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Anschlag in Wien

Kurz über Terroranschlag: ''Wir werden die Täter jagen"

Kurz wandte sich nach dem Anschlag in Wien an die Bevölkerung. 

Wien. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Dienstag angekündigt, dem Terrorismus nach dem Anschlag in Wien mit allen Mitteln entgegenzutreten. "Wir werden uns von Terroristen nicht einschüchtern lassen", sagte er in einer kurzen Ansprache. Gleichzeitig appellierte er, die von den Islamisten angestrebte Spaltung der Gesellschaft nicht zuzulassen: "Wir werden diesem Hass keinen Raum geben." Der Feind sei der islamische Extremismus, nicht alle Angehörigen einer ganzen Religion.

"Wir werden die Opfer des gestrigen Abends nie vergessen und wir werden gemeinsam, entschlossen unsere Grundwerte verteidigen", sagte Kurz und erinnerte an die bisher vier Todesopfer, die 14 Verletzten und den verwundeten Polizisten. Ein älterer Herr, eine ältere Dame, ein junger Passant und eine Kellnerin seien durch den Anschlag "aus dem Leben gerissen" worden.
 
"Auch wenn wir das Glück haben, in einem grundsätzlich sicheren Land zu leben, leben wir leider nicht in einer sicheren Welt", meinte der Bundeskanzler. Der Anschlag sei von "Hass auf unsere Lebensmodell" und "Hass auf unsere Grundwerte" getragen. Man werde nun Täter und Hintermänner jagen und einer gerechten Strafe zuführen.
 
Allerdings sei dies keine Auseinandersetzung zwischen Christen und Muslimen, sondern: "Es ist ein Kampf zwischen den vielen Menschen, die an den Frieden glauben und jenen wenigen, die sich den Krieg wünschen." Diesen "Kampf zwischen Zivilisation und Barbarei" werde man gemeinsam mit den internationalen Partnern mit aller Entschlossenheit führen. Außerdem kündigte Kurz eine (auch von der Opposition beantragte) Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates an, diese findet am morgigen Mittwoch um 16.00 Uhr statt

Ansprache Kurz über den Terroranschlag, 2.11.2020

"Sehr geehrte Damen und Herren!

Tief betroffen wende ich mich an Sie
in dieser dunklen Stunde für unsere Republik.
Unsere Republik Österreich und unsere Bevölkerung 
wurden gestern Ziel eines brutalen
Terroranschlags.

Vier wehrlose Zivilisten
wurden aus nächster Nähe kaltblütig ermordet. 
Ein älterer Herr, eine ältere Dame, 
ein junger Passant und eine Kellnerin,  
wurden plötzlich und unerwartet 
aus dem Leben gerissen.
Ein Exekutivbeamter, 
der sich mutig dem Täter entgegengestellt hat, 
wurde niedergeschossen und verwundet.
Insgesamt wurden 14 weitere Menschen
zum Teil schwer verletzt
und einige ringen nach wie vor um ihr Leben.

Unser Mitgefühl
gilt den Hinterbliebenen der Opfer
und all jenen unschuldigen Menschen,
die durch dieses Attentat
schwere körperliche und seelische Wunden
davongetragen haben.

Oft sehen wir uns in Österreich
als eine Insel der Seligen,
in der man Gewalt und Terror 
vor allem aus dem Ausland kennt. 

Aber die traurige Wahrheit ist:
Auch wenn wir das Glück haben,
in einem grundsätzlich sicheren Land zu leben,
leben wir leider nicht in einer sicheren Welt.


Es hat sich mittlerweile bestätigt,
dass es sich bei diesem Anschlag eindeutig
um einen islamistischen Terroranschlag handelt.

Es war ein Anschlag aus Hass.
Aus Hass auf unsere Grundwerte.
Aus Hass auf unser Lebensmodell.
Aus Hass auf unsere Demokratie,
in der alle Menschen 
an Rechten und Würde gleich sind.

Die gestrige Nacht wird daher auf tragische Weise
in unsere Geschichte eingehen.
Als eine Nacht in der einige unserer Mitmenschen
einem brutalen Anschlag 
zum Opfer fielen.
Einem Anschlag, 
der in Wahrheit uns allen galt. 
Einem Anschlag
auf unsere freie Gesellschaft.



Aber klar ist: 
Wir werden uns von Terroristen
nicht einschüchtern lassen.

Wir werden unsere Grundwerte,
unser Lebensmodell 
und unsere Demokratie 
mit aller Kraft verteidigen.
Mit aller Entschlossenheit und ohne Kompromisse.

Wir werden Täter, Hintermänner 
und deren Gleichgesinnte ausforschen, jagen
und ihrer gerechten Strafe zuführen.
Wir werden alle, 
die etwas mit dieser Schandtat zu tun haben,
mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln 
verfolgen.
Aber eines werden wir nicht tun:
Wir werden nicht in die Falle tappen.

Wir müssen und werden dem Terrorismus 
mit aller Entschlossenheit entgegentreten.
Aber wir dürfen das wesentliche 
nicht aus den Augen verlieren.

Unser Feind,
der islamistische Extremismus,
der sich gegen alle unsere Werte 
und gegen unsere Verfassung richtet,
möchte nicht nur Tod und Leid verursachen –
er möchte auch
unsere Gesellschaft spalten.

Und das werden wir nicht zulassen.

Wir werden ihrem Hass keinen Raum geben.
Denn unser Feind,
das sind niemals alle Angehörigen 
einer ganzen Religion.
Unser Feind, 
das sind niemals alle Menschen, 
die aus einem bestimmten Land stammen.
Nein, 
unser Feind, 
das sind die Extremisten und Terroristen.

Sie haben in unserer Gesellschaft nichts verloren.

Denn in unserer freien Gesellschaft 
darf es keine Toleranz für die Intoleranz geben.

Aber es muss uns stets bewusst sein,
dass dies keine Auseinandersetzung 
zwischen Christen und Muslimen
oder zwischen Österreichern und Migranten ist.

Nein, dies ist ein Kampf 
zwischen den vielen Menschen,
die an den Frieden glauben, 
und jenen wenigen, 
die sich den Krieg wünschen.

Es ist ein Kampf zwischen Zivilisation und Barbarei,
den wir immer entschlossen führen werden.
Sehr geehrte Damen und Herren!

So betroffen uns die Ereignisse 
der gestrigen Nacht auch machen,
so dankbar dürfen wir sein
für die Solidarität und das Miteinander, 
die in diesen schweren Stunden
zum Vorschein kamen.

Unser Dank
gilt den Sicherheitskräften und der Rettung,
die in dieser Nacht teilweise 
unter dem Einsatz ihres eigenen Lebens
für unsere Sicherheit gesorgt haben.

Unser Dank gilt auch all jenen Menschen,
die sich durch Mut und Zivilcourage 
ausgezeichnet haben
und anderen – oft Verletzten –
in der Not geholfen haben.
Unser Dank gilt allen, die Videos 
auf die Plattform der Polizei hochgeladen haben
und damit die Ermittlungsarbeit unterstützen. 
Und unser Dank gilt auch 
unseren internationalen Partnern,
die noch gestern Nacht ihre Solidarität
und ihre Zusammenarbeit im Kampf 
gegen den Terrorismus zugesichert haben.
Von Emmanuel Macron aus Frankreich
bis Jacinda Ardern aus Neuseeland
haben unzählige unserer europäischen 
und internationalen Partner
mir und uns noch gestern Nacht 
ihre Solidarität ausgesprochen.
Mit ihnen allen
sind wir im Austausch,
um diesen Kampf gegen den Extremismus
gemeinsam zu führen.

Geeint durch Rechtsstaatlichkeit und 
unsere liberale Demokratie
stehen wir Seite an Seite,
um unseren Frieden und unsere Sicherheit 
zu verteidigen.
In Österreich, in der EU
und auf der ganzen Welt.
Ich habe den Innenminister gebeten,
mit allen verfügbaren Kräften
an der Aufklärung dieses Anschlags zu arbeiten.

Das österreichische Bundesheer 
hat den Objektschutz vollständig übernommen, 
damit die Polizei alle ihre Kräfte 
für die Ermittlungsarbeit bündeln kann.

Wir haben auch 
den Nationalen Sicherheitsrat einberufen,
um mit allen relevanten Stellen der Republik
die aktuelle Lage und nächste Schritte zu beraten.

Gemeinsam mit dem Bundespräsidenten
und Vertretern aller Parlamentsparteien
werden wir heute den Opfern des Anschlags 
gedenken.
Und ich lade Sie ein,
um 12 Uhr an einer landesweiten Gedenkminute
teilzunehmen.
Unser Gedenken an die Opfer sei uns
eine Erinnerung an die Würde 
jedes einzelnen Menschen, 
die wir gemeinsam verteidigen werden.

Vielen Dank."
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