Stallorder? Diskussionen um Webber-Manöver

Italien-GP

Stallorder? Diskussionen um Webber-Manöver

Das Bullen-Überholmanöver von Webber und Vettel sorgt für Wirbel.

Der Königliche Park, gestern, 15.20 Uhr. Alonso (29) rauscht über die Ziellinie und lenkt seinen Ferrari übermütig hin und her. Per Funk hört er den Renn-Ingenieur jubeln: „Fantastisches Rennen, toller Boxenstopp, fantastisches Wochenende!“ Ein rotes Fahnenmeer, grenzenlose Begeisterung der Tifosi. Denn hinter Jenson Button (McLaren) fuhr auch Felipe Massa im zweiten Ferrari als Dritter aufs Podest. Doch der Held des Tages ist Alonso. Mit seinen 25 Siegerpunkten liegt er nur mehr 21 Punkte hinter Mark Webber, der Hamilton als WM-Leader ablöste.

Der verrückte Monza-GP im Zeitraffer:
Am Start schießt Button an Pole-Mann Alonso vorbei. Vor der zweiten Schikane kracht Hamilton in den Massa-Ferrari, zerstört seine Vorderachse, und rutscht ins Kiesbett. Bitter! Mit dieser Harakiri-Aktion („mein Fehler!“) hat er die WM-Führung hergeschenkt.

21. Runde: Vettel, zu diesem Zeitpunkt Siebenter, wird plötzlich langsamer, Red-Bull-Kollege Webber zieht problemlos vorbei. Danach funktioniert Vettels Red Bull wieder problemlos und löst heftige Diskussionen aus.

38. Runde: Alonso rast aus der Box und quetscht sich vor Button (McLaren hat seinen Boxenstopp verhaut) zurück auf die Strecke – die Vorentscheidung! RTL-Experte Lauda: „Da hat vielleicht ein halber Meter über den Sieg entschieden.“ Alonso fährt seinen 25. GP-Triumph souverän nach Hause.

Vettel wird hinter Button und Massa noch Vierter – mit einer sensationellen Taktikleistung: Der Red-Bull-Star geht volles Risiko, bleibt bis zum Schluss auf seinem weichen Start-Reifensatz („Als die anderen in der Box waren, hatte ich freie Bahn“), kommt erst in der vorletzten Runde zum Reifenwechsel herein und wird Vierter. Damit hat der Deutsche vier Punkte mehr als Teamkollege Webber (6.) am Konto und ist zurück im WM-Rennen.

Alonso: „Einer der größten Tage meiner Karriere!“
Alonso wird von den Tifosi gefeiert, als hätte er bereits die WM gewonnen. „Das ist einer der größten Tage meiner Karriere“, jubelte der Weltmeister von 2005 und 2006. „Mein Team hat einen unglaublichen Job gemacht, wir haben das Rennen in der Garage gewonnen.“

Und möglicherweise sogar die WM. Denn fünf Rennen vor Schluss ist es spannend wie nie. WM-Leader Webber hat nur fünf Punkte Vorsprung auf Monza-Loser Hamilton. Neben Alonso (3.) haben auch Button (4.) und Vettel (5.) die theoretische Chance, beim Flutlicht-GP in Singapur in zwei Wochen die Führung zu übernehmen. Lauda: „Hamilton hat mit seinem unnötigen Ausfall für alle anderen die Tür weit geöffnet.“ Und Ferrari-Chef Domenicali verspricht nach dem ersten Ferrari-Heimsieg seit Michael Schumacher 2006: „Wir werden nachrüsten. Wir haben noch ein Ass im Ärmel.“

Wirbel um Webber-Manöver
Die 21. Runde. Vettel liegt auf Platz 7 – unmittelbar vor seinem in der WM besser platzierten Red-Bull-Teamkollegen Webber. Da hören Millionen TV-Fans Vettels Funk: „Mein Motor stirbt!“ Tatsächlich wird Vettel deutlich langsamer, Webber zieht problemlos vorbei. Kurz später läuft Vettels RB6 wieder bestens.

Hinter den Kulissen wird wild spekuliert. Musste Vettel seinen Kollegen überholen lassen. Eine versteckte Stallorder (die ja verboten ist)? In Hockenheim hatte das offensichtliche Taktikmanöver (Massa ließ Alonso überholen) Ferrari 100.000 Dollar (aber keinen Punkteabzug!) gekostet.

Geniestreich von Vettel
Sollte es sich bei Red Bull um heimliche Hilfe für Webber gehandelt haben, dann konterte Vettel mit einem Geniestreich: Er blieb mit den abgefahrenen Reifen draußen, überholte Webber während dessen Boxenstopps und arbeitete sich mit dieser Risikotaktik sogar auf Platz vier vor. Oberbulle Didi Mateschitz, gestern Gast in der Red-Bull-Box, war begeistert.

Für Kopfschütteln sorgten die widersprüchlichen Red-Bull-Erklärungen zu Vettels Motoraussetzer. Während Motorsportchef Helmut Marko von einem kurzen Feuer in der Airbox sprach, mutmaßte Teamchef Chris Horner: „Vielleicht ist ein Abrissstreifen von Vettels Visier in die Airbox geflogen.“ Vettel selbst hatte „keine Ahnung was los war. Das Problem hat sich zum Glück von selbst gelöst.“ Und Marko verspricht: „In den nächsten Rennen wollen wir endlich wieder die Plätze 1 und 2 machen.“