ÖSTERREICH-Interview

Kurz appelliert: "Nur aus drei Gründen aus dem Haus gehen"

Kanzler wird ab Montag selbst nur noch per Video kommunizieren. Was er noch plant.

Wien. Bundeskanzler Sebastian Kurz wird ab Montag selbst nur noch per Videokonferenz mit Medien und Bevölkerung kommunizieren. Österreich müsse jetzt auf „Notbetrieb“ heruntergefahren werden, um Leben zu retten und vielleicht nach Ostern die gesellschaftliche „Wiederauferstehung“ zu schaffen.

Um die gefährliche Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, plant Kurz noch weitere Maßnahmen – Supermärkte, Apotheken werden jedenfalls offen bleiben.
 
Sollte er selbst oder ein anderes Mitglied des Einsatzstabes erkranken, würde das gesamte Kanzleramt unter Quarantäne gestellt werden und alle dort bleiben und isoliert weiter arbeiten. Auch weitere Wirtschaftshilfspakete dürften kommen. Österreichweit werden 12.000 Krankenbetten beschafft.
 

Kurz appelliert: "Nur aus drei Gründen aus dem Haus gehen"

© APA/GEORG HOCHMUTH
Kurz
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ÖSTERREICH: Wann haben Sie das letzte Mal jemandem die Hand geschüttelt?
 
Sebastian Kurz: Ich habe in den vergangenen Tagen, die sehr lang waren, das Zeit­gefühl ein wenig verloren. Gefühlt habe ich sehr lang schon niemandem mehr die Hand gegeben und es ist eine Umstellung. Ich möchte noch einmal appellieren: ­Jeder soziale Kontakt ein Risiko für einen selbst, aber auch ein Risiko für die Familie, ganz besonders für die Eltern und Großeltern ist.
 
ÖSTERREICH: Wenn man sich umschaut, sieht man, dass viele ältere Menschen trotzdem auf Spielplätzen sind. Glauben Sie, dass der Ernst der Pandemie-Gefahr angekommen ist?
 
Kurz: Wir beobachten sehr genau, wie die Bevölkerung unsere Anordnungen mitträgt. Viele Menschen verstehen das Ausmaß der Gefahr. Und ich bin auch stolz auf sehr viele Österreicher, die jetzt auf unsere Eltern, Großeltern und Schwächeren Rücksicht nehmen und uns helfen. Es sollte jedem klar sein, dass dieses Virus sehr viel Leid, Krankheit und Tod für viele Menschen bedeutet. Wir müssen daher
Österreich auf den Notbetrieb ­herunterfahren. Je mehr wir uns alle daran halten, desto größer sind unsere Chancen, dass wir rascher unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben wieder aufnehmen können.
 
ÖSTERREICH: Ab Montag sind die Schulen zu. Es gibt Eltern, die jetzt sagen, sie müssten sich eine „Freizeitgestaltung“ für ihre Kinder überlegen. Was raten Sie für Freizeit­gestaltungen an?
 
Kurz: Keine! Ich bitte die Österreicher: Bleiben Sie zu Hause! Reduzieren Sie alles auf das Nötigste. Bleiben Sie zu Hause. Es gibt nur drei Gründe, hinaus zu gehen. Erstens, die Arbeit oder der unaufschiebbare Dienst. Zweitens, notwendige Besorgungen Drittens, andere Menschen zu unterstützen, die sich nicht selbst helfen können. Darüber hinaus gibt es keinen Grund, das Haus zu verlassen. Auch für diese Bereiche gilt: Geben Sie niemandem die Hand, halten Sie Abstand und bleiben Sie auf Distanz. Nicht, weil wir unsere Mitmenschen nicht gerne haben, sondern gerade weil wir sie gern haben. Wenn Sie rausgehen, dann halten Sie bitte Abstand zu anderen Menschen. Alle Menschen in unserem Land sind ein Team. Wenn wir alle Maßnahmen einhalten, dann schützen wir die Menschen und dann haben wir rascher die Chance gesellschaftlich und wirtschaftlich wieder aufzuerstehen.
 
ÖSTERREICH: Wir sind in der exponentiellen Steigerung sehr hoch. Hätte man diese Maßnahmen nicht alle schon vor zwei Wochen, als die Coronavirus-Krise in Italien ausbrach, machen sollen?

Kurz: Je früher man Maßnahmen setzt, desto besser. Aber wir sind in Europa eines von drei Ländern, das als Erstes sehr drastisch reagiert hat. Wir arbeiten seit Wochen gemeinsam mit dem Einsatzstab an allen möglichen Maßnahmen. Ich hoffe, dass wir mit dem Einhalten unserer Vorgaben diese Ausbreitung eindämmen oder zumindest verlangsamen können.
 
ÖSTERREICH: Ein Problem sind die Coronavirus-Tests und deren Kriterien – (nur wenn man in Italien, Iran, China war). Österreich ist selbst bereits Krisenregion. Es werden zu wenige getestet. Gibt es Pläne, für mehr Tests zu sorgen?
 
Kurz: Wir arbeiten unter Hochdruck daran Schnelltests zu bekommen mit denen wir dann viel mehr Menschen testen können.
 
ÖSTERREICH: Die jetzt gesetzten Maßnahmen könnten nicht ausreichen. Planen Sie weitere?
 
Kurz: Wir prüfen im Einsatzstab permanent, welche Maßnahmen nötig sind und werden alles nötige unternehmen, um Menschen zu schützen.
 
ÖSTERREICH: Gibt es auch Pläne, falls Sie oder jemand anderer aus dem Coronavirus-Einsatzstab an Covid-19 erkranken würden?
 
Kurz: Es gibt natürlich auch dafür Notfallpläne. Es ist sichergestellt, dass der Einsatzstab voll handlungsfähig weiterarbeiten kann. Besonders möchte ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die im
Gesundheitswesen, im Sicherheitsbereich in den Supermärkten, Drogerien und Apotheken arbeiten, meinen Dank aussprechen.
 
Interview: I. Daniel


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