Schallenberg: ''Es ist kein Reiseverbot, sondern Appell für die Sicherheit''

Außenminister im Interview

Schallenberg: ''Es ist kein Reiseverbot, sondern Appell für die Sicherheit''

Im oe24-Interview erklärt Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) die Reisewarnung für Kroatien und Co. und mahnt: "Dürfen hohes Maß an Selbstdisziplin nicht über Bord werfen."

oe24.at: Warum kam jetzt die Reisewarnung für Kroatien?
 

Alexander Schallenberg: Reisewarnungen beruhen auf Empfehlungen der Experten des Außenministeriums, Gesundheitsministeriums und des Bundeskanzleramts, die laufend zusammensitzen und sich alle Regionen und Länder anschauen. Natürlich auch genauer jene Länder in denen sich viele Österreicher aufhalten. Und dazu gehört eben auch Kroatien. Die Expertenempfehlung war dann schlussendlich das ganze Staatsgebiet unter Reisewarnung zu stellen und nicht nur einzelne Regionen. Das hat zum einen mit den Entwicklungen dort zu tun, die auch nicht nur auf eine Region beschränkt sind. Das hat aber auch damit zu tun, dass die Österreicher sehr mobil sind. Die meisten fahren mit dem eigenen Pkw herum oder haben ein Boot und fahren verschiedene Häfen an. Ich bin mir bewusst, was das für Schwierigkeiten macht. Ich bin mir bewusst, dass Kroatien ein wunderbares Urlaubsland ist, das viele Österreicher lieben. Aber ich muss daran erinnern, dass wir seit April gesagt haben, dass man sich ganz genau überlegen soll, ob und wohin man fährt, weil wir sind noch in der Krise. Das Virus ist noch unter uns.
 
oe24.at: Gab es eine Reaktion von ihrem kroatischen Amtskollegen?
 
Schallenberg: Ich habe selbstverständlich gestern schon mit dem kroatischen Außenminister telefoniert, bevor wir diese Reisewarnung bekannt gemacht haben. Das ist, glaube ich, zwischen befreundeten Staaten ein Muss. Er war natürlich nicht erfreut, hat es aber zur Kenntnis genommen. Wir müssen einfach wissen: der Sommer 2020 ist kein normaler Sommer und wird es auch nicht mehr werden.
 
oe24.at: Warum nur Kroatien und nicht etwa auch die Balearen?
 
Schallenberg: Ich kann noch nicht ausschließen, dass es weitere Reisewarnungen gibt. Auf den Balearen zum Beispiel gibt es eine besorgniserregende Entwicklung. Und ich kann nicht ausschließen, dass hier bald eine Empfehlung auf meinen Schreibtisch kommt, eine Reisewarnung auszusprechen. Es gibt aber auch positive Fälle. Ich könnte mir vorstellen, dass wir in Portugal die Reisewarnung bald wieder aufheben. Das ist ein laufender Prozess. Die Pandemie ist nicht vorbei. Das Virus ist nicht auf Urlaub. Und daher müssen wir aus Vorsicht solche Warnungen herausgeben.
 
oe24.at: Welche Länder beobachtet man derzeit ganz genau?
 
Schallenberg: Auf dem Fokus stehen sicher die europäischen Staaten und dort derzeit jene, von denen wir wissen, dass Österreicher dort gerne in größeren Gruppen hinfahren. Mir ist wichtig: Das ist keine Reiseverbot. Das ist eine Reisewarnung. Es ist ein Appell für die eigene Sicherheit, aber auch für die Sicherheit des Umfeldes. Es geht weniger um Kontrolle und Bestrafung, sondern darum, dass wir uns alle vor Augen führen, dass wir eigentlich noch mitten in dieser Krise stecken und dieses hohe Maß an Selbstdisziplin und Hausverstand, das die Österreicherinnen und Österreicher früher auch schon gezeigt haben, jetzt im Sommer nicht vergessen und über Bord werfen.
 
 
oe24.at: Sind Grenzschließungen, wie zu Zeiten des Lockdowns, noch eine Option?
 
Schallenberg: Das ist natürlich eine Entscheidung, die ist mit dem Bundeskanzler, Innenminister und dem Gesundheitsminister zu treffen. Momentan aber nicht. Worum es derzeit geht, ist die Menschen daran zu erinnern, dass dieser Sommer kein normaler Sommer ist und dass wir doch weiterhin mit Reisewarnungen arbeiten.
 

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