Grüner Aufstand gegen Hebein-Aus in Wien: ''Postenschacher'' | Parteichefin degradiert

Parteichefin degradiert

Grüner Aufstand gegen Hebein-Aus: ''Postenschacher''

Hebein verliert Kampfabstimmungen um Klubchef- und Stadtrats-Position. Jetzt kocht die Stimmung bei den Wiener Grünen über.

Wie ÖSTERREICH noch in der Wahlnacht berichtete, war der Sieg der Grünen bei der Wien-Wahl der Anfang vom Ende der Karriere von Birgit Hebein. Ein Fakt, der vielen in der grünen Basis sauer aufstößt. Es rumort gewaltig innerhalb der Partei und jetzt wurde sogar ein Postenschacher-Vorwurf erhoben.

In einer dramatischen Sitzung wurde im neuen Rathausklub – dem größten der Parteigeschichte – in einer Kampf-Kandidatur Birgit Hebein nicht zur Klubvorsitzenden gewählt – der bisherige Klubchef David Ellensohn trat gegen Hebein an und gewann die Kampfabstimmung gegen die Parteichefin, die jetzt zur „einfachen Gemeinderätin“ degradiert wird, da sie bei der Wahl zur nicht amtsführenden Stadträtin gegen Peter Kraus und Quereinsteigerin Judith Pühringer verlor – was freilich noch bei einem Parteirat am Freitag bestätigt werden muss.

Doch innerhalb der Wiener Grünen brodelt es ordentlich. Denn freilich sind nicht alle mit dieser Entscheidung einverstanden. Und so machte die Listensechste und neue grüne Gemeinderätin, Viktoria Spielmann, ihrem Ärger auf Facebook Luft. Zwar freue sie sich riesig auf ihre neue Aufgabe, aber "heute ist kein schöner Tag". "Das Ergebnis der Wahl nehme ich zur Kenntnis, doch ich halte es für politisch falsch", so Spielmann.

Bis dahin will Hebein auch deklarieren, ob sie als Parteichefin weitermachen will – die Basis hat sie bis 2021 gewählt. "Birgit Hebein, unsere Birgit, kennen wir alle als kraftvolle hands-on Politikerin, die so kompetent und erfolgreich unsere Nummer Eins ist, die von einer breiten Basis gewählt wurde und die für uns Grüne das stärkste Wahlergebnis der Geschichte der Grünen in Wien erzielt hat", setzt sie ihre Brandrede für Hebein fort.

Über die Hintergründe der Wahl schweigt die Neo-Gemeinderätin, gibt gleichzeitig aber doch Einblicke. "Nur so viel sei gesagt, viel ist passiert, wogegen ich ganz grundsätzlich kämpfe: Ich kämpfe gegen Entscheidungen, die durch die Hintertür gegen den Willen der Basis getroffen werden. Und ich kämpfe dagegen an, dass Frauen (erneut) von Männern zu deren Gunsten entmachtet werden. Es kann nicht sein, dass solch eine Richtungsentscheidung zum Postenschacher der Einzelinteressen wird", meint Spielmann. Jetzt müsse man gemeinsam mit aller Kraft für eine "andere - für eine grüne, linke und feministische - Politik, strukturelle Verbesserungen und eine Stärkung der Basisdemokraie kämpfen".

 

 

Ich sag‘s euch wie‘s ist: Meinen Start in die Arbeit im Wiener Gemeinderat hätte ich mir wirklich anders vorgestellt. In...

Gepostet von Viktoria Spielmann am Montag, 16. November 2020


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