"Da dachte ich kurz, Sie wäre geläutert"

Gerald Grosz: Sein Mail an Van der Bellen

Polit-Blogger und oe24-Kolumnist Gerald Grosz geigt dem Bundespräsidenten ungeschönt die Meinung.

Mail an Van der Bellen!

Da dachte ich doch kurz, aber wirklich nur kurz, Sie wären geläutert. Vom Saulus der Spaltung zum Paulus der Einheit. Sie, der noch unlängst jeden Österreicher, der sich gegen den Neutralitätsbruch, gegen den Wirtschaftskrieg gegen Russland, gegen die nachfolgende Horrorinflation stellte, als „Kollaborateur Putins“ diffamierten, sahen nun in Bregenz die Einheit des Landes gefährdet, wenn man von Normalität spricht.

Erstens freue ich mich, dass Sie aus Ihrem Siechtum in der Hofburg endlich wieder einmal erwacht sind und der Menschheit davon zeugen, dass Sie überhaupt noch leben. Und siehe da, bei bester Gesundheit. Wach wie immer und immer nur dann, wenn Schützenhilfe für Ihre 10 Prozent Kompostis, sprich die kaputten GrünInnen, gefragt ist. Da eilen Sie dem sprachlich torkelnden Werner zur Seite. Ja, alte Liebe rostet nicht.

Und auch wenn Sie als Bundespräsident zur Überparteilichkeit gezwungen sind, was schert Sie Herr Präsident, diese lächerliche österreichische Verfassung. Können Sie sich noch erinnern, die Gesetze galten doch für Sie nie. Die Corona-Verordnungen, die Sie mit Unterschrift mittrugen, und bei erster Gelegenheit gleich brachen.

Nun tauchten Sie also nach den langen Monaten seit Ihrer Wiederwahl wieder auf, wie einst aus Loch Ness. Die Inflation bewegte Sie zu keiner Wortmeldung. Die wöchentlichen Pleiten österreichischer Betriebe bewegten Sie zu keiner Wortmeldung. Der Neutralitätsbruch der österreichischen Bundesverfassung durch den Beitritt zu NATO-Sky Shield scherte Sie einen Dreck.

Aber wenn es darum geht, der FPÖ etwas auszurichten, sei es in Niederösterreich oder in Salzburg, da blitzen Ihre Augen und ich erblicke den guten alten Grünen-Bundessprecher, der einst im Parlament hetzte, spaltete, polarisierte. Aber nur, wenn keiner zusah. Wenns Publikum gibt, dann mimen Sie ja den guten alten Opa aus der Hofburg.

Also die Normalität ist Ihnen ein Dorn im Auge. Ja, als Schutzmantelheiliger der Abnormalen in Österreich, also Ihrer einstigen Partei, wunderts Niemanden. Und Sie dürfte es auch an dieser Stelle nicht wundern, dass ich mir sehnlichst wünsche, dass Ihre restliche Amtszeit wie ein Wimpernschlag vergeht. Und mit mir eine Mehrheit der Normalen in unserem Land.

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