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Tirol-Wahl lässt ÖVP zittern

Samstagabend – wenige Stunden bevor die ersten Wahllokale in Tirol öffnen sollten – machte in mehreren Parteien ein brisantes Gerücht die Runde.

Sollte die ÖVP den magischen Dreier – also über 30 Prozent – schaffen, solle VP-Spitzenkandidat Anton Mattle „so rasch wie möglich eine Koalition unter Dach und Fach bringen“. Sowohl SPÖ, als auch FPÖ und Liste Fritz würden dieses Ansinnen ablehnen. Die Liste Fritz – die sich einst von der ÖVP abgespaltet hat – lehnt eine Koalition mit den Schwarzen generell ab. SPÖ und FPÖ würden zwar eine Politehe mit der krisengeschüttelten ÖVP anstreben, aber nicht unter Zeitdruck. Sie wollen sich eine mutmaßliche Zusammenarbeit teuer erkaufen. Ein Remake von Schwarz-Grün dürfte sich in Tirol nach dem heutigen Wahlsonntag nicht mehr ausgehen.

Fix ist derzeit nur, dass der ÖVP eine historische Wahlniederlage bevor steht. Wichtig ist für sie nur noch, zumindest knapp über 30 Prozent zu liegen. Sollten die einst allmächtigen Schwarzen im „heiligen Land“ selbst unter diese Marke rutschen, würde es auch für die Bundes-ÖVP und die Regierung ungemütlich. Die Tiroler würden dem „Gegenwind aus Wien“ die Schuld geben. Wahlkämpfende Landeshauptleute wie Johanna Mikl-Leitner könnte Konsequenzen vor ihrer Landtagswahl fordern. Sollte die ÖVP „nur“ 13 Prozent einbüßen – das letzte Mal erhielt sie 44 Prozent – würde versucht werden auf Business as usual zu spielen.

Entscheidend sei, dass „wir den Landeshauptmann behalten“, sagt ein VP-Stratege.

Erstmals seit 77 Jahren sei schließlich eine Mehrheit gegen die ÖVP möglich. Die Frage sei nun, ob die SPÖ mit Georg Dornauer Nummer zwei werde oder die FPÖ von Markus Abwerzger. Die beiden Parteien liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Liste Fritz, Neos und Grüne könnten Dornauer, nicht aber Abwerzger stützen. Kommt es in Tirol nach 77 Jahren zu einem roten Landeshauptmann? Allen Parteien steht heute eine Zitterpartie bevor.