Olympia-Skatboard

Skateboard-Gewinner fast noch Kinder

Japanische Gold-Teenager im Fokus

Mit den Olympischen Spielen wollte Pierre de Coubertin vor mehr als 100 Jahren die Jugend der Welt zusammenführen.

Selten ist der Nachwuchs beim größten Sportevent so in den Fokus gestürmt wie 2021 in Tokio. Die 13-jährige Japanerin Momiji Nishiya trickste sich auf dem Skateboard vor der gleichaltrigen Rayssa Leal (BRA) zu Gold. Mit 17 Jahren schwamm Lydia Jacoby zum Triumph über 100 Meter Brust. Als jüngste Athletin trat die zwölfjährige Syrerin Hend Zaza im Tischtennis an.

Teenies geben sich bescheiden

"Ich habe kein spezielles Gefühl, was mein Alter anbelangt. Das hier hatte aber auch nichts mit Alter zu tun", sagte Nishiya nach ihrem Coup lapidar. Aber was soll ein Teenager, der in seinem Leben erst zwei Olympische Sommerspiele bewusst wahrgenommen hat, auch Erleuchtendes sagen zum aktuellen Jugendtrend unter den fünf Ringen? 

Thomas Bach freut die Entwicklung. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bemüht sich wie schon Vorgänger Jacques Rogge, das altehrwürdige und manchmal etwas verstaubt wirkende Sportspektakel für jüngere Athleten und Fans attraktiver zu machen. Dass hippe Sportarten wie Skateboard oder Surfen ihre Aufnahme in das Olympia-Programm gefunden haben, ist da nur ein logischer Schritt.

Mit dem Skateboard-Bewerb kam die Jugend

Mit einem Event wie dem Skateboard-Wettkampf und dazu noch jungen Protagonisten schlug das IOC zwei Fliegen mit einer Klappe. Kurios ist, dass für Nachwuchssportler 2010 die Olympischen Jugendspiele als Gelegenheit zum Erstkontakt mit den fünf Ringen ins Leben gerufen wurden. Weil dort aber nur Sportler zugelassen sind, die am Ende des Jahres mindestens 15 sind, wären sowohl Olympiasiegerin Nishiya als auch die Zweitplatzierte Leal zu jung für eine Teilnahme. 

Auch die deutsche Skateboarderin Lilly Stoephasius dürfte in Tokio nicht starten, wenn dort nicht normale, sondern Jugendspiele stattfinden würden. Die Berliner Schülerin wurde gerade 14 Jahre alt und ist das Küken im deutschen Olympia-Kader. Als jüngsten Sportler der olympischen Historie führt das IOC Griechenlands Turner Dimitrios Loundras, der 1896 bei der Neuzeit-Premiere zehn Jahre alt war. 

Jugend-Trend nicht ohne Gefahr

Manche Beobachter und Kommentatoren sehen in dem Trend zur Verjüngung eine Gefahr - der Druck auf junge Sportler durch die Aussicht auf die große Bühne Olympia könnte noch einmal steigen. Welche mitunter grausamen Folgen das haben kann, zeigte sich in der Historie anderer Sportarten wie etwa dem Turnen: Nachdem die Rumänin Nadia Comaneci 1976 in Montreal als 14-Jährige dreimal Olympia-Gold gewonnen hatte, weiteten erfolgsbesessene Coaches ihr knochenhartes Training auf immer jüngere Sportler aus - die Methoden gingen hin bis zu schwerem Missbrauch. Im Turnen gibt es ein Mindest-Teilnahme-Alter von 16 Jahren.

Für derartige Abgründe ist Skateboarden nicht prädestiniert, die jungen Cracks setzen eher auf den Fun-Faktor als Erfolgsrezept. "Das Wichtigste beim Skateboardfahren ist der Spaß, sonst klappen die Tricks auch nicht", meinte dazu Lilly Stoephasius.