Luxusuhren aus Fitnessstudios gestohlen: Prozess gegen Seriendiebe

In "Edel-Fitnesscentern" unterwegs

Luxusuhren aus Fitnessstudios gestohlen: Prozess gegen Seriendiebe

Ein Brüderpaar und dessen langjähriger Freund sollen sich zwei Jahre lang auf den Diebstahl von Luxusuhren konzentriert haben.

Wien/Graz/Linz. Die Männer kauften dazu Tageskarten in exklusiven Fitnesscentern in Wien, Graz und Linz und brachen in die Kleiderspinde ein, um an die teure Beute zu kommen. Am Donnerstag mussten sie sich deshalb vor dem Wiener Straflandesgericht verantworten.

Seit Sommer 2017 in österreichischen Edel-Fitnesscentern unterwegs

Seit Sommer 2017 waren die Rumänen laut Anklage in den österreichischen Edel-Fitnesscentern unterwegs und beobachteten die Kunden beim Umziehen. Wenn einer von ihnen seine teure Uhr in dem Garderobenschrank einsperrte, brachen sie diesen im Anschluss auf und entnahmen die Edelmarken-Zeitmesser von Rolex oder Cartier. Der Erstangeklagte soll 13 Einbruchsdiebstähle begangen und einen Schaden von über 80.000 Euro verursacht haben. Sein Bruder war mutmaßlich bei neun Einbrüchen dabei, der Freund bei drei.

Wollten "nur" Männerbekanntschaften machen

Die Angeklagten streiten gar nicht ab, die Einrichtungen besucht zu haben. Sie hatten sich ja auch mit ihren richtigen Ausweisen angemeldet. Das Brüderpaar erzählte dem Schöffengericht (Vorsitz: Stefan Erdei) allerdings, es sei nicht zum Stehlen da gewesen, sondern um Männerbekanntschaften in der Umkleidekabine bzw. in der Sauna zu machen. Der eine Bruder sagte, er sei homosexuell und in den exklusiven Clubs habe er Männer kennenlernen wollen. Sein Bruder tat es ihm gleich, er wollte seine Bisexualität ausleben, von der seine Lebensgefährtin daheim in Rumänien nichts wissen durfte. "Das ist eine Schande in meiner Heimat", sagte der Beschuldigte.


"Es ist halt saublöd, wenn in derselben Zeit immer Uhren gestohlen werden", meinte Richter Erdei. Denn just, wenn die Beschuldigten in den Fitnesscentern unterwegs waren, verschwanden die Luxusuhren. Meist hielten sich die Brüder nur eine Stunde in den Studios auf, danach gingen sie wieder. Im Mai 2019 besuchten sie – wie Bilder aus den Überwachungskameras zeigten – in Wien an einem Tag drei Filialen eines Fitnessunternehmens hintereinander. Gefragt nach dem Warum, behauptete der Erstangeklagte, er sei im ersten Studio nicht fündig geworden und wollte auch in anderen Einrichtungen nach einem Sexualpartner suchen.

Die Verteidiger betonten, dass von ihren Mandanten an den Tatorten keine Spuren gefunden wurden, auch die Beute konnte nie sichergestellt werden. Vielmehr sei es der Modus Operandi einer Bande gewesen, die erst kürzlich im Grauen Haus vor Gericht stand. Allerdings seien die nun Angeklagten mit den bereits Verurteilten in sozialen Netzwerken befreundet gewesen, sagte Richter Erdei. Dass allesamt zur selben Bande gehören, konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Hingegen ist einer der Brüder mehrfach einschlägig vorbestraft, die beiden anderen werden scheinbar wegen eines ähnlichen Deliktes von den spanischen Behörden gesucht.

Im Mai fiel schlussendlich Besuchern eines Wiener Fitnesscenters das suspekte Verhalten der Männer auf. Bilder aus den Überwachungskameras untermauerten den Verdacht. Im Oktober wurden die drei in ihrer Heimat festgenommen.

Verhandlung vertagt

Die Verhandlung wurde am Donnerstag vertagt. Den von dem Anwalt des Brüderpaars eingebrachten Anträgen auf Enthaftung wurde wegen Tatbegehungsgefahr nicht stattgegeben. Der dritte Beschuldigte befand sich auf freiem Fuß.

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