Zumtobel schiebe die Verantwortung "stets anderen zu, anstatt zuzugeben, überfordert zu sein", zog Seilbahnchef Hörl gegen den SPÖ-Politiker vom Leder.
Jenbach/Schwaz/Innsbruck. Die vor zwei Jahren beschlossene Neuaufstellung der Tiroler Zillertalbahn mit Umrüstung auf einen Akku-Hybrid-Antrieb schreitet offenbar etwas holprig voran - und führt nun zu einer Attacke von Zillertalbahn-Aufsichtsratschef und ÖVP-Nationalratsabgeordnetem Franz Hörl auf den Verkehrslandesrat des Koalitionspartners SPÖ, René Zumtobel. Dieser habe "nichts weitergebracht", sei der "größte Hemmschuh" und "überfordert", polterte Hörl in der "Tiroler Tageszeitung."
- Ukraine-Geldtransport: "Geheime Info" an Wiener Behörde
- Toter Häftling – Zadić erhebt Vorwürfe gegen Justizministerin Sporrer
- Karl Nehammers Nachfolger rekrutieren an Schule Soldaten
Zuletzt war eine Kürzung von Infrastruktur-Förderungen durch den Bund im Raum gestanden. Zumtobel schiebe die Verantwortung "stets anderen zu, anstatt zuzugeben, überfordert zu sein", zog der für markige Sprüche bekannte Zillertaler Hotelier und Seilbahnchef Hörl gegen den SPÖ-Politiker vom Leder. Der Landesrat stehe auf der Bremse - "ob absichtlich oder aus Unfähigkeit, ist sekundär. Die Folgen haben die Zillertaler und die Zillertaler Verkehrsbetriebe auszubaden", meinte der schwarze Grande. Und legte Zumtobel gar eine Rückkehr zu den ÖBB nahe, für die dieser vor seinem Einstieg in die Politik als Landesrat im Jahr 2022 arbeitete: "Anstatt in der zweiten Reihe der SPÖ-Apparat-Funktionäre auf ein erwartetes Scheitern von Parteichef Wohlgemuth zu warten."
Der unmittelbare Anlass für den Hörl'schen Ärger: Zuletzt hatte die "TT" berichtet, dass die Infrastruktur-Förderungen aus dem Investitionsprogramm für Privatbahnen (MIP) von 2027 bis 2032 gekürzt werden sollen, was Auswirkungen auf das Vorhaben im Zillertal habe. Denn dort ist bis 2030 die Umrüstung vorgesehen. Für die Zillertal-, Stubaital- und Regionalbahn sollen statt bisher jährlich 16,8 Mio. Euro "nur" noch 12 Mio. Euro fließen, angesucht habe das Land jedoch um 20 Mio. Euro. Die gesicherte Finanzierung sei jedoch die Grundlage für die Ausschreibung der sechs, vierteiligen Akku-Schmalspurschienenfahrzeuge und für die Baumaßnahmen an der Bahntrasse. "Die Rahmenbedingungen für die Ausschreibung sind fertig, aber erst wenn wir wissen, wie viel der Bund zahlt, werden wir sie starten", erklärte dazu Verkehrslandesrat Zumtobel. Er sei jedoch zuversichtlich, dass der Bund nachbessern werde, es benötige mindestens 17 Mio. Euro.
Kooperation mit Salzburg und Steiermark geplant, Hanke stellt "brauchbares Paket" in Aussicht
Die europaweite Ausschreibung sollte gemeinsam mit den Bundesländern Salzburg und Steiermark erfolgen, hatte die ÖVP/SPÖ-Landesregierung beim Beschluss der Haftungsübernahme für die Züge im November 2025 erklärt. Als Kosten wurden 90 Mio. Euro kolportiert, ohne Finanzierungskosten seien für das Gesamtprojekt 190 Mio. Euro veranschlagt. Ob Salzburg und die Steiermark mittun, sei noch nicht fix, entsprechende Haftungsübernahmen noch ausständig.
Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) befürwortete eine gemeinsame Beschaffung der drei Bundesländer, bei der Bundesförderung müsse man sich nach der Decke strecken, verlautete er. Der Minister stellte für Tirol jedoch ein "brauchbares Paket" in Aussicht. Selbiges will Parteifreund Zumtobel in den nächsten Monaten geschnürt wissen.
Weniger begeistert von einer gemeinsamen Beschaffung der drei Bundesländer ist offenbar Hörl. "Hier hat Zumtobel wertvolle Ressourcen und Zeit vergeudet, anstatt endlich in die Gänge zu kommen", nahm er dann auch gleich prompt wieder den Landesrat ins Visier. Im Gegensatz zum Ministerium: "Ich treffe den Minister wahrscheinlich öfter als Zumtobel. Und da heißt es immer nur, dass weiterhin ein förderfähiges Projekt vom Land fehlt."
FPÖ zielt auf Mattle: "Nicht mehr Herr im eigenen Haus"
Den politischen Ball sogleich aufgegriffen hat am Sonntag indes die Tiroler FPÖ. Der freiheitliche Tiroler Nationalratsabgeordnete Christoph Steiner sah in einer Aussendung einen "offenen Schlagabtausch innerhalb der schwarz-roten Landesregierung", der einen "neuen Höhepunkt" erreicht habe und eine "Streithanselkoalition". Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) sei "nicht mehr Herr im eigenen Haus", es herrsche "Chaos, Stillstand und Streit", ortete Steiner ein "tieferes Führungsversagen". Denn es wäre offensichtlich: Der "eigentliche Adressat" von Hörls Kritik sei nicht Zumtobel, sondern sitze "im Büro des Landeshauptmanns."
Langes Tauziehen
Um die Zukunft der Zillertalbahn hatte es in den vergangenen Jahren ein heftiges politisches Tauziehen gegeben. Die Verantwortlichen - allen voran Hörl - wollten die mit Diesel betriebene Bahn ursprünglich auf Wasserstoffantrieb umrüsten. Das Projekt wurde jedoch aufgrund prognostizierter Mehrkosten aufs Abstellgleis gestellt. Eine Prüfung der Technischen Universität Wien wies schließlich den Hybridzug mit Akkubetrieb und teilweiser Oberleitung als beste Möglichkeit aus. Die schwarz-rote Tiroler Landesregierung hatte sich auf diese Variante verständigt. Die Zillertalbahn ist eine 32 Kilometer lange Schmalspurbahn zwischen Jenbach und Mayrhofen.