oe24 hat das original Erpresser-Mail (Betreff: poisoned baby foods) mit dem ein zunächst Unbekannter in absichtlich schlechtem Englisch den Kinderkost-Hersteller Hipp um zwei Millionen Euro erpresst hat. Als Verdächtiger sitzt ein gefeuerter Ex-Manager in U-Haft, der alles bestreitet.
Sbg, Bgld. Während die Untersuchungen gegen den Vater dreier Kinder, der von der Kindsmutter getrennt lebt, auf Hochtouren laufen und der 39-Jährige in Eisenstadt aus Sicherheitsgründen - damit Häftlinge mit Babys daheim ihm nicht an den Kragen gehen - in Einzelhaft sitzt, werden immer mehr Details bekannt, wie der Erpresser vorgegangen bzw. seine Forderung aufs Tapet gebracht hat. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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- Rattengift in Hipp-Glas nicht lebensgefährlich
Über einen E-Mail-Dienst aus Deutschland, der sich auf maximale Privatsphäre und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung spezialisiert hat und bei dem nicht nur die E-Mails, sondern das gesamte Postfach, Kontakte und Kalender Ende-zu-Ende verschlüsselt sind, landete am 27. März das Erpresserschreiben in der Hipp-Zentrale - allerdings in einem (Spam-)Ordner, der nur selten angeschaut wird, sodass zunächst einmal zwei Wochen vergehen, ohne dass irgendetwas passiert. Möglicherweise war das aber auch Absicht des Absenders, der rückwirkend Zeit gewinnen bzw. verschleiern wollte, dass er an diesem Tag das letzte Gespräch mit seinen Vorgesetzten hatte, bevor er endgültig gekündigt wurde. Der Kündigungsgrund: Man unterstellte dem Mitarbeiter Betrugs- und Steuerdelikte, die er mit seinem Firmenlaptop begangen zu haben. Dafür wollte der gebürtige Slowake Tomas S. wohl Rache sowie in einem Aufwaschen seine finanziellen Probleme lösen.
In dem Mail kommt er jedenfalls bereits im Betreff zur Sache: poisoned baby food (als vergiftete Kinderkost) steht da zu lesen. Ohne Anrede fährt er im Text fort, wobei er absichtlich Fehler einstreut, um sein Top-Englisch, das er als Manager zu haben hat, unter den Tisch zu kehren. Statt bottle für Flasche oder Gläschen schreibt er "buttle". Dann erklärt er ohne große Umschweife, dass in insgesamt drei Supermärkten in Brünn in Tschechien, in Dunajska Streda in der Slowakei und in der burgenländischen Landeshauptstadt Eisenstadt jeweils zwei buttles "poisoned with Bromadiolon" (also Rattengift) deponiert worden wären. Um zu suggerieren, dass mehrere Täter dahinter stecken bzw. als weiteres Ablenkungsmanöver sind alle Sätze im Wir-Plural gehalten: "We put them there" heißt es z.B. Oder: "You pay us two million in Monero (XMR)".
Monero (XMR) ist eine dezentrale, quelloffene Kryptowährung, die sich auf maximale Privatsphäre und Anonymität konzentriert. Im Gegensatz zu transparenten Blockchains wie Bitcoin verschleiert Monero Sender, Empfänger und Transaktionsbeträge durch spezielle Kryptographie (Ringsignaturen, Stealth-Adressen). Sie gilt als führende „Privacy Coin", wobei Transaktionen kaum bis nicht nachvollziehbar sind.
Zurück zum Erpressungsmail. Weiterhin in Kinder-Englisch wurde erklärt, dass die vergifteten Gläschen "on the bottom of the buttles" mit Stickern gekennzeichnet wären. "You should find them quickly".
Nächster Absatz: Für den Fall, dass bis zu einem gewissen Zeitpunkt die angegebenen XMR-Wallets nicht prall gefüllt wären, würde man "toxicated baby food" ohne es zu kennzeichnen im Handel in Deutschland, Holland, Frankreich, Belgien, Polen und Spanien in den Regalen platzieren. Danach "werden wir die Medien informieren", um zu versprechen (promise), noch längere Zeit Babykost zu vergiften und allen zu erklären, dass Hipp die Chance vertan habe, die Konsumenten zu beschützen.
Abschließend gibt der oder die Schreiber - dass es tatsächlich Komplizen gibt, ist nicht ausgeschlossen - sich siegessicher: Selbst Europol würde ihn oder sie nicht erwischen.
"Now you come. Your time is tickung".
Der bekannte Strafverteidiger Manfred Arbacher-Stöger vertritt den verhaftete Ex-Hipp-Manager.
Der Anwalt des schließlich doch und relativ rasch ausgeforschten und in Salzburg festgenommenen mutmaßlichen Erpressers bleibt dabei: "Mein Mandant sagt, er war das nicht. Er ist ja selbst Vater und kann sich nicht vorstellen, wie jemand Herzloser Eltern derart in Panik versetzen kann ."
Ermittelt wird derzeit in Österreich weiterhin wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung und versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung. Und in Deutschland wegen Erpressung. Mittlerweile ist übrigens klar, dass der Verzehr des im Burgenland sichergestellten Hipp-Glases, das 15 Mikrogramm Rattengift enthielt, nicht lebensgefährlich gewesen wäre. Über die Gläser in der Slowakei und in Tschechien sowie über das noch gesuchte zweite Glas im Burgenland sagt das indes noch nichts aus.