Bildung

Koalitionskrach um Lehrplan: Wiederkehr lädt zur Aussprache

Bildungsminister Christoph Wiederkehr will etwaige "Missverständnisse ausräumen" und gemeinsam an Umsetzung von Reformen weiterarbeiten.

Wien. Die Pläne von NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr für eine Reform der Lehrpläne und Pilotversuche zur sechsjährigen Volksschule haben beim Koalitionspartner ÖVP in den vergangenen Wochen für gehörige Verstimmung gesorgt. Es seien Vorschläge ohne "vernünftige Substanz", hatte Generalsekretär Nico Marchetti gegenüber der APA kritisiert. Bei einem Gespräch mit Marchetti und SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer Anfang März will Wiederkehr nun "Missverständnisse ausräumen".

In der Volkspartei stößt man sich vor allem an den Ideen für die AHS-Oberstufe. Wiederkehr will hier den Unterricht zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz, Demokratie- und Medienbildung ausbauen und im Gegenzug bei Latein und der zweiten lebenden Fremdsprache Stunden kürzen. Auch er sei dafür, Themen wie KI intensiver zu behandeln, betonte Bildungssprecher Marchetti zuletzt. Sie in ein einzelnes Fach zu pressen, sei aber ein "sehr gestriger Ansatz" und in Zeiten von KI und ChatGPT brauche es eigentlich mehr humanistische Bildung und nicht weniger. Gerade bei sensiblen Themen wie den Lehrplänen gehe es außerdem um Details. Er kenne aber weder konkrete Unterlagen, noch habe es Verhandlungen über die geplante Reform gegeben.

Planungsstand soll auf den Tisch

Bei einem Treffen in zwei Wochen will Wiederkehr nun die Wogen glätten. Der aktuelle Planungsstand soll auf den Tisch gelegt und mit den Bildungssprechern der Koalitionspartner diskutiert werden, hieß es aus dem Ministerbüro auf APA-Anfrage. Hauptanliegen sei es, "Missverständnisse auszuräumen, um schnell wieder gemeinsam an der Umsetzung von Reformen weiterarbeiten zu können".

Inhaltlich ist Wiederkehr weiterhin von seinen Plänen überzeugt. Auf die entsprechenden Schwerpunkte hätten sich die drei Koalitionsparteien außerdem im Regierungsprogramm verständigt, wurde betont. Es habe bisher auch noch keine alternativen Vorschläge gegeben, wo in der AHS-Oberstufe anstelle von Latein und der zweiten lebenden Fremdsprache gekürzt werden könnte. Klar sei nämlich, dass die zusätzlichen Stunden - eine für den um das KI-Thema erweiterten Informatikunterricht und zwei für das komplett neue Fach "Medien und Demokratie" - nicht zusätzlich im Stundenplan aufgenommen werden sollen. Schließlich könne man die Schülerinnen und Schüler nicht noch mehr belasten.

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