Gerald Grosz

ORF gehört privatisiert

Ein Kommentar von Gerald Grosz.

Der Skandal rund um den ehemaligen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann ist kein Ausrutscher – er ist ein Symptom. Ein Symptom eines Systems, das seit Jahrzehnten politisch durchsetzt ist wie ein alter Wiener Schwamm: vollgesogen mit roter und schwarzer Parteiluft.

Der ORF versteht sich gern als moralische Instanz der Republik. In Wahrheit ist er längst das journalistische Gut Aiderbichl für abgehalfterte Parteifunktionäre, die im politischen Betrieb nicht mehr gebraucht werden. Versorgung statt Kontrolle. Haltung statt Journalismus. Das eigentlich Absurde daran: Dieses System wird nicht freiwillig finanziert. Es wird verordnet. Monat für Monat, per Gesetz, aus den Taschen der Bürger.

Im Jahr 2026 wirkt das wie ein Relikt aus der politischen Steinzeit. Während Medien weltweit im Wettbewerb um Glaubwürdigkeit und Publikum stehen, lebt der ORF weiterhin in einer geschützten Gebühren-Biosphäre. Der Weißmann-Skandal ist deshalb mehr als eine Personalposse. Er ist ein Weckruf. Wer den ORF wirklich entpolitisieren will, muss ihn dem Wettbewerb aussetzen. Keine Parteienproporze, keine Zwangsgebühren, keine politische Komfortzone. Die logische Konsequenz ist daher schlicht: Privatisierung.

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