Kürzungen und KI

Oh nein, Latein! Schul-Wirbel im Parlament

NEOS verteidigten in "Aktueller Stunde" Vorschlag für Lehrplanreform. Sie wollen mehr Platz für KI schaffen. Koalitionspartner verhandlungsbereit, Opposition gar nicht zufrieden.

Die NEOS haben am Mittwoch im Nationalrat ihre Pläne für eine Lehrplanreform verteidigt. Die Gesellschaft habe sich verändert, es brauche heute andere Kompetenzen als noch vor 30 Jahren, betonte der pinke Bildungsminister Christoph Wiederkehr in der "Aktuellen Stunde" am Beginn der Sitzung. Mit seinem Vorhaben, zugunsten von KI und Informatik bei Latein und der zweiten lebenden Fremdsprache an der AHS-Oberstufe zu kürzen, war Wiederkehr zuvor auf Widerstand gestoßen.

Es gehe nicht darum, die humanistische Bildung zu verändern, sondern zu aktualisieren, meinte der Bildungsminister. "Das Ziel des Humanismus war immer, den Menschen zu befähigen, sich in seiner Umgebung zurechtzufinden", heute gebe es "andere Themen als noch vor 30 Jahren". Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen brauche es zwar weiterhin. Im 21. Jahrhundert müssten Schülerinnen und Schüler aber auch Kritik-, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit erlernen. Um Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler nicht zu überfordern, müsse etwas reduziert werden, wenn etwas Neues hinzukomme.

Romana Deckenbacher (ÖVP), Ernst Gödl (ÖVP) und Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS)

Romana Deckenbacher (ÖVP), Ernst Gödl (ÖVP) und Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS)  

© APA/ROLAND SCHLAGER

Koalitionspartner wollen reden

Die Koalitionspartner ÖVP und SPÖ hatten sich zuvor skeptisch gezeigt, Wiederkehr hatte deshalb angekündigt, in einem Gespräch Anfang März "Missverständnisse ausräumen" zu wollen. Man müsse überlegen, ob die Inhalte der Lehrpläne noch zeitgemäß seien, sagte ÖVP-Bildungssprecher Nico Marchetti am Mittwoch. Um zu wissen, wie Digitalisierung und KI funktionieren, sei aber eine gute Allgemeinbildung sowie sprachliche Bildung wichtig, betonte er zugleich. Man wolle nun "gemeinsam verhandeln, was das Beste ist", und Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter, Experten sowie die politischen Parteien einbeziehen.

Eine gute Reform müsse mehr Chancengerechtigkeit bringen, sagte SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer. Es gehe nicht darum, welche Ideologie am Ende gewinnt. Die Diskussion, wie Lehrpläne aussehen, müsse man länger führen. Unterschiedliche Schwerpunkte sollen sich auch in Zukunft in den Lehrplänen wiederfinden.

FPÖ ortet "Trümmerhaufen", Grüne bloße Ankündigungen

FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl kritisierte die "Aktuelle Stunde" als "einzige pinke PR-Show", die NEOS würden einen "Trümmerhaufen" in der Bildungspolitik produzieren. "Wer Latein abwertet, handelt fahrlässig gegenüber unseren Kindern", meinte er. Um KI zu verstehen, brauche es analytische Tiefe, wie sie im Lateinunterricht vermittelt werde. Wiederkehr würde "mehr oder weniger im Alleingang" entscheiden, Expertenmeinungen sowie die Sorgen der Eltern ignorieren und Bildungseinrichtungen sowie die Wirtschaft nicht einbinden, warf er dem Minister vor.

Mehr KI und weniger Latein an Schulen "klingt doch gut", meinte hingegen die stellvertretende Klubobfrau der Grünen, Sigrid Maurer. Es bleibe allerdings bei Ankündigungen, monierte sie. Wiederkehr würde Dinge ankündigen, nur um dann vom Koalitionspartner gesagt zu bekommen, dass diese nicht abgesprochen sind. Vor allem die ÖVP "in enger Umklammerung der Lehrergewerkschaft" ist für sie "Weltmeister der Blockade".

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