Peschek: 'Der Schaden wäre gewaltig'

Zittern um Geisterspiele

Peschek: 'Der Schaden wäre gewaltig'

Rapid-Wirtschaftsboss Christoph Peschek fordert einen Fan-Verbleib in den Stadien. Im großen ÖSTERREICH-Interview spricht er über die wirtschaftlichen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie.

ÖSTERREICH: Christoph, wie nehmen Sie die aktuelle Corona-Lage wahr?

Christoph Peschek: Das Virus muss man sehr ernst nehmen. Ich möchte aber ein Kompliment an unsere Fans aussprechen, die bei den bisherigen Heimspielen sehr verantwortungsvoll mit der Situation umgegangen sind und aus meiner Sicht damit die besten Argumente geliefert haben, weshalb wir unter den bisherigen sehr strengen Auflagen, die behördlich auch bewilligt wurden, weiterhin vor Zuschauern spielen sollten.

ÖSTERREICH: Wie groß ist die Angst vor Geisterspielen?

Peschek: Ich hoffe nicht, dass es zu einer weiteren Reduktion kommt. Bislang haben sich unsere Fans sehr diszipliniert an alle Auflagen gehalten und unser behördlich bewilligtes Präventionskonzept ist auch für 10.000 Zuseher ausgelegt. Das hat bereits beim ersten Heimspiel gut funktioniert, unsere Fans haben sich vorbildlich verhalten. Es handelt sich um eine Freiluftveranstaltung und derzeit haben wir keine Informationen, dass sich irgendein Fan im Zuge eines Fußballspiels infiziert hat. Ich glaube nach wie vor, dass Absolutzahlen unzweckmäßig sind. Man sollte sich an der Kapazität bzw. der Infrastruktur der jeweiligen Stadien orientieren. Es würde uns im Herzen schmerzen, ohne Fans spielen zu müssen.

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ÖSTERREICH: Wie ist momentan der Austausch mit der Politik?

Peschek: Es gibt grundsätzlich immer wieder einen Austausch, aber was die konkreten Vorhaben in den nächsten Tagen anbelangt, kann ich im Moment selbst nur mutmaßen.

ÖSTERREICH: Was würde eine Rückkehr zu Geisterspielen bedeuten?

Peschek: Für uns ist der Schaden aufgrund der Reduktion auf 3.000 Zuschauer schon gewaltig – der Schaden könnte für den Fanmagneten Rapid in den zweistelligen Millionenbereich gehen. Eine weitere Reduktion wäre emotional und wirtschaftlich natürlich noch einmal ein enormer Rückschlag. 

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ÖSTERREICH: Gab es bereits Entschädigungszahlungen von der Politik?

Peschek: Für das Quartal März bis Juni gab es die Überweisung vor wenigen Wochen. Wir freuen uns über die Aussage, dass der sportliche Fonds bis Ende des Jahres fortgesetzt wird. Das ist eine wertvolle Unterstützung. Aber es ist wichtig für die Planungssicherheit, dass der Sportligen-Fonds wirklich für die gesamte Phase der behördlichen Einschränkungen, wo uns über weite Strecken die Geschäftsgrundlagen entzogen wird, besteht. Denn unsere Haupteinnahmequelle ist der Spieltag.

ÖSTERREICH: Würde Rapid einen zweiten Lockdown überstehen?

Peschek: Es würde von der Dauer, das Ausmaß und der gesamtwirtschaftlichen Folgen abhängen. Grundsätzlich bin ich aber zuversichtlich, dass wir mit dem bisherigen Zusammenhalt und unserer gesetzten Maßnahmen die Krise bewältigen werden. Wenn selbst Dortmund das Geschäftsjahr mit einem Verlust von 44 Millionen Euro abschließt, wird die Corona-Krise aber wohl für uns alle massive Spuren für die nächsten Jahre hinterlassen.

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ÖSTERREICH: Wie bitter wäre es, wenn am Donnerstag gegen Arsenal keine Fans erlaubt wären?

Peschek: Ich hoffe sehr und plane mit den 3.000 Zuschauern. Vor allem auch mit dem Argument, dass die Fans sich bisher sehr verantwortungsvoll verhalten haben. Würde es zu einer kurzfristigen Reduktion bzw. gar einem Geisterspiel kommen, würde uns das organisatorisch und vor unglaubliche finanzielle Storno-Herausforderungen stellen. Das würde im Herzen und in der Brieftasche ordentlich schmerzen.

ÖSTERREICH: Wie fair ist euer momentaner Schlüssel, wie die 3.000 Plätze vergaben werden?

Peschek: Man kann es drehen und wenden, wie man will, es gibt leider keine zufriedenstellende Lösung. Es wird immer eine Gruppe geben, die unzufrieden und unglücklich ist, weil es sich schon rein mathematisch mit unseren Abonnentenzahlen nicht ausgeht. Wir haben uns bemüht einen Kompromiss zu finden, der Treue belohnt aber auch jüngere Fans nicht komplett ausschließt. Es macht niemanden wirklich glücklich, ist aber nach intensiven Überlegungen in unseren Augen die fairste Lösung.

ÖSTERREICH: Was sagen Sie langjährigen Mitgliedern, die gegen Arsenal daheim bleiben müssen und stattdessen eine Karte für WSG Tirol bekommen?

Peschek: Dass ich die Enttäuschung verstehe und es mir sehr leid tut. Aber uns sind die Hände gebunden, wir dürfen leider nicht mehr reinlassen und können nicht alle gleich glücklich machen. Und, dass wir weiterhin für unseren Standpunkt eintreten, dass Absolutzahlen nicht zweckmäßig sind, vor allem, weil die Infrastrukturen der Stadien unterschiedlich sind.

ÖSTERREICH: Wann ist wieder ein Normalbetrieb in den Stadien realistisch?

Peschek: Wir alle haben eine große Sehnsucht nach Fußballfesten mit unseren Fans. Ich hoffe, dass wir spätestens im kommenden Sommer wieder Normalbetrieb in den Stadien haben und es ab dem Frühjahr sukzessive in diese Richtung geht.

Interview: Philipp Scheichl