Mega-Krach in der Formel 1: 'Er hat keine Ahnung'

Plagiatsaffäre

Mega-Krach in der Formel 1: 'Er hat keine Ahnung'

In der Plagiatsaffäre um Racing Point fliegen jetzt die Fetzen. 

In der Plagiatsaffäre um Racing Point rollt eine Protestwelle, Serienweltmeister Mercedes sieht sich in den Verhandlungen um den künftigen Grundlagenvertrag benachteiligt. Eigentlich war der Grand Prix zum 70-Jahr-Jubiläum der Formel 1 in Silverstone als harmonische Feierlichkeit geplant. Der Ton in der Königsklasse ist inzwischen aber rau geworden.
 
Der Streit hat sich in den vergangenen Tagen an vielen Fronten entfesselt. Eine davon ist die sogenannte "Copygate-Affäre" um das in dieser Saison so starke Team Racing Point. Renault hatte Protest gegen dessen Bremsbelüftungen eingelegt - und von den Sportkommissaren des Automobil-Weltverbandes (FIA) in Bezug auf die hinteren Bremsschächte recht bekommen. Das Urteil: 400.000 Euro Strafe und 15 Punkte Abzug in der Konstrukteurswertung.
 

Schlagabtausch

Racing Point räumte ein, Bremsbelüftungen von 2019 bei Mercedes, das das Team mit Motoren und weiteren Komponenten beliefert, eingekauft zu haben. Als diese Komponenten 2020 auf eine Liste aufgenommen wurden, die vorschreibt, welche Bauteile Eigenleistungen der Teams sein müssen, habe man sie aber nicht eingesetzt. Vom 2019er Mercedes sei man nur inspiriert worden.
 
"Sie haben behauptet, den Wagen nur anhand von Fotos kopiert zu haben. Wenn man aber das FIA-Dokument liest, wird klar, dass das kompletter Schwachsinn ist", schimpfte McLaren-Motorsportchef Zak Brown. Ihm stieß nicht zuletzt sauer auf, dass Racing Point die umstrittenen Bremsbelüftungen weiter nutzen darf. "Das ergibt für mich keinen Sinn, das ist auch nicht fair in diesem Sport." Man müsse deren Auto nun auch "insgesamt infrage stellen".
 
Diese Wortmeldung wollte Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer nicht stehen lassen: "Er hat keine Ahnung, wovon er spricht, null. Ich bin überrascht, wie wenig er über die Regeln der Formel 1 weiß." Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff wähnte eine "kleine Revolution" der Rivalen, "weil sie nicht die Leistung bringen wie Racing Point". Ferrari, McLaren, Renault und Williams kündigten an, das Urteil eventuell anzufechten. Racing Point selbst prüfte ebenfalls, gegen die Höhe des Strafmaßes vorzugehen.
 

Mehrere Baustellen

Für Wolff ist das Thema längst nicht die einzige Baustelle. Bis 12. August soll der ab 2021 gültige Grundlagenvertrag, der die Verteilung der Einnahmen regelt, unterschrieben sein. "Das werden wir sicher nicht schaffen", sagte Wolff. Denn Mercedes sei nach Ansicht des Wieners bei der Preisgeldvergabe das "größte Opfer".
 
Wolff verwies auf die Erfolge des Teams und auf Weltmeister Lewis Hamilton als Fahrer mit der "größten globalen" Strahlkraft. "Wir haben den Eindruck, dass wir nicht so behandelt wurden, wie wir sollten und deshalb gibt es noch eine Menge rechtlicher Themen für uns", meinte Wolff am Freitag. "Ich fühle mich nicht bereit dazu, das Concorde Agreement zu unterzeichnen."
 
Etwas später zeigte sich Wolff versöhnlicher. Er sehe insgesamt "keine großen Hürden, man muss sich nur zusammensetzen". Wenn man ein "vernünftiges Concorde Agreement" erziele, "dann ist das auf jeden Fall ein Sport, in dem wir bleiben wollen".
 
Der Formel-1-Rechteinhaber Liberty Media, der den Grundlagenvertrag mit den zehn Teams und der FIA aushandelt, hält am Zeitplan unbeeindruckt fest. "Die Vereinbarung ist wichtig für die Zukunft des Sports", ließen die Bosse wissen. "Wir machen damit weiter und es wird nichts verschoben." Nach Harmonie klang aber auch diese Aussage nicht.