Nach drei schwierigen Jahren in der Wirtschaft wird in Österreich 2026 zumindest eine leichte Wirtschaftserholung erwartet. Wien wird davon stärker profitieren als andere Bundesländer, prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO).
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hat heute Vormittag auf der Online-Plattform stolz gepostet: "Wien bleibt der Wirtschaftsmotor Österreichs." Aktuelle WIFO-Zahlen prognostizieren für Wien ein rascheres Wachstum bei Wirtschaft und Arbeit als österreichweit, so der Bürgermeister von Wien.
Positive Wirtschaftsentwicklung in Wien
Die prognostizierte Wachstumsrate in Österreich liegt laut WIFO demnach bei rund einem Prozent. In Wien sind die Zahlen seit der Covid-Pandemie etwas besser, und das soll auch heuer so bleiben, erklärt WIFO-Regionalökonom Peter Huber. "Wien wird rascher wachsen, sowohl bei der Wertschöpfung als auch bei der Beschäftigung als Österreich. In Zahlen gegossen heißt das 1,5 Prozent für das BIP-Wachstum und 1,1 Prozent für das Beschäftigungswachstum gegenüber 0,7 Prozent bei der Beschäftigung in Österreich.“
Wien profitiert vom Dienstleistungssektor
Die Gründe für den Vorteil: "Ein Faktor ist natürlich, dass Wien einen geringen Industriebesatz hat. Und in der Krise war die Industrie sehr betroffen. Das führte auch dazu, dass die Industrie Bundesländer durch die Bank schrumpfen. Der Dienstleistungssektor hat Wien in dieser Phase gestützt. Das zweite ist aber auch, dass Wieweniger von Exporten nach Deutschland abhängt. Deutschland war in den letzten Jahren eine Bremse für die Konjunktur, sodass Wien auch einen Standortvorteil hat im Moment“, erläuterte Huber am Dienstag gegenüber "Wien heute“.
"Wenn wir Unternehmen befragen: Vor allem im Dienstleistungsbereich sind sie deutlich optimistischer in Wien“, so Huber weiter. Es sei "ein bisschen Optimismus und ein bisschen Entwarnung angebracht“. Zusammenfassend könne man sagen: "Es hätte auch viel schlimmer kommen können.“
Inflation soll 2026 zurückgehen
Dennoch, ein großer Kostenfaktor für die Wirtschaft und die Menschen bleiben vorerst die hohen Energiekosten. "Bei den Energiepreisen hängt sehr viel davon ab, wie die Wiener Energieversorger ihre Preispolitik gestalten, sodass sich da nicht wirklich eine klare Aussage machen lässt“, so der Experte.
Halbwegs gute Nachrichten gibt es bei der Teuerung: Die Inflation soll laut WIFO von 3,5 Prozent im Vorjahr auf 2,5 Prozent im Jahr 2026 sinken. Doch sie macht den Menschen weiter zu schaffen. Rund 60 Prozent sorgen sich wegen der steigenden Lebenshaltungskosten. Eine Erholung der Wirtschaft sieht ein Viertel erst 2028 oder noch später, besagt eine aktuelle IMAS-Umfrage.
Der WIFO-Regionalökonom drückt es so aus: "Wir werden ein höheres Wachstum haben. Aber tatsächlich ist es so, dass das noch nicht eine Hochkonjunktur ist. Die Gesamtlage ist nicht eine, wo man in Euphorie ausbrechen muss.“
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig fasst zusammen, dass Wien ein rascheres Wachstum bei Wirtschaft und Arbeit als österreichweit erwartet. Konkret ein Wachstum von +1,5 % beim BIP und ein 1,1-%-iges Beschäftigungswachstum.
Rasche Kritik
SPÖ-Bürgermeister Ludwig versuche einmal mehr, den Wienerinnen und Wienern – insbesondere dem Mittelstand – einzureden, Wien sei der Wirtschaftsmotor Österreichs. "Diese Darstellung hat mit der Realität nichts zu tun“, kritisiert der Wiener FPÖ-Chef Stadtrat Dominik Nepp zu den Meldungen zur Wirtschaftsentwicklung Wiens.
Jede seriöse Analyse zeige, dass das wirtschaftliche Wachstum in Wien nahezu ausschließlich auf den öffentlichen Sektor und damit auf die Stadt Wien selbst zurückzuführen ist. Die private Wirtschaft, vor allem der Mittelstand, bleibt auf der Strecke, so Nepp.
Zudem zeigten aktuelle Umfragen, dass die Stimmung unter Wiens Unternehmern schlechter und pessimistischer sei als im restlichen Österreich. "Anstatt Realitäten schönzureden, braucht Wien endlich eine Politik, die Leistungsträger entlastet und nicht weiter belastet“, fordert der Wiener FPÖ-Obmann.