Neues Gesetz

Jetzt beginnt das große Raucherchaos

Ab morgen gilt in Österreich das neue Tabakgesetz. In Lokalen über 50 Quadratmeter darf nur mehr in Extra-Räumen geraucht werden.

Leopold Hawelka ist 99. Geraucht hat er nie: „Selbst 80 Jahre Passivrauchen haben mich nicht umgebracht“, lächelt der Seniorchef des legendären Cafe Hawelka in Wien. Vom Rauchverbot hält der alte Herr nichts: „Ein Nichtraucher-Cafe ist eine Katastrophe, das Hawelka ohne Rauch ist zum Sterben verurteilt“, sagt er. Trotzdem gilt ab Donnerstag auch im Hawelka Rauchverbot . Umbauen kann man das Hawelka (78, 6 Quadratmeter) nämlich nicht. Eine Trennwand würde das gesamte Flair zerstören, ein Stück Wiener Kultur tot.

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Einziger Ausweg: Das Lokal müsste unter Denkmalschutz gestellt werden. Dann könnte weiter gepofelt werden. Zum Glück, sagt Leopold Hawelka, muss er diesen „Schwachsinn“ nicht mehr entscheiden. Das Lokal wird längst von Amir und Michael geführt, den Enkeln. Und die sagen: „Derzeit liegt ein Antrag bei der Bezirksvorstehung. Vielleicht wird das Hawelka doch unter Denkmalschutz gestellt“.

Bis eine Antwort kommt gilt für das Hawelka und tausende andere Lokale ab 1. Juli Rauchverbot – allerdings: kontrolliert wird das vom Staat kaum.

Österreichs Wirte sind größtenteils gerüstet
70.000 Lokale gibt es in Österreich. 48.000 davon sind unter 50 Quadratmeter. Sie trifft die Rauchverbot-Regelung nicht. Alle anderen mussten umbauen oder ein totales Rauchverbot verhängen. Wie im legendären „Cafe Ritter“ in Graz. Ab 1. Juli ist das Lokal (109m²) komplett rauchfrei“. Allerdings bloss während der Sommermonate. Im Herbst wird der neue Rauchersalon eröffnet. Dafür hat der Cafetier zusätzliche Räume gepachtet.

Ähnlich ist es im „Cafe Sperl“ in der Gumpendorferstraße in Wien. Junior-Chef Rainer Staub (40): „ Bei uns gilt ab sofort Rauchverbot. Ein Umbau hätte 40.000.- Euro gekostet unser Lokal zerstört.“. Staub rechnet mit einem Umsatzrückgang bis zu 30 %“.

Für einen Umbau entschied sich Christina Hummel, 33, vom „Cafe Hummel“ in der Wiener Josefstadt. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag lässt sie ihr Lokal durch eine Glaswand teilen: „6000.- Euro kostet mich das, ein Schwachsinn, aber ich ärgere mich nicht meh“.

Probleme dieser Art kennen die Betreiber des „U.Hof-Restaurants“ in Linz nicht. Das Lokal (400 m2) hat seit der Eröffnung eine strikte Trennung zwischen Nichtraucher und Raucherbereich. Zwei Drittel ist Nichtraucherbereich, tagsüber wird im ganzen Lokal nicht geraucht, was sehr gut angenommen wird.

Ganz ohne Tricks geht es aber schon jetzt nicht. Die Pizzeria „Napoli de Salvatore“ in Velden am Wörthersee ist 54 Quadratmeter groß. Der Wirt hätte somit einen Raucherraum einbauen müssen. Er löste das Problem anders: Er verkleinerte das Lokal einfach um fünf Quadratmeter. Damit darf in seinem Lokal weiter geraucht werden.

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