Für zwei Waldrappe aus dem Tiergarten Schönbrunn ging es vergangene Woche hoch hinaus: Sie wurden per Flugzeug nach Spanien gebracht, wo sie im Rahmen des Projecte Ibis Ermità ausgewildert werden.
Im 17. Jahrhundert wurde der Waldrapp in Europa ausgerottet. Nun haben zwei Vögel aus dem Tiergarten Schönbrunn Katalonien erreicht. Sie wurden per Flugzeug in den Parc Natural dels Aiguamolls de l'Empordà gebracht und sollen dort eine neue, sesshafte Kolonie mitbegründen. Derzeit leben sie in einer Auswilderungsvoliere, um sich an Umgebung und Artgenossen zu gewöhnen.
"Ein bedeutender Meilenstein für diese stark gefährdete Vogelart. Wir sind sehr stolz, hier einen wichtigen Beitrag leisten zu können", sagte Tiergartendirektor Stephan Hering-Hagenbeck. Insgesamt sollen vor dem Sommer 30 Waldrappe aus Zoos im Rahmen des Projecte Ibis Ermità in Katalonien ausgewildert werden. Das Projekt steht noch am Anfang. In Andalusien ist eine ähnliche Ansiedlung bereits geglückt.
Der neue Standort im Nordosten Spaniens wurde bewusst gewählt. Dort finden die Tiere ganzjährig ausreichend Nahrung. Das ermöglicht es, Waldrappe dauerhaft an einem Ort zu halten, ohne dass sie in ein Wintergebiet ziehen müssen.
Wie junge Waldrappe ihre Flugroute wieder lernen
Der Waldrapp ist ein Zugvogel, der seine Route nicht instinktiv kennt. Jungtiere müssen den Weg in die Wintergebiete von älteren Artgenossen lernen. Weil es nach dem Aussterben der wilden Bestände keine Lehrmeister mehr gab, ging dieses Wissen verloren.
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Um den Vögeln die Route wieder beizubringen, werden sie im Rahmen eines EU LIFE-Projekts mit menschengeführter Migration nach Spanien geführt. Dabei lernen sie den Weg in ihr Wintergebiet. In Katalonien könnte ein anderer Weg funktionieren. Wenn sich dort stabile, sesshafte Gruppen entwickeln, brauchen die Vögel keine Flugroute mehr. Das würde die Art unabhängiger machen und besser gegen Bedrohungen absichern.
Zucht als Grundlage für Auswilderung
"Zoos spielen beim Erhalt von Tierarten eine zentrale Rolle, weil sie stabile Reservepopulationen aufbauen können. Das ist die Voraussetzung, dass Auswilderungsprojekte wie dieses in Spanien überhaupt möglich sind", betont Eveline Dungl, zoologische Abteilungsleiterin im Tiergarten.