Der Jägerball bringt nicht nur Musik und Tanz in die Hofburg, sondern auch Kritik auf die Straße. Seit Jahrzehnten nutzen Tierschützer die Veranstaltung, um Missstände sichtbar zu machen.
Ebenso wie der Jägerball haben auch die Proteste dagegen eine lange Geschichte. Seit den frühen 1980er-Jahren wird der Ball immer wieder zum Anlass für lautstarke Kritik an der Jagd genommen. Auch heuer versammelten sich Gegner der Jagdpraxis vor der Wiener Hofburg.
Parolen gegen Patronen
Am Abend des 26. Jänner standen rund 100 Demonstranten am Heldenplatz. Mit Rufen wie "Hände weg von Tieren" und "Blut an euren Händen" machten sie ihrem Ärger Luft. Kritisiert wurden unter anderem Baujagd, Fallenjagd, das Aussetzen von Gatterwild, Treibjagden trotz Krankheiten wie Myxomatose, Abschüsse geschützter Arten sowie getötete Haustiere in der Nähe ihrer Besitzer.
Hürden für die Kritik
Die Protestierenden konnten ihre Kundgebung erst verspätet direkt vor dem Eingang zur Hofburg abhalten. Eine sogenannte Platzhalterdemo mit nur drei regungslosen Personen blockierte den angemeldeten Ort. Erst nachdem diese verschwunden waren, rückten die Tierschützer näher an den Ballsaal heran. Derartige Scheinversammlungen wurden in mehreren Bundesländern bereits als rechtswidrig beurteilt.
Ball mit Geschichte
Der Jägerball, offiziell "Ball vom Grünen Kreuz", fand heuer zum 122. Mal statt. Seine Ursprünge reichen bis ins Jahr 1905 zurück. Damals organisierten Jäger erstmals eine Wohltätigkeitsveranstaltung für Bedürftige aus Jagd und Forstwirtschaft. Der Reinerlös des Balls soll bis heute diesem Zweck dienen.
Kritik an Einfluss und Gesetzen
"Die Jagd in Österreich zieht politische Fäden bis in höchste Kreise. Beim gemeinsamen Abknallen empfindungsfähiger Lebewesen fraternisiert man sich", sagte Martin Balluch, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken. Er warf der Jägerschaft vor, Fortschritte in den Landesjagdgesetzen zu blockieren.
Forderung nach Reform
"Warum müssen Schnepfen geschossen werden? Der Spaß am Töten kann kein ausreichender Grund sein", so Balluch. Er fordert ein Bundesjagdgesetz, das dem Staatsziel Tierschutz gerecht wird. Seit 2005 gilt das Bundestierschutzgesetz nicht für die Jagd. Diese Ausnahme müsse gestrichen werden.
Während in der Hofburg getanzt wurde, wuchs draußen der Unmut. Laut, wütend und voller Zorn auf eine Praxis, die viele als Relikt aus einer anderen Zeit empfinden.