Politik-Insider von Isabelle Daniel
Das Küchen-Kabinett des Kanzlers
Wien. Der Kreis um Karl Nehammer sei „gefährlich klein“, sagt ein langjähriger ÖVP-Stratege. Er sei so klein, weil er „kaum einem vertraue“. Es seien nur so wenige, weil es „schwer ist, gute Leute zu finden“, berichten hingegen seine Getreuen. Wie auch immer.
Das Küchenkabinett des Kanzlers umfasst tatsächlich nur eine Handvoll Menschen. Das konnte man bereits während seines heiklen Trips zu Wladimir Putin beobachten.
■ Die Chef-Diplomatin. Eine, die in Moskau dabei war und auf die der Hobbyboxer und einstige VP-Generalsekretär, der mehr mit Niederungen der heimischen Politik vertraut war, hört, ist Barbara Kaudel-Jensen. Die Diplomatin studierte einst an der französischen Elite-Institution ENA, arbeitete in Brüssel und New York und bastelte hartnäckig vier Wochen lang an einem Tête-à-tête mit Putin. Sie sei die Einzige der „früheren Partie“, der Nehammer wirklich vertraue, sagt ein VP-Mann. Er schätze ihre „ruhige, aber entschlossene Art“.
■ Die Chef-Beraterin. Auch die heimliche Chefberaterin des Kanzlers, Katharina Nehammer, soll Kaudel-Jensen schätzen. Die Frau des Regierungschefs wacht ähnlich wie ihr „Vorbild Brigitte Macron“ über sämtliche Entscheidungen im Maschinenraum der türkisen Macht.
Misstrauisch. Mit ihr spreche er sich immer wieder ab. Während einige ihre „Hartnäckigkeit“ loben, warnen andere, dass sie „in der ÖVP misstrauisch beobachtet wird“. Die Nehammers dürfte es aber nur im Doppelpack geben, und „auf kaum einen hört er so stark wie auf sie“, stellt ein Insider klar. Das zeige sich auch bei Personalentscheidungen.
■ Der Chef-Kommunikator. Die einstige Pressesprecherin – sie arbeitete etwa für Wolfgang Sobotka und Klaudia Tanner – habe auch Nehammers Kommunikationschef Daniel Kosak forciert. Der Ex-Sprecher von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger sei am engsten am Kanzler dran. Er sei das „Brain“. Er stoppe gewisse Inszenierungen und achte darauf, Nehammer anders zu positionieren als Kurz. Wenn er den Chef mal nicht erreiche, soll er bei „Kathi“ nachfragen: „Was glaubst, will der Karl?“
■ Der Chef-Krisenmanager. Vorgeschlagen hatte Katharina Nehammer auch die Involvierung der Storymachine-Agentur von Ex-Bild-Chef Kai Diekmann. Die beiden hatten sich bei einem Event von ÖSTERREICH 2018 kennengelernt. Nach einem Abendessen mit Karl Nehammer zur Jahreswende erhielt Storymachine zwei Aufträge: einen für die ÖVP und einen für den U-Ausschuss.
Immer dabei. Die Reisen nach Kiew und Moskau begleitete Diekmann unentgeltlich. Er beriet den Österreicher backstage, dass man bei Putin immer mit Überraschungen rechnen müsse, und empfahl dringend, auf Fotos zu verzichten. Was bei Kaudel-Jensen und Kosak auf Zustimmung stieß.
Diekmanns Team kümmere sich um den ÖVP-Auftrag und bereite mit VP-Bundesgeschäftsführer Alexander Pröll – dem Sohn von Ex-ÖVP-Chef Josef Pröll – den ÖVP-Parteitag im Mai vor. Diekmann selbst bringe sich nur gelegentlich ein. Er scheint freilich zu jenem kleinen Kreis der Auserwählten zu gehören, auf den die Nehammers hören.
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