In Österreich gehen immer noch die meisten Kinder in eine Halbtagsschule
In diesem Schuljahr haben an Pflichtschulen (v.a. Volks- und Mittelschule) und AHS-Unterstufen 33,7 Prozent einen Standort mit ganztägigem Angebot besucht. Nur 8,1 Prozent waren dabei an einer "echten" Ganztagsschule angemeldet, in der sich Unterricht mit Lern- und Freizeit abwechselt, zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Grünen durch Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS).
Seit 15 Jahren versucht der Bund über Fördergelder den Ausbau ganztägiger Angebote an Pflichtschulen (Volks-, Mittel-, Sonder- und Polytechnische Schule) und AHS-Unterstufen voranzutreiben. Abgerufen wurden die nach wechselnden Kriterien vergebenen Mittel nur zum Teil. Im Langzeitvergleich hat sich bei den Betreuungsquoten trotzdem langsam, aber stetig etwas getan: 2010/11 nutzte gerade ein Zehntel der Pflichtschüler ein ganztägiges Schulangebot, inklusive Hort wurden 17,3 Prozent am Nachmittag betreut. 2020/21 lag die Quote bereits bei 26,2 bzw. 41,3 Prozent, im vergangenen Schuljahr waren es 32,4 Prozent bzw. 47,5 bei Einberechnung der Hortbetreuung (für das aktuelle Schuljahr liegen noch keine Zahlen zum Hort vor, Anm.).
Quote in Wien am höchsten, in Tirol am geringsten
Wie so oft sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern und dann noch einmal innerhalb der Bildungsregionen enorm: Während derzeit in Wien 56,6 und in Vorarlberg 49,7 Prozent der Pflichtschüler eine schulische Ganztagsbetreuung bekommen, sind es am anderen Ende der Skala in Tirol nur 18,8 Prozent und in Oberösterreich 21,7. Das Burgenland liegt mit 38,9 Prozent über dem Österreich-Schnitt, Salzburg (29,2), Kärnten (28,8), die Steiermark (27,5) und Niederösterreich (26,9) landen darunter.
Für die kommenden Jahre werden von den meisten Ländern keine großen Sprünge im Vergleich zu 2025/26 erwartet. Von der stärksten Steigerung bis zum Schuljahr 2028/29 wird im bereits gut aufgestellten Wien (3,7 Prozent) und beim derzeitigen Schlusslicht Tirol (3) ausgegangen, in den anderen Bundesländern sind es zwischen 0,2 (Steiermark) und 1,7 (Salzburg).
3.100 Ganztagsschulen
Seit 2020/21 sind österreichweit 309 Standorte mit Tagesbetreuungsangebot dazugekommen, vor allem an Volksschulen (289). Insgesamt bieten aktuell knapp 3.100 Standorte eine ganztägige Betreuung an, das sind 62,3 Prozent der Schulen für Sechs- bis 15-Jährige.
Weiterhin ein Minderheitenprogramm sind dabei die verschränkten Ganztagsschulen. Hier sind in den vergangenen Jahren gerade einmal 37 Standorte dazugekommen, wobei auch Schulen mitgezählt werden, in denen nur einzelne Klassen verschränkt geführt werden. Von den aktuell 252 "echten" Ganztagsschulen sind 134 in Wien, das auch fast zur Gänze verantwortlich für das kleine Plus ist. Nur in Kärnten und Niederösterreich gab es ebenfalls (minimale) Zuwächse. In Vorarlberg, Oberösterreich, Tirol und Salzburg wurde das Angebot beim international üblichen Ganztagsschulmodell unterdessen sogar zurückgefahren.