72er-Verlängerung

Sima-Angriff auf Landbauer wegen Bim-Aus für Schwechat

Ein groß angekündigtes Verkehrsprojekt hat nie Fahrt aufgenommen. Die Straßenbahnverbindungen von Wien nach Schwechat bleibt eine Idee auf dem Papier. In Niederösterreich setzt man stattdessen auf ein neues Regionalbus-Konzept.

Ulli Sima (SPÖ) kann das Aus der geplanten Verlängerung der Straßenbahnlinie 72 bis heute nicht fassen. Für die Wiener Mobilitätsstadträtin ist das Scheitern des Vorhabens mehr als ein verkehrspolitischer Rückschlag. Sima macht keinen Hehl daraus, wen sie für das "historische Scheitern" verantwortlich macht. Verkehrslandesrat Udo Landbauer (FPÖ) steht im Zentrum ihrer Kritik.

Bürgermeister Michael Ludwig und die Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner stellten das Projekt 2022 vor.

Bürgermeister Michael Ludwig und die Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner stellten das Projekt 2022 vor.

© APA/ROBERT JAEGER

Der Plan einer länderübergreifenden Linie wurde bereits 2022 von Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) vorgestellt. Für die Verlängerung hätten 2,75 Kilometer Strecke neu gebaut werden müssen, davon 1,75 Kilometer auf niederösterreichischem Gebiet. Der Bund hatte zugesagt, die Hälfte der Kosten zu übernehmen.

"Schlag ins Gesicht der Pendler" 

Wien war bereit, seinen Anteil zu tragen. "Die Planungen waren abgeschlossen und auch Niederösterreich hatte sich zunächst klar hinter das gemeinsame Projekt gestellt", erläutert Sima. "Allein der FPÖ-Landesrat stellte sich dagegen. Landesrat Landbauer hat das historische Zeitfenster, ja eine Jahrhundertchance, verstreichen lassen", betont sie.

Das Projekt 72er-Verlängerung wurde vorerst auf Eis gelegt.

Das Projekt 72er-Verlängerung wurde vorerst auf Eis gelegt.

© Wiener Linien/Helmer

Für Sima wiegt dieser Rückzieher schwer. Statt einer funktionierenden Straßenbahn solle nun frühestens 2027 ein Bus auf die Strecke geschickt werden, also Jahre nachdem die Bim längst hätte fahren können. Das sei ein Schlag ins Gesicht der über 400.000 Pendlerinnen und Pendler, denn eine Straßenbahn habe ein Vielfaches an Kapazität im Vergleich zu einem Bus.

Zwei rote Linien – aber nur eine fährt

Währenddessen arbeitet Landbauer mit Schwechats Bürgermeisterin und Simas Parteikollegin Karin Baier daran, den öffentlichen Verkehr und die Anbindung an Wien per Bus zu verbessern. "Unser gemeinsames Anliegen ist es, der Bevölkerung eine praktikable und leistungsfähige Lösung im öffentlichen Verkehr zu bieten. Land Niederösterreich und die Stadt Schwechat ziehen hier an einem Strang, um die Mobilität in der Region weiterzuentwickeln. Das funktioniert nur gemeinsam", betonen Landbauer und Baier.

Im Rahmen der laufenden Ausschreibung zur Neuvergabe des Regionalbusverkehrs im Römerland-Carnuntum sind deutliche Angebotsverbesserungen im Raum Schwechat vorgesehen. Ein dichterer Takt zwischen Schwechat und der U-Bahn-Station Simmering ist ebenso geplant wie eine bessere Anbindung an die S-Bahn-Linie S7. In den Hauptverkehrszeiten soll ein 10-Minuten-Takt geschaffen werden.

Konzept für 130.000 Einwohner

Das vorgesehene Konzept betrifft nicht nur Schwechat, sondern die gesamte Region mit 37 Gemeinden, 21 Linien, 400 Haltestellen und rund 130.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. "Die ausgeschriebene deutliche Verbesserung des öffentlichen Verkehrs in Schwechat und der gesamten Region ist für unsere Bevölkerung unglaublich wichtig", betont Baier.

Udo Landbauer setzt bei der Verbindung von Simmering nach Schwechat auf Busse statt Bim. 

Udo Landbauer setzt bei der Verbindung von Simmering nach Schwechat auf Busse statt Bim. 

© FPÖ NÖ

Die Linie 72 bleibt damit ein Plan ohne Umsetzung. Was als gemeinsames Projekt begann, liegt nun auf Eis. Die Stadt Wien ist verärgert. In Niederösterreich setzt man auf Bus statt Bim. Und zwischen beiden Seiten verläuft mehr als nur eine Landesgrenze.

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