Porträt: 15 Jahre Strache bei der FPÖ

Sein Aufstieg - sein Fall

Porträt: 15 Jahre Strache bei der FPÖ

Fast eineinhalb Jahrzehnte brauchte Heinz-Christian Strache, bis sein Anlauf in die Regierung das Ziel fand, und im Mai dieses Jahres war es nach eineinhalb Jahren schon wieder vorbei. Im Zuge der Ibiza-Affäre musste der FPÖ-Chef und Vizekanzler aus der Spitzenpolitik ausscheiden.

strache5.jpg © Screenshot Spiegel/Süddeutsche
 
In den folgenden Monaten spaltete der frühere Parteichef die FPÖ immer mehr, im Zuge der Spesen-Affäre wurde Strache nun aus der Partei ausgeschlossen. 
 
Leibwächter Strache © Fotomontage: oe24

Rascher Aufstieg

Früh startete Straches steile Karriere in der FPÖ, für die er mit 21 Jahren jüngster Bezirksrat in Wien-Landstraße wurde. Nebenbei wurde Strache zum Zahntechniker ausgebildet und auch relativ früh Vater von zwei Kindern mit seiner damaligen Ehefrau, die einer prominenten Wiener Gastronomen-Familie entstammt.
 
Politisch ging es flott nach oben. Lange vor seinem 30. Geburtstag angelte er sich ein Mandat im Wiener Landtag und galt rasch als Hoffnungsträger der traditionell starken Landesgruppe, deren Chef er seit eineinhalb Jahrzehnten ist. Anfangs noch Fan Jörg Haiders und eine der Hauptfiguren des Knittelfelder Delegiertentreffens, wandelte er sich während Schwarz-Blau zu dessen stärksten parteiinternen Kontrahenten. Seine steigende Popularität war wohl Anlass für Haider, sich mit dem BZÖ aus der FPÖ zu verabschieden.
 
strache-2005.jpg © APA/Hans Klaus Techt
 

Seit 2005 an der Spitze der FPÖ

Damit war wohl früher und unter anderen Umständen als von ihm gewünscht die Stunde Straches an der Spitze der Freiheitlichen gekommen, denen er seit 2005, also rund 14 Jahre unumstritten vorsteht. Umgeben von einem treuen Stab um Herbert Kickl, Harald Vilimsky und Norbert Hofer konsolidierte er die Partei sowohl finanziell als auch beim Wähler. Auch immer wiederkehrende Vorwürfe aus der Vergangenheit - etwa sein "Drei Bier"-Gruß - und eine selten faktentreue inhaltliche Ausrichtung stoppten Straches Weg nach oben nicht. Anti-EU- und -Islampolitik erwiesen sich als beständige Wahlkampfschlager ob im Bund oder in Wien.
 
strache2009.jpg © APA/LUDWIG VYSOCAN
 
Der Niedergang der Koalition schwappte ihn in Umfragen zeitweise sogar klar an die Spitze, erst Sebastian Kurz' Kür zum ÖVP-Obmann ließ die Freiheitlichen ein wenig nach unten sacken. Das hatte für Strache, inzwischen mit einer ehemaligen SPÖ-Assistentin verheiratet, mit der er zu Neujahr zum dritten Mal Vater wurde, aber auch seinen Vorteil. Denn der neue ÖVP-Chef scheute sich nicht, Strache und seine Getreuen in die Regierung zu holen.
 

Endlich am Ziel: Strache wird Vizekanzler

Dass Kurz sich das traute, hatte der FPÖ-Chef aber auch einem eigenen Image-Wandel zu verdanken. Vertrieb Strache früher potenzielle Partner mit rüden Wahlkämpfen und wenig geschmacksicheren Auftritten, etwa mit einem Burschenschafter-Käppchen am Kopf bei der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, gab er sich über die Jahre immer staatsmännischer, sodass 2017 sogar der damalige SPÖ-Chef Christian Kern eine Zusammenarbeit auslotete. Eigentümliche musikalische Darbietungen, die früher jede seine Kampagnen begleiteten, hatte er da schon längst aufgegeben.
 
In Regierungsfunktion angekommen machte Strache selbst inhaltlich nicht viel, was auch mit seinen schmalen Ressorts öffentlicher Dienst und Sport zusammenhing. Mehr inszenierte er sich als romantischer Ehemann, Papa-Monat-Vater und Hundefreund. Wichtig war ihm zu allererst, dass das türkis-blaue Projekt insgesamt auf Schiene blieb. Kurz, den er früher oft wenig schmeichelhaft behandelt hatte, war plötzlich fast schon sein Freund, man traf sich mitunter sogar privat.
 
APAÖVP-FPÖ-KOALITION-PRÄSEN.jpg © APA/ROLAND SCHLAGER
 
Doch politische Freundschaften haben mit jenen im echten Leben nicht allzu viel gemein. Schon zuletzt, als es in den EU-Wahlkampf ging, kühlte das Verhältnis ab, schließlich wurde Sebastian Kurz die ganze Sache doch zu heiß. 
 
Zur Person: Heinz-Christian Strache, geboren am 12. Juni 1969 in Wien, zwei Kinder aus erster Ehe, ein weiteres aus der jetzigen, verheiratet. Gelernter Zahntechniker. Ab 1991 Mitglied der Bezirksvertretung (Bezirksrat) von Wien-Landstraße, ab 1993 Bezirksparteiobmann der FPÖ Wien-Landstraße, 1996-2006: Wr. Landtags-Abgeordneter, seit 2004 Landesparteiobmann der FPÖ Wien, seit 2005 FPÖ-Bundesparteiobmann, seit 2006 Klubobmann des FPÖ-Parlamentsklubs, ab Dezember 2017 Vizekanzler, im Mai 2019 im Zuge der Ibiza-Affäre Rücktritt
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