Nach dem Korruptionsindex von Transparency International (TI) ist die wahrgenommene Korruption in Österreich 2025 leicht zurückgegangen.
Mit 69 von 100 Punkten landete Österreich immerhin auf dem 21. Platz nach dem Tiefpunkt mit 67 Punkten und Platz 25 im Vorjahr. Allerdings zählt Österreich im langjährigen Vergleich weiterhin zu den Absteigern in Sachen Korruption, eine nachhaltige Stabilisierung zeichnet sich laut TI nicht ab. Das "sauberste" Land ist weiterhin Dänemark.
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Ausschlaggebend für die leichte Verbesserung waren laut der Vorstandsvorsitzenden von "TI-Austria", Bettina Knötzl, verschiedene Faktoren. Als "Meilenstein" gelte die Abschaffung des Amtsgeheimnisses und das Informationsfreiheitsgesetz, dessen Erfolg aber von der proaktiven Veröffentlichung von und Zugang zu staatlichen Informationen abhängig sein werde. Ebenfalls positiv ausgewirkt hätten sich die sichtbare Verfolgung von Korruption, besserer Schutz für Hinweisgeberinnen und -geber und die politischen Bemühungen, eine weisungsfreie Spitze für die Staatsanwaltschaften einzuführen. Diese Bereiche müssten nach der Ansicht von TI-Austria allesamt weiterhin forciert werden.
Korruption als "strukturelles Problem"
Entwarnung geben will Knötzl trotzdem nicht, auch wenn es sich um "ein positives Signal" handle. Denn Korruption sei in Österreich weiterhin ein "strukturelles Problem, das wirtschaftliche Entwicklung bremst und Vertrauen in staatliche Institutionen untergräbt." Seit 2019 büßte Österreich acht Punkte und neun Plätze im Ranking ein und verbleibt daher in der Gruppe der "Absteiger". Ein Negativtrend zeichnet sich auch unter den 27 EU-Mitgliedsstaaten und weiteren vier westeuropäischen Ländern ab. Lag der durchschnittliche Wert der Region viele Jahre bei 66 Punkten, stagniert der Durchschnitt seit 2024 bei 64 Punkten.
An der Spitze des internationalen Rankings liegt seit acht Jahren das skandinavische EU-Mitglied Dänemark mit 89 Punkten. Dahinter folgen Finnland, Singapur, Hongkong und Norwegen mit jeweils über 80 Punkten. Ebenfalls in den Top 10 finden sich mit Schweden, der Schweiz, Luxemburg, den Niederlanden und Deutschland fünf weitere europäische Länder. Im EU-Vergleich liegt Österreich im ersten Drittel auf Platz neun. EU-Schlusslicht ist auch dieses Mal wieder Ungarn mit 40 Punkten - international der 88. Platz. Unter den insgesamt 182 bewerteten Ländern teilen sich Somalia und Südsudan den letzten Platz.
Jährliches Ranking
Um Korruption zu verhindern, fordert TI-Austria Aufklärung an verschiedenen Fronten. Mehr Schulungen für Politikerinnen und Politiker genauso wie mehr ethische Bildung an Schulen sollen für Bewusstseinsbildung sorgen. Gerade in Zeiten wachsender politischer Polarisierung, geopolitischer Spannungen und zunehmender demokratischer Belastungen" seien Institutionen und Integritätsstandards "besonders gefordert".
Mit der jährlich veröffentlichten Rangliste wird die Wahrnehmung von Korruption im öffentlichen Sektor durch Expertinnen und Experten bzw. Geschäftsleute in über 180 Ländern bewertet. Datenquellen sind 12 Institutionen, wie etwa die Bertelsmann Stiftung oder das Weltwirtschaftsforum. Der Index, der sich auf die vergangenen zwei Jahre bezieht, erfasst diverse Formen von Korruption - zum Beispiel Bestechung, Zweckentfremdung öffentlicher Gelder oder Nepotismus im öffentlichen Dienst. Auch Maßnahmen zur Verhinderung von Korruption fließen in die Bewertung mit ein. Ein Wert von 0 Punkten steht für ein hohes Maß an wahrgenommener Korruption, der Höchstwert von 100 Punkten bedeutet, dass keine Korruption wahrgenommen wird.