Vor der Heidi Horten Collection in Wien parkt ein Porsche aus 16 Tonnen Beton. Besucher dürfen das massive Kunstwerk von Gottfried Bechtold ausdrücklich berühren und sich sogar daraufsetzen.
Kunstwerke sollte man in der Regel nur betrachten, nicht betreten. Eine Ausnahme ist der Betonporsche von Gottfried Bechtold, der beim Eingang zur Heidi Horten Collection einen Parkplatz gefunden hat - ein Exemplar aus der Serie Elf Elf (2006), basierend auf der ersten Version von 1971 des Vorarlberger Künstlers. Man darf den 16 Tonnen schweren Abguss des Sportwagens nicht nur berühren, sondern sich sogar draufsetzen: Ein "Wahnsinnsobjekt", so Direktorin Verena Kaspar-Eisert.
Der 1947 in Hörbranz geborene Bechtold entwickelt seit den 1970er-Jahren sein Werk zwischen Skulptur, Konzeptkunst, Fotografie, Film und Installation. "Ein Auto ist im Grunde genommen nichts anderes als eine Gehhilfe", sagte der Künstler am Montag bei einem Pressetermin. "Für mich war das damals als zentrales Motiv ein aufgelegter Elfmeter. Für meine Skulptur aus Beton bin ich von links und rechts geprügelt worden. Da habe ich mich bestätigt gefühlt."
Bechtold untersucht das Auto als Projektionsfläche gesellschaftlicher Vorstellungen von Fortschritt, Individualität und Status, betonte Kaspar-Eisert. Als er den ersten Betonporsche realisierte, galten sowohl das Auto als auch Beton als Ausdruck technologischer Zukunft. Heute habe sich diese Lesart verschoben: "Beton zählt zu den größten CO2-Emittenten der Bauindustrie, gleichzeitig stehen Individualverkehr und der Flächenverbrauch durch Autos im urbanen Raum im Zentrum gesellschaftlicher Debatten." Ökologie sei 1971, als er den ersten Betonporsche goss, noch "ein Randthema gewesen", sagte Bechtold.
Leasingvertrag für Betonporsche am Direktionsparkplatz
Die massive Skulptur verbindet die Form des realen Sportwagens mit der Schwere und Unbeweglichkeit von Beton. Die Platzierung direkt neben dem Haupteingang - "der einzige Betonporsche, der auf einem Direktionsparkplatz steht, darauf bin ich stolz" (Bechtold) - soll die tägliche Präsenz des Automobils aufgreifen und die Figur zu einer prägnanten Setzung im öffentlichen Raum machen - auf unbestimmte Zeit. "Wir haben sozusagen einen Leasingvertrag", schmunzelte die Direktorin, die gerne auf ihren Pkw-Stellplatz verzichtet.
Porsche ausquetschen wie eine Zitrone
Kontextualisiert wird die Außenskulptur durch eine Ausstellung im Haus. Ein Film dokumentiert den technisch und handwerklich anspruchsvollen Entstehungsprozess eines Betonporsches, "die Transformation vom Werkstoff zum Kunstwerk", wie es Kurator Rolf H. Johannsen nannte. Beton sei ein "faszinierendes Material", bekräftigte Bechtold. "Die Planung und Herstellung der Gussform nehme eineinhalb Jahre in Anspruch - "und wenn dann der Beton kommt, ist alles in 50 Minuten erledigt". Im Film sieht man auch, wie der Künstler ein ihm überlassenes Porsche-Vorserienmodell mechanisch "ausquetscht wie eine Zitrone". Dafür habe er von Porschefans sogar Morddrohungen erhalten.
"Reisebilder" (1971) in einer Hängung zeigen den Künstler mit einem Porsche - laut Beschriftung aufgenommen in Albanien, England, Frankreich und anderen europäischen Ländern. Tatsächlich entstanden sämtliche Fotografien in Vorarlberg. Die Arbeiten spielen mit der Konstruktion von Realität: Für den von ihm angesetzten Verkaufspreis hätte der Künstler tatsächlich in die angegebenen Länder reisen können - und die Fiktion wäre zur Realität geworden.
Autogesichter mit Geschlecht
In der Serie Autogesichter (1979) werden fotografische Darstellungen von Fahrzeugen mit den Ergebnissen einer Nonsensumfrage kombiniert, die Autos ein vermeintliches "Geschlecht" zuschreibt. Eine limitierte Anzahl von Miniatur-Betonporsches - weil sie im Garten des Künstlers gestanden sind, "entsprechend verwittert" (Kaspar-Eisert) - kann man im Shop erwerben.