Gute Chancen

Rodel-Asse fiebern Auftakt entgegen

Die neue Olympiabahn von Cortina d'Ampezzo gilt nicht als die schwierigste, nicht als gefährlich, aber sie birgt ein großes Kriterium: die Kurve vier.

Damit die Kurve vier gelingt, muss schon am Start alles richtig gemacht werden. Misslingt sie, kommt der Notfallplan zum Einsatz. Österreichs Rodlerinnen und Rodler wissen, was im Eiskanal "Eugenio Monti" zu tun ist, und dass noch längst nicht alles verloren ist, wenn der Einfahrtswinkel einmal nicht genau stimmt.

Jonas Müller ist in dieser Saison stärkster Einsitzerrodler in Österreichs Team gewesen, bei den Testfahrten in Cortina empfand er zuerst ein "ganz, ganz komisches" Gefühl. "Wir Österreicher haben uns alle nicht wirklich ausgekannt, warum wir so viel rutschen und warum es den anderen Nationen so viel leichter fällt. Aber dann haben wir uns das alle sehr gut erarbeitet. Jetzt liegt mir die Bahn eigentlich sehr gut. Die Kurve vier ist die Schwierigkeit, aber im unteren Bereich kann man den Schlitten sehr, sehr gut laufen lassen. Das liegt mir", sagte er im APA-Gespräch.

16 Kurven, nichts Spektakuläres

Die Olympiabahn ist 1.445 m lang, bietet für die Männer-Einsitzer 16 Kurven, einen Höhenunterschied von 107 Metern und ein maximales Gefälle von 18 Prozent. "Wenn ich am Start hocke, denke ich eigentlich nur an die Kurve eins. Wenn ich in Kurve eins bin, denke ich an die nächste und so geht es weiter", schildert Müller seine Vorgehensweise und erklärt die Schwierigkeit der Kurve vier. "Knapp drei Viertel der Kurve ist sehr, sehr wenig Druck. Dann rutscht der Schlitten einfach leicht, wenn man lenkt, denn er hat wenig Anpressdruck. Im letzten Viertel hat man sehr, sehr viel Druck und das ist ein ganz komisches Gefühl. Das gibt es in keiner Kurve." Der Kurvenradius sei vorne sehr offen und mache hinten zu.

Es sei das Ziel gewesen, eine Bahn zu bauen, die auch für den Nachwuchs genutzt werden könne, freilich müsse man da irgendeine Schlüsselstelle einbauen, sagte Müller. "Sie ist nicht gefährlich, also zum Wehtun ist sie nicht, aber zum Zeitverlieren." Denn wenn sie schiefgehe, müsse man für Kurve fünf ein Notfallprogramm haben. "Weil es stimmt der Einfahrtswinkel in die Kurve fünf nicht mehr, die Geschwindigkeit ist weniger. Er selbst hake das schnell ab, schaue nach vorne und gebe Vollgas." Bei den Testfahrten zeigte sich, dass bei kleinen Fehlern vom Zeitlichen her eigentlich nicht viel passiere. "Man verliert ein bisschen einen Schwung, das ist der Nachteil, den man gegenüber jenen hat, die die Kurve gut fahren."

Im weiteren Verlauf komme nichts "Spektakuläres" mehr auf einen zu, aber man müsse sehr genau fahren. "Ich glaube, es ist schwer, auf dieser Bahn einen perfekten Lauf zu fahren. Das heißt, dass man einfach überall den Schwung wirklich mitnimmt und dass man so wenig Fehler wie möglich macht." Er gehe davon aus, dass es ein "ganz knappes Rennen" um die Olympiamedaillen werde. "Wer in den vier Läufen die wenigsten Fehler macht, wird am Schluss ganz weit vorne sein."

Bei Schulte spielt Instinkt große Rolle

Lisa Schulte erklärte, dass man sich wegen der im oberen Teil sehr flachen Bahn und dem wenigen Gefälle keine Fehler erlauben dürfe. "Es ist bei mir eigentlich ganz gut gegangen in den Testfahrten. Ich würde sagen, ich habe einfach das Gefühl in der Bahn, dass ich oft von selber instinktiv weiß, wie ich in den Kurven lenken muss. Das kommt mir auf einer neuen Bahn zugute. Meine größte Stärke ist, den Speed in der Bahn zu finden."

Teamkollegin Hannah Prock visualisiert beim Aufwärmen die Fahrt von Kurve zu Kurve durch. "Wenn du dann direkt am Start sitzt, dann denkst du nur noch an den Start. Beim Fahren selber fühlt man einfach, wo die Rodel gerade hin zeigt, und so lenkt man dann." Es gäbe einige Kurven, wo Einfahrtswinkel und Einfahrtszeitpunkt passen müssten. "Wenn nicht, dann braucht man auf jeden Fall einen Plan B. Also ich habe bei einigen Kurven immer einen zweiten Plan im Kopf. Das ist dann eine Reaktion in dem Moment." Nur weil man mal kurz von der Ideallinie abkomme, heiße das nicht gleich, dass es extrem schlecht sei.

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten