Unter dem Motto "Platz für alle am Ring" hat der ÖAMTC am Donnerstag ein Konzept für die Wiener Ringstraße, eine der wichtigsten Verkehrsachsen der Hauptstadt, vorgelegt.
"Herzstück ist ein baulich getrennter Zwei-Richtungs-Radhighway", sagte Direktor Ernst Kloboucnik. Die Vorschläge für die rund fünf Kilometer lange Prachtstraße basieren auf einer konsequenten Trennung von Fuß-, Rad-und Kfz-Verkehr. Stellplätze und Nebenfahrbahnen könnten großteils erhalten bleiben.
Der Anstieg der Einwohnerzahl und der Jahr für Jahr wachsende Tourismus bringen den Ring zunehmend unter Druck. Das ÖAMTC-Konzept würde "mehr Qualität und Sicherheit für alle" Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer bringen, wurde bei dem Medientermin betont. Es mache auch deutlich, "dass die Ringstraße ausreichend Platz bietet, um den Bedürfnissen aller Mobilitätsformen gerecht zu werden - und das ohne Fahrverbote oder Spurreduktionen für den Kfz-Verkehr", meinte Kloboucnik.
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Meistbefahrener Radweg ein Zickzack-Parcours
Momentan sei die Ringstraße verkehrstechnisch überlastet. Dort befindet sich der meistbefahrene Radweg der Stadt. Seit 2014 habe dessen Nutzung stetig zugenommen. 2024 wurden an den Zählstellen am Opernring knapp 1,8 Millionen Radfahrten registriert, an Spitzentagen waren es um die 10.000, so der Club.
"Der Rad- und Fußverkehr am Ring ist ein Durcheinander mit verwirrendem Zickzack-Kurs" für Radfahrer sowie Fußgängerinnen und Fußgänger, sagte ÖAMTC-Verkehrsexperte Matthias Nagler. Die Kreuzungsbereiche mit Autoverkehr und öffentlichen Verkehrsmitteln seien eine große Gefahrenquelle. 2024 kam es demnach am Ring zu 73 Verkehrsunfällen mit Personenschaden unter Beteiligung von Radfahrenden, ein Anstieg von 97 Prozent seit 2018. Die Umgestaltung wie vorgeschlagen "brächte hier deutliche Verbesserungen", so die Fachleute.
Die Pläne im Detail
"Der Rad-Highway verfügt über eine durchschnittliche Breite von vier Metern. Die bauliche Trennung ermöglicht eine durchgängige Radschnellverbindung, die das Konflikt- und Unfallrisiko um ein Vielfaches reduziert", sagte Nagler. Durch einfache Anbindung an andere Fahrrad-Langstrecken in Wien könnte der Ring dann auch für Radler "seiner Verteilungsfunktion endlich gerecht werden".
Platziert wäre die Radfahranlage an der Innenseite des Rings, damit stünden dem Radverkehr rund 17.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung - exklusiv. So würde Konflikte mit Fahrgästen im Bereich der Öffi-Haltestellen vorgebeugt. Die andere Seite der Ringstraße wird nach den Vorstellungen des ÖAMTC Flaniermeile mit Aufenthaltsbereichen für Passanten. Die Gehsteige entlang der Gebäude sollen mit Bäumen und Grünflächen aufgewertet werden.
"Ohne viel Umbau"
Die Neuerungen wären "ohne viel Umbau möglich", sagte Nagler auf APA-Anfrage. Den Platz schaffe man in erster Linie durch die Trennung von Radlern und Passanten. Nebenfahrbahnen würden für Zu-und Abfahrten "durchgehend erhalten" und Ladezonen, Bushaltestellen, Taxistände und Stellplätze erreichbar bleiben. Nur "einzelne Stellplätze" vor allem in Kreuzungsbereichen müssten nach Ansicht des Clubs für mehr Fußgängersicherheit entfallen, "der eine oder andere" würde für den Umbau des Radwegs "draufgehen" oder zusätzlichen Baumpflanzungen bzw. Grünflächen weichen müssen, sofern man sich für mehr Begrünung entscheidet. Genaue Zahlen wurden nicht genannt, die Pläne seien ja variabel. Man werde aber weiterhin in den Nebenfahrbahnen parken können.