgestellt werden. Gezeigt werden sollen Werke aus der Sammlung des Belvedere. Rollig: "Wir sind beim kuratorischen Konzept schon ziemlich weit."
"2026 wird auch sehr schön"
Die Wiener Besucherzahlen für 2025 bestätigen die Tagline "A Museum that matters", die hinter der Belvedere-Führungsspitze leuchtete. Das Obere Belvedere besuchten im abgelaufenen Jahr rund 1,556.300 Kunstinteressierte - bei den Gästen aus dem Ausland führt derzeit Italien vor Deutschland und den USA -, im Unteren Belvedere wurden 375.300, im Belvedere 21 99.000 Besucherinnen und Besucher gezählt. "Es war ein sehr erfolgreiches Jahr", sagte Rollig. "2026 wird auch sehr schön." Das Ausstellungsprogramm stehe "stark im Zeichen von Künstlerinnen und feministischen Fragestellungen". Im "Jahr der Frauen" (Rollig) zeigt man 14 neue Ausstellungen, darunter mit Ferdinand Georg Waldmüller ("Nach der Natur gemalt", ab 27.2. im Unteren Belvedere) einen "Helden der österreichischen Kunstgeschichte" sowie mit Anni Albers, Erna Rosenstein, Erika Giovanna Klien, Sandra Mujinga, Sue Williams, Miao Ying und Friedl Kubelka/vom Gröller eine Reihe interessanter Künstlerinnen.
Mit zwei Ausstellungen, die jeweils das ganze Belvedere 21 bespielen werden, möchte Stella Rollig, deren Amtszeit Mitte Jänner 2027 endet, "eine Art Bilanz geben". In "Stellprobe" (ab 26. Juni) sollen die Sammlungszugänge der vergangenen Dekade, von mittelalterlichen Altartafeln bis zur Gegenwartskunst, in einem Display von Heimo Zobernig präsentiert werden. Rolligs "allerletzte Ausstellung" (ab 5. November) heißt "Feminist Futures Forever" und setzt neue feministische Positionen in Bezug auf auf die 1985 von VALIE EXPORT und Silvia Eiblmayr kuratierte Ausstellung "Kunst mit Eigen-Sinn". Stella Rollig: "Ich möchte noch eine Vision hinterlassen."