Siebenhofer

Ski Alpin Damen

ÖSV-Duo verpasst Medaille bei Shiffrin-Drama

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Die Halbzeitführende Christine Scheyer muss sich mit dem 6. Platz begnügen und verpasst eine Medaille! Huber fährt noch auf Rang 5 - Siebenhofer 6. Michelle Gisin schnappt sich Gold! US-Star Mikaela Shiffrin scheidet im Slalom-Finale aus - sie bleibt damit heuer bei Olympia ohne Medaille.

Michelle Gisin hat ihren Olympiasieg in der Alpinski-Kombination wiederholt. Die Titelverteidigerin aus der Schweiz fuhr am Donnerstag bei den Winterspielen in Peking von Platz zwölf in der Abfahrt mit Slalom-Bestzeit noch zum Sieg. Am Ende hatte Gisin gleich 1,05 Sekunden Vorsprung auf ihre Schweizer Landsfrau Wendy Holdener, Federica Brignone (ITA) holte Bronze. Das Österreich-Trio Katharina Huber, Christine Scheyer und Ramona Siebenhofer belegte die Plätze fünf bis sieben. 

Hier alle Details im Sport24-Olympia-Ticker

Scheyer war in Yanqing nach einer beachtlichen Bestzeit in der Abfahrt mit einer Hundertstel Vorsprung auf die Tschechin Ester Ledecka in den Slalom gegangen, in dem die Speed-Spezialistin aus Vorarlberg aber natürlich nur geringe Chancen hatte. Wesentlich bitterer war gleich danach die Vorstellung von Ramona Siebenhofer, die Platz drei aus der Abfahrt als Speed-Spezialistin und aber ordentliche Slalomfahrerin nicht verwerten konnte und nach nur 10. Slalom-Laufzeit am Ende Siebente bei gerade mal etwas mehr als 20 Starterinnen wurde. 

Shiffrin scheitert erneut

Shiffrin eröffnete als Abfahrts-Fünfte und damit aussichtsreichste Kombiniererin den Kampf um Gold, zudem auf dem anspruchsvollen Slalomkurs ihres US-Coaches Michael Day. Das China-Desaster setzte sich für die in Peking erfolglose Ausnahme-Skirennfahrerin aber fort. Die 26-Jährige begann in ihrer Parade-Disziplin früh zu patzen und taumelte dann regelrecht durch einige Stangen, ehe sie bei Tor 13 zu Boden musste. "Es ist unglaublich. 60 Prozent der Ausfälle meiner ganzen Karriere hat es bei diesen Olympischen Spielen gegeben", sagte die geschockte Amerikanerin. 

© Getty
Shiffrin
× Shiffrin

Damit war die Tür geöffnet für die Konkurrenz, die zudem vom Fehlen der verletzten Vizeweltmeisterin Petra Vlhova profitierte. Zunächst ging die nach der Abfahrt auf Platz acht liegende Brignone vor Ledecka und Scheyer in Führung. Dann setzte sich die Abfahrts-Elfte Holdener trotz einer Schrecksekunde souverän in Führung und fuhr damit Scheyer vom Podest.

Gisin verteidigt Olympia-Titel

Am Ende lag alles an Olympia-Titelverteidigerin Gisin, die aber als Halbzeit-Zwölfte aus nur einer Hundertstel Rückstand auf Holdener einen klaren Vorsprung von über einer Sekunde machte. Damit wiederholte die 28-Jährige ihren Olympiasieg von Pyeongchang 2018. Der Doppelsieg besiegelte jetzt schon eine historische Alpinbilanz für die Schweiz. Noch nie zuvor hat eine Nation fünf Alpin-Goldene bei den gleichen Olympischen Spielen gewonnen. 

Stark fuhr in der Entscheidung Huber. Der bei 3,26 Sekunden Rückstand nach der Abfahrt nur auf Platz 19 liegenden Niederösterreicherin gelang im Slalom die zweitbeste Zeit hinter Gisin, womit sie sich noch vor Scheyer und Siebenhofer zur besten Kombi-Österreicherin machte.

Siebenhofer blickt mit Selbstvertrauen auf Teambewerb

"So eine Platzierung nehme ich gerne mit. Es war echt eine Gaude heute beim Skifahren. Schon die Abfahrt hat echt Spaß gemacht und im Slalom gab es ohnehin nur Vollgas", sagt die 26-Jährige, die den Slalom zudem als "fair" bezeichnete. Form und Motivation für den Mixed-Teambewerb sei da, freute sie sich schon auf das letzte Olympia-Rennen.

Auch Scheyer war zufrieden. "Es ist mir nicht so leicht von der Hand gegangen, ich hatte ziemlich zu kämpfen", gestand sie aber nach einer Schrecksekunde im Slalom. "Da hat es mich ziemlich verjagt und ich musste schauen, im Kurs zu bleiben." Der harte Untergrund sei für sie als Gefühls-Skifahrerin natürlich nicht optimal. Sie würde sich wünschen, dass man die Kombi weiterführe, so Scheyer. "Das Starterfeld ist klein, aber ziemlich hochkarätig."

Etwas ernüchtert gab sich Siebenhofer. "Das war heute einige Prozent zu viel Hangneigung für mich. Zudem war der Kurs schon gefinkelt", sagte die Steirerin. "Man kann zwar in der Kombi immer überraschen, aber der Slalom war heute war eine Nummer zu groß für mich", gestand Siebenhofer. Ihre Olympia-Bilanz? "Nicht optimal. Ich hab's mir auch anders vorgestellt. Aber es sind trotzdem nur drei Skirennen im Leben und es geht weiter. Deshalb stelle ich die Ski nicht ins Eck." 

Alle Stimmen nach dem Rennen:

Katharina Huber (5.): "Die Platzierung nehme ich auf alle Fälle mit. Es war heute echt eine Gaudi, das Skifahren. Schon die Abfahrt hat schon richtig Spaß gemacht. Beim Slalom habe ich gewusst, dass es nur Vollgas gibt. Das habe ich, glaube ich, recht gut umgesetzt. Es war ein fairer Kombi-Slalom. Vom Torabstand war es nicht ganz so eng, wie es vielleicht teilweise im Spezialslalom ist. Ich habe mich (in den Abfahrtstrainings/Anm.) recht gut steigern können, und ich glaube, das war das Wichtigste. Die Form für den Teambewerb ist da, die Motivation ist da."

Christine Scheyer (6.): "Es war nicht so leicht von der Hand, wie ich mir das vorgenommen habe. Es war doch ziemlich zum Kämpfen von oben bis unten. Es hat schon gedreht, ich wollte einfach nicht zu viel Weg fahren, teilweise war ich zu gerade. Einmal hat es mir eine Stange auf den Ski, da hat es mich ziemlich verjagt, da habe ich geschaut, dass ich irgendwie noch drinnenbleibe. Aber auf der Piste bei dem Lauf... Ich habe gekämpft von oben bis unten, ich habe alles probiert und riskiert, habe einen Bock auch noch geschossen. Von dem kann ich mir nichts vorwerfen. Ich wollte es einfach nicht verbremsen."

Ramona Siebenhofer (7): "Ein Kampf war das heute. Das sind halt einfach ein paar Prozent zu viel Hangneigung für mich, und die Kurssetzung. Ich habe es ein bisschen unterschätzt, vom Shiffrin-Trainer war es schon gefinkelt schwierig. Er hat immer wieder gerade Tore, dann hat es wieder rausgedreht. Ich denke, es war so ähnlich zu erwarten. Man kann immer überraschen in einer Kombi, aber das war eine Nummer zu groß heute der Slalom." 

Mikaela Shiffrin (US-Favoritin/out): "Ich habe keinen Druck verspürt, war locker und entspannt und ganz auf gutes Skifahren konzentriert. Aber es hat wieder nicht funktioniert. Es ist unglaublich, ich habe es wieder nicht ins Ziel geschafft. 60 Prozent der Ausfälle meiner ganzen Karriere sind hier bei diesen Olympischen Spielen passiert."  

Michelle Gisin (SUI/Gold): "Vor vier Jahren habe ich es mit der Abfahrt entschieden, diesmal mit dem Slalom. Schade, dass es Mikaela (Shiffrin, Anm.) nicht ins Ziel geschafft hat. Ich hätte gerne mit ihr um Gold gekämpft. Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach anstrengenden drei Wochen so einen Slalom fahren kann. Ich bin im siebenten Himmel."

Wendy Holdener (SUI/Silber): "Ich würde sagen, es war eine gute Abfahrt und ein solider Slalom von mir. Für Gold habe ich zu wenig riskiert, denn Michelle ist unglaublich gefahren. Es war ganz speziell, weil ich wusste, dass Mikaela ausgeschieden ist. Die Medaille bedeutet, dass ich zu den besten Frauen der Welt gehöre, die in allen Alpinski-Disziplinen gut sind."

Federica Brignone (Bronze/ITA): "Es waren sicherlich nicht viele Fahrerinnen am Start heute. Aber Michelle Gisin und Wendy Holdener sind großartig Slalom gefahren. Ich hatte keine Chance und ich war nach der Abfahrt für mehr als Bronze viel zu weit zurück. Dazu kam das Glück, dass Mikaela Shiffrin ausgeschieden ist. Das ist eben Skifahren, so ist der Sport."