Überblick

Vier Jahre Ukraine-Krieg - Zehntausende Ukrainer in den Bundesländern

Ukrainische Flüchtlinge haben in Österreich ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht (bis zumindest März 2027). 

Wien. Laut UNO-Flüchtlingshilfe befinden sich aufgrund des russischen Angriffskrieg weltweit rund 5,9 Mio. ukrainischer Staatsbürger auf der Flucht. In Österreich leben mehrere Zehntausend davon. Ukrainische Flüchtlinge haben in Österreich ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht (bis zumindest März 2027). Der vorübergehende Schutz stellt auch den Zugang zu Arbeitsmarkt, Bildung und medizinischer Versorgung sicher. Die APA bietet einen Überblick über die Situation in den Bundesländern:

Zu Beginn des Krieges - konkret mit Monatsende März 2022 - befanden sich in der Bundeshauptstadt Wien 5.495 Ukrainer in der Grundversorgung. Zum Jahreswechsel 2022/2023 wurde der Höchststand an Vertriebenen mit 23.518 Personen erreicht, wie das Büro des zuständigen Stadtrats Peter Hacker (SPÖ) der APA mitteilte. Aktuell werden 10.202 Menschen aus dem Land in der Grundversorgung unterstützt. Schon ab dem Frühjahr 2022 wurden von der Stadt und von Bundesseite Erstaufnahmezentren errichtet. In den beiden Ankunftszentren der Stadt - Althanstraße und Schlossberg - wurden seit Kriegsbeginn insgesamt rund 12.000 Personen versorgt. Für das Zentrum Schlossberg gibt es inzwischen einen Aufnahmestopp. Die dort noch aufhältigen Leute werden laut Hacker-Büro kontinuierlich abgesiedelt.

Aufgrund der rückläufigen Zahl der Vertriebenen in der Grundversorgung - und auch der Übererfüllung der Quote, wie man betont - werden aktuell keine zusätzlichen organisierten Unterkünfte für Ukrainer in Wien zur Verfügung gestellt. Der Fokus liege auf der Vermittlung der Personen in die Bundesländer. Der Großteil kommt in Wien nach wie vor privat unter. Aktuell wohnen von den rund 10.000 Betroffenen 6.873 in Privatwohnungen.

13.600 Ukrainer in Niederösterreich

In Niederösterreich zeigt sich ein differenziertes Bild. Die Zahl der Ukrainer mit Hauptwohnsitz im Bundesland ist mit Stand Februar im Jahresvergleich von 12.950 auf 13.600 gestiegen. Ein Minus von 7.900 auf rund 6.400 gab es laut Angaben aus dem Büro von Landesrat Martin Antauer (FPÖ) hingegen bei den Ukrainern in der Grundversorgung. Hier bleiben die wegen des russischen Angriffskriegs Geflüchteten weiterhin auch die größte Gruppe, insgesamt sind etwa 7.400 Menschen in der Grundversorgung. Rund 3.640 Ukrainer leben in privater, individueller Unterbringung. 2.760 sind es in organisierten Quartieren, von denen es im gesamten Landesgebiet 377 Standorte mit zwei bis 60 Plätzen gibt.

Seit Beginn des Krieges habe das Land Oberösterreich mehr als 15.000 Geflüchtete aus der Ukraine versorgt, teilte das Büro von Integrationslandesrat Christian Dörfel (ÖVP) auf Anfrage mit. Mit Stichtag 15. Jänner waren laut Zentralem Melderegister 8.636 Ukrainer in Oberösterreich gemeldet, darunter 1.070 Kinder unter 15 Jahren. Von den Aufgenommenen "befinden sich 1.907 Personen in der oberösterreichischen Grundversorgung", hieß es weiter. Die Zahlen blieben seit Monaten stabil, man rechne derzeit mit keinem nennenswerten Anstieg bei den Ankünften. Die in Oberösterreich lebenden Vertriebenen hätten sich gut eingelebt, die Integrations- und Arbeitsmarktoffensive des Landes hätte gegriffen. "Heute sind rund 80 Prozent der bei uns lebenden Ukrainerinnen und Ukrainer selbsterhaltungsfähig - so viele wie in keinem anderen Bundesland", hielt Dörfel fest.

Positive Integrationssignale im Westen

Im Bundesland Salzburg hielten sich Anfang Februar 3.999 Vertriebene aus der Ukraine auf. Über 70 Prozent von ihnen befanden sich nicht in der Grundversorgung, sondern sorgten selbst für ihren Lebensunterhalt. Das sei ein positives Integrationssignal, sagt Anton Holzer, der Asyl-Beauftragte des Landes. Die Bereitschaft, Deutsch zu lernen, hänge zwar vom Alter und der persönlichen Lebensperspektive ab. Insgesamt sei jedoch ein grundsätzliches Bemühen um Spracherwerb erkennbar. Auch die Integration in den Arbeitsmarkt verlaufe erfolgreich, berichtete Julia Kröll, Landesgeschäftsführerin des AMS Salzburg. Die Zahl der unselbstständig beschäftigten Ukrainer stieg von 2024 auf 2025 um fast 20 Prozent. Besonders gefragt sind sie in den Branchen Beherbergung und Gastronomie und im Handel. Die Zahl der Ukrainer in der Grundversorgung - zuletzt 1.168 Personen - sinkt. Zu Monatsanfang lag sie um gut elf Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Der Höchststand in Salzburg wurde im Juli 2022, vier Monate nach Kriegsausbruch, mit 2.684 Personen erreicht.

In Tirol hat sich die Zahl der Ukrainer, die Grundversorgung beziehen, seit Beginn des Kriegs deutlich reduziert. Während im Jahr 2022 noch 3.130 Menschen diese Form der Unterstützung brauchten, waren es Ende 2025 nur mehr 971. Das Land Tirol nahm dies als Hinweis für eine funktionierende Integration. Dies zeige sich auch bei den Jüngsten: "Die Familien haben sich in Tirol gut eingelebt, und auch die Kinder finden sich im Tiroler Schulsystem zunehmend sicher zurecht", zog man auf APA-Anfrage auch mit Blick auf den Spracherwerb positive Bilanz. Zudem lebe ein Großteil in privaten Unterkünften, 50 freie Plätze würden beim Land Tirol für Vertriebene momentan zur Verfügung stehen. Insgesamt wurden in Tirol 5.300 Kriegsvertriebene aufgenommen. "Auch weiterhin können sich schutzbedürftige Ukrainer auf die Unterstützung des Landes Tirol verlassen", betonte der für Integrationsagenden zuständige Landeshauptmannstellvertreter Philip Wohlgemuth (SPÖ).

Die Flüchtlingshilfe der Caritas Vorarlberg betreut im Auftrag der Landesregierung aktuell 858 Personen. Diese Zahl sei relativ konstant und sinke nur sehr langsam, hieß es auf APA-Anfrage. Der Höchststand war im April 2023 - mit einem Monatsdurchschnitt von 1048 Personen - erreicht worden. Von der Flüchtlingshilfe wird aber lediglich etwa ein Drittel der ukrainischen Kriegsflüchtlinge betreut, die aktuell in Vorarlberg wohnen. "Ungefähr zwei Drittel leben privat. Davon sind viele erwerbstätig und erhalten sich selbst", so Michael Rünzler von der Caritas Flüchtlingshilfe. Den Integrationswillen der Vertriebenen erkannte Rünzler als "sehr hoch", er vermutete, dass viele auch nach Kriegsende wohl bleiben wollten.

Stabile Zahlen im Burgenland und in Kärnten

Die größte Gruppe in der Grundversorgung stellen in der Steiermark aktuell die Ukrainer, über drei Viertel der Betreuten. Das waren im Jänner 2026 gesamt rund 6.500 Personen, davon rund 5.500 Geflüchtete aus der Ukraine. Etwa die Hälfte davon hält sich im Großraum Graz auf. Das Ankunftszentrum für geflüchtete Menschen aus der Ukraine am Gelände der Grazer Messe war bereits mit 15. September 2022 aufgelassen worden. Schon damals war die Anzahl der ankommenden Ukrainer stark zurückgegangen. In den ersten Kriegsmonaten waren hier 7.782 Geflüchtete aus der Ukraine erfasst, registriert und versorgt worden. Auf die ukrainischen Vertriebenen kommt 2026 in der Steiermark eine Neuerung zu: Nach der Pilotphase bei der Einführung der Bezahlkarte sollen ab April auch die ukrainischen Flüchtlinge Schritt für Schritt in das System eingebunden werden und die Sachleistungskarte erhalten.

Die Anzahl der Ukraine-Vertriebenen in der Grundversorgung in Kärnten ist zuletzt stabil geblieben, so viele wie in früheren Kriegsjahren sind es aber nicht mehr. Nach Auskunft des Landes waren es im Jänner-Vergleich 2023 1.300 Ukrainer, 2024 dann rund 1.000 und 2025 noch 870. Auf diesem Niveau lag man auch heuer. Bisher sind 2026 30 neue Vertriebene angekommen, 25 davon sind in private Unterkünfte gezogen, fünf sind noch in Grundversorgungsquartieren. Rund zwei Drittel der Vertriebenen in der Grundversorgung leben in privaten Unterkünften. In Landesunterkünften gibt es noch freie Kapazitäten, allerdings keine großen Reserven. Neue Grundversorgungsunterkünfte, auch abseits Vertriebener, werden kaum angeboten. Man bemühe sich, vorhandene Standorte trotz Teuerung zu halten, hieß es. Wie viele Menschen aus der Ukraine ohne Bedarf an Grundversorgung im Land aufhältig sind, war den lokalen Behörden nicht bekannt.

Im Burgenland lebten mit Stand Anfang Februar 1.334 Vertriebene aus der Ukraine. 1.043 von ihnen waren organisiert untergebracht und 291 privat, teilte das Land auf APA-Anfrage mit. Die Anzahl der Vertriebenen bleibe seit Mitte 2025 in etwa gleich. Die Kapazitäten bei Versorgung und Unterbringung seien ausreichend, auch Reserven seien noch vorhanden, hieß es.

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